So verläuft in Nordthüringen der Weg des Blutes vom Spender zum Patienten

Nordhausen  Die Blutspendezentrale des Südharz-Klinikums versorgt Nordthüringen mit Blutprodukten. Ein Blick in die Verarbeitung.

Die Blutspende - hier im Bild entnimmt Uta Schaaf zwei Spendern bei einem Termin in der Stadtverwaltung Blut - dauert maximal zwölf Minuten. Entnommen werden zwischen 450 und 500 Milliliter Blut.

Die Blutspende - hier im Bild entnimmt Uta Schaaf zwei Spendern bei einem Termin in der Stadtverwaltung Blut - dauert maximal zwölf Minuten. Entnommen werden zwischen 450 und 500 Milliliter Blut.

Foto: Marco Kneise

Immer wenn die Temperaturen ansteigen, macht sich das auch bei der Blutspendezentrale im Nordhäuser Südharz-Klinikum (SHK) bemerkbar. „Es kommen weniger Spender“, sagt Sven Köhn, Spendekoordinator in der Einrichtung, die nach der Wende an das Krankenhaus angegliedert wurde. Doch einen Engpass an Konserven habe es noch nie gegeben. „Das liegt vor allem daran, dass wir die Blutspendetermine im Sommer langfristig planen und auch so legen, dass wir am Ende trotz mancher nicht gut besuchten Termine kein Defizit erzeugen“, erläutert er.

Neben dem Standort im SHK, wo immer montags und freitags Blut gespendet werden kann, bietet die Blutspendezentrale auch an 30 weiteren Orten im Landkreis Nordhausen sowie im Kyffhäuserkreis die Möglichkeit zum Blutspenden an. Bei ihrer Arbeit werden die Mitarbeiter stets von Mitgliedern des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), den Kreisverbänden aus Nordhausen und Kyffhäuser, unterstützt. „Sie stellen Helfer zur Verfügung, helfen mit Räumlichkeiten aus oder unterstützen uns bei der Werbung“, so der Spendekoordinator.

Wer spenden möchte, muss 18 Jahre alt sein, sich gesund fühlen, ausreichend gegessen und getrunken haben und mindestens 50 Kilogramm auf die Waage bringen. Generell werden zwischen 450 und 500 Millilitern Blut entnommen. Spender müssen sich jedes Mal mittels Personalausweis oder Reisepass ausweisen. „Bei Erstspendern mit Reisepass ist zusätzlich eine Meldebescheinigung erforderlich“, so Sven Köhn.

Bevor es zur Spende kommt, müssen die potenziellen Spender einen anonymen Fragebogen ausfüllen, der Aufschluss über Vorerkrankungen oder das Sexualleben geben soll. 2020 wird es einen neuen Bogen geben, der dem Spendekoordinator zufolge noch mehr intime Fragen enthalten wird. Ein Beispiel: „Hatten Sie in den letzten zwölf Monaten Sexualverkehr mit mehr als drei Partnern oder haben Sie Geld oder Drogen dafür erhalten?“ Ein medizinischer Mitarbeiter übernimmt anschließend die Voruntersuchung des Spenders, misst Blutdruck, Temperatur und den Hämoglobin-Wert, sprich den roten Blutfarbstoff. Auch das Gewicht wird kontrolliert und der Fragebogen durchgegangen.

Spenden dauert nicht länger als zwölf Minuten

Danach folgt ein vertrauliches Gespräch mit dem Arzt. Hat er nichts zu beanstanden, geht es zur Spende. Diese dauert nicht länger als zwölf Minuten. Dabei kommt ein sogenanntes 4-fach-Blutbeutelsystem zum Einsatz, das mit einem Barcode anonymisiert wird. Das Vollblut wird in einem der Beutel aufgefangen, in dem sich eine Nährlösung befindet. Ein kleiner Teil fließt in einen weiteren Beutel, aus dem Teströhrchen für eine Laboruntersuchung auf diverse Krankheitserreger gefüllt werden. Die Spender entscheiden selbst durch einen anonymen Selbstausschluss, ob ihr Blut verwendet werden darf oder nicht.

Nicht verwendet werden sollten die Konserven von Risikogruppen, zu denen unter anderem Homosexuelle oder Drogenabhängige gehören. Um auszuschließen, dass der Spender sich mit Hepatitis oder HIV infiziert hat, wird das Blut vor der Verarbeitung gründlich untersucht. Wird dabei etwas gefunden, wird die Spende vernichtet. Wird hingegen nichts gefunden, kann die Spende verarbeitet und das Blut in seine Bestandteile zerlegt werden. „Das muss innerhalb von 18 Stunden passieren“, erläutert Sven Köhn.

