Spatenstich für Theateranbau in Nordhausen ist im August 2020

Nordhausen  Der Entwurf des Magdeburger Planungsbüros macht eine auswärtige Ersatzspielstätte während der Theatersanierung unnötig.

Von der Töpferstraße würde sich das Theater mit seinem Anbau für Werkstätten, Hinterbühne, Ballettsaal und Verwaltung derart zeigen. Der obere Kubus soll Platz bieten für die Haustechnik

Von der Töpferstraße würde sich das Theater mit seinem Anbau für Werkstätten, Hinterbühne, Ballettsaal und Verwaltung derart zeigen. Der obere Kubus soll Platz bieten für die Haustechnik

Foto: Planungsbüro Kirchner + Przyborowski

„Wenn Sie sich auf dem Sondershäuser Schlosshof vergnügen, schleppen wir Umzugskisten.“ Theaterintendant Daniel Klajner blickt in die Sommermonate des Jahres 2024 voraus: Es sollen die letzten Tage vor der Wiedereröffnung des dann sanierten Theaters im September 2024 sein.

Wie das Haus samt dem neuen Anbau dann aussehen wird, hat das Magdeburger Planungsbüro Kirchner + Przyborowski in ersten Entwürfen vorgelegt. „Die Kubatur steht fest, die Farbgebung ändert sich möglicherweise noch“, erklärt Daniel Klajner. Spatenstich soll im August 2020 sein, nachdem die Kampfmittelbeseitigungsarbeiten sowie die archäologischen Untersuchungen abgeschlossen wurden. Bis Mai 2022 soll der Anbau stehen, der Theaterbetrieb läuft unterdessen wie gewohnt weiter: „Die Arbeiten haben weder einen Einfluss auf unseren Spielbetrieb noch auf die künftige Spielplangestaltung und die Spielsituation im Theater.“

Der zweigliedrige Anbau bekommt ein Flachdach, das sich in seiner Höhe an den Trauf­kanten des Satteldachs vom bestehenden Theater orientiert. Den Architekten war wichtig, die Wirkung des 1917 erbauten Hauses so wenig wie möglich zu schmälern, gerade von der Töpferstraße aus.

An dieser Seite ist der Bühneneingang geplant. Ein Fahrstuhl ist am Bestandsgebäude nahe des heutigen Theaterrestaurants vorgesehen, wodurch auch das Theater unterm Dach barrierefrei wird: „Dessen Zugang erfolgt neu aus dem Foyer des zweiten Rangs“, so Klajner. Das „Iridion“ selbst zieht auf die Südseite. Ein Garderobenteil wird dann im jetzigen Theaterrestaurant untergebracht, der andere bleibt auf der linken ­Foyerseite des Parketts.

Im Foyer des ersten Rangs soll der historische Umgang wieder geöffnet werden. Im großen Theatersaal sollen die Bestuhlung, die Wände und die Bodenbeläge erneuert werden. Geometrie und Sichtachsen bleiben erhalten. Verbessern wird sich die Akustik, ebenso dank Klimaanlage die Luft. Barrierefreiheit auch hier, das versteht sich von selbst. Dank eines fahrbaren Pults für Ton und Licht im ersten Rang müssen nach der Sanierung auch bei musikalisch aufwendigen Produktionen keine Plätze mehr im Parkett gesperrt werden. Bei allen Neuerungen – natürlich auch bei der Bühnentechnik – bleibe eines erhalten: „Der Kronleuchter“, sagt Klajner, um dessen Bedeutung für viele Theatergänger wissend.

Verbesserungen gibt es auch für die Belegschaft. Denn mit dem neuen Anbau hat die Zeit ein Ende, da das Theater drei Außenstandorte in der Stadt hat: in Niedersalza den Ballettsaal, in der Loge am Dom die Probebühne, die Tischlerei und den Malsaal, westlich des Hauptfriedhofs die Schlosserei. Weite Wege, mancherorts aber auch suboptimale oder gar prekäre Bedingungen verlangen von den Theatermitarbeitern derzeit viel ab. Im Denkmal ist es derart eng, dass man sich seit Jahren mit Containern im Hof begnügen muss, dass Fluchtwege etwa in der Unterbühne und in Fluren zugestellt sind. Mangelnder Arbeitsschutz und Brandschutz bringen den Intendanten um den Schlaf.

Der neue Anbau beherbergt unten Plastik- und Dekowerkstatt, die Schlosserei und ein Instrumentenlager, dank eines Hubpodests kann von dort alles leicht eine Etage höher auf Bühnenniveau gebracht werden. Auf diesem wird die im jetzigen Theaterbau seit jeher fehlende Hinterbühne entstehen, nebenan sind Malsaal, Schreinerei und Ballettsaal geplant – jeweils sechs Meter hoch, ebenso kleine Werkstätten für Maske, Requisite, Ton und Beleuchtung. Über letzteren finden eine Etage höher Schneiderei und Kostümlager für den Vorstellungsbetrieb Platz. „Sechs Produktionen mit jeweils durchschnittlich 150 Kostümen laufen parallel“, verdeutlicht der Intendant die Notwendigkeit dieses Lagers unabhängig vom Kostümfundus in Niedersalza. Der soll dort erhalten bleiben, zweiter Außenstandort wird eine Halle in Himmelgarten für den Möbelfundus.

Ganz oben im Anbau sollen die große Probebühne, die Verwaltung und das Junge Theater unterkommen, soll Platz für einen Aufenthaltsbereich sein, den es bis dato nicht gibt.

Ersatzspielstätte fast so groß wie Theatersaal

Klajner ist voller Vorfreude und erleichtert darüber, dass das Land 22 Millionen und die Stadt Nordhausen 4,2 Millionen Euro für die Sanierung und Erweiterung geben. „Von Luxus im Arbeitsbereich kann keine Rede sein, geschaffen werden nur korrekte Bedingungen, die Technik kommt auf den neuesten Stand.“

Mit Start der Sanierung des Theaters soll der Spielbetrieb für zwei Jahre in den neuen Anbau verlagert werden, und zwar in jenen Bereich, der später Malsaal, Werkstatt und Ballettsaal beherbergt. Etwa 340 Zuschauer könnten Platz finden, die Bühne werde ähnlich groß wie die im Theater selbst sein, sagt Klajner.

Stich-Wort

Ab 15. Oktober ist im Theater eine Ausstellung zu den Baumaßnahmen zu sehen.

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