Nach der Spende wird das Blut zwei Stunden bei Raumtemperatur gelagert, ehe es zur Verarbeitung kommt. Dort werden zunächst die Leukozyten - die weißen Blutzellen - aus der Vollblutspende herausgefiltert und ausgesondert. Dieser Vorgang dauert zwischen 20 bis 59 Minuten. Übrig bleiben unter anderem das Blutplasma und die roten Blutkörperchen. Um beides voneinander zu trennen, kommt der Beutel in eine Zentrifuge mit 3500 Umdrehungen. „Das ist dreimal so viel wie eine Waschmaschine mit 1200 Umdrehungen“, vergleicht Sven Köhn. Die Trennung dauert circa eine Stunde. Danach schwimmt das Plasma oben und die roten Blutzellen (Erythrozyten) unten in dem Beutel. Mithilfe einer speziellen Maschine - eines Separators - werden das Plasma und die Erythrozyten separiert. Ist dieser Schritt abgeschlossen, werden die Produkte gewogen und etikettiert.

Das Plasma wird laut Köhn an die Pharmaindustrie verkauft, die es so verarbeitet, dass es an die Klinik als zugelassenes Medikament zurückgeführt und verwendet werden kann. Die anderen beiden Produkte werden im Kühlschrank aufbewahrt, bis sie benötigt werden. Braucht ein Patient Blut, wird ein Kreuzprobentest durchgeführt, um herauszufinden, ob dieser das Blut verträgt. Dabei reiche es nicht aus, nur darauf zu achten, dass der Empfänger dieselbe Blutgruppe wie das Spenderblut hat, erläutert der Spendekoordinator. Denn zu jeder Blutgruppe - dazu gehören A, B, AB und O - gehören verschiedene Blutgruppensysteme, die Rhesussysteme. Und auch die müssen übereinstimmen, damit es bei der späteren Transfusion zu keinen Nebenwirkungen kommt.

Blutkonserven werden häufig bei Krebspatienten oder Verkehrsunfällen gebraucht

Passt soweit alles, wird das gekreuzte Blut patientenbezogen drei Tage lang aufbewahrt. Ein Pfleger holt es in der Blutspendezentrale ab. Ehe der Arzt das Blut dem Patienten gibt, nimmt dieser direkt am Krankenbett einen Bed-Side-Test vor, um eine Verwechslung auszuschließen. „Erst danach wird das Blut per Infusion transfundiert“, so Sven Köhn. Das geschieht tröpfchenweise und langsam. Er kann sich nur an einen Fall erinnern, bei denen das Blut sehr schnell verabreicht werden musste: „Das war im Oktober 2017 nach einer Entbindung. Bei der jungen Mutti ist ein Blutgefäß im Oberschenkel kaputt gegangen und das Blut staute sich. Sie musste operiert werden und brauchte, weil sie viel Blut verloren hatte, auch viel Blut“, erinnert er sich. Viertelstündlich habe ein Pfleger in der Blutspendezentrale die Konserven abgeholt - über 30 Stück insgesamt. „Da mussten wir das Blut auch regelrecht herausquetschen, um ihr Leben zu retten“, so Köhn. Der Einsatz aller Beteiligten habe sich gelohnt. „Die Frau hat überlebt und konnte nach zwei Monaten entlassen werden“, sagt der Spendekoordinator.

Dass Blutkonserven bei Entbindungen benötigt werden, komme nicht oft vor. Bei Krebspatienten, Verkehrsunfällen oder chronischen Erkrankungen werden sie häufig gebraucht. Die Zentrale versorgt mit den Blutprodukten nicht nur die Klinik, sondern auch Nordthüringen. Sie beliefert alle regionalen Dialysen und die Krankenhäuser Neustadt, Sondershausen, Bad Frankenhausen und im Notfall Bleicherode.

Weltblutspendetag am 14. Juni im Südharz-Klinikum

Die Blutspendezentrale des Südharz-Klinikums (SHK) beteiligt sich am Weltblutspendetag, der am Freitag, 14. Juni, begangen wird. In der Zeit von 7.30 bis 11 Uhr können Spender eine besondere Gesundheitsvorsorge in Anspruch nehmen. Dafür hat sich die Blutspendezentrale verschiedene Partner eingeladen.

So bietet die Elisabeth-Apotheke Blutzucker- und Blutcholesterintests an sowie eine Beratung zur Hautpflege. Bei der Betriebskrankenkasse VBU können Besucher ihren BMI bestimmen sowie eine Körperfett- und Lungenvolumenmessung vornehmen lassen. Mit vor Ort ist auch die Hautklinik des SHK. Hautärztin Dr. Kitty Maas steht für Fragen zur Verfügung. Unter dem Motto „Mund auf gegen Blutkrebs!“ können sich Interessierte zudem bei der DKMS für eine Stammzellspende registrieren lassen. Die Orthopädie Jüttner bietet Venendruckmessungen an. Die Küche des SHK bereitet ein Obstbuffett vor. Zudem gibt es Kaffee und Kuchen für die Gäste.

Der weltweite Blutspendetag macht auf die Bedeutung der Blutspenden und Blutspender aufmerksam und wurde unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation 2004 ins Leben gerufen. Er wird jährlich am 14. Juni gefeiert - dem Geburtstag von Blutgruppenentdecker Karl Landsteiner.