Streit im Umgang mit Demenz

Die Gesellschaft in Deutschland altert. Das bringt viele Probleme mit sich. Ein Schwerpunkt bildet dabei die zunehmende Zahl von Menschen mit Demenzerkrankungen. Nach aktuellen Schätzungen leben derzeit rund 1,3 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland. Diese Zahl dürfte sich in den nächsten 30 Jahren verdoppeln.

Im Ilfelder Altenpflegeheim Sonnenhof begegnen Irene Dietrich (l.) und Wohnbereichsleiterin Sabine Hühne dem Älterwerden aktiv. Foto: Roland Obst

Im Ilfelder Altenpflegeheim Sonnenhof begegnen Irene Dietrich (l.) und Wohnbereichsleiterin Sabine Hühne dem Älterwerden aktiv. Foto: Roland Obst

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Nordhausen. Gleichzeitig wachsen immer weniger junge Menschen nach. Damit sinkt die Zahl derer, die die Demenzpatienten betreuen können. Von dieser Entwicklung sind besonders die neuen Bundesländer betroffen. Die Bundesregierung hat sich dem Thema angenommen und Ende März den Entwurf eines Pflege-Neuausrichtungs-Gesetzes (PNG) beschlossen. Ziel ist es, die Leistungen der Pflegeversicherung besser an den Bedürfnissen von Demenzkranken auszurichten. An diesem Gesetz, das jetzt auch im Bundestag debattiert wurde, scheiden sich die Geister. Kritik kommt von allen Seiten. Aus der Politik, von den Sozialverbänden, aber auch von Fachleuten. Zum Beispiel von Christian Döring, Geschäftsführer des Seniorenwerkes, das im Südharz zwei Pflegeheime betreibt.

Er hat auf die oben genannte Entwicklung reagiert und wird im Ilfelder "Sonnenhof" den Wohnbereich für Menschen mit Demenzerkrankungen, die derzeit 57 Plätze umfasst, auf über 90 ausbauen. Döring kritisiert vor allem den vorgesehenen Ausbau der ambulanten Versorgung der Patienten, die übrigens auch das Seniorenwerk anbietet. "Im Gesetzentwurf wird völlig außer Acht gelassen, wie sich die Demenz äußert", gibt er zu bedenken. Etwa durch den fehlenden Tag- und Nachtrhythmus, oder das Nichterkennen der Selbstgefährdung. "Demenzpatienten stellen eine Menge Unfug an: Der Herd wird an-, aber nicht wieder ausgestellt, die Wohnung wird nicht mehr beheizt oder es wird die falsche Kleidung gewählt", nennt er Beispiele.

Zudem bestehe die Gefahr des Weglaufens. "Auf alle diese Dinge gibt das Gesetz keine Antwort", kritisiert der Geschäftsführer. Es werde suggeriert, durch den Ausbau der ambulanten Versorgung und die Verbesserung der Situation der pflegenden Angehörigen sei das Problem in den Griff zu bekommen. "Das ist für mich gezielte Desinformation." Für Döring sind Demenzpatienten am besten im Pflegeheim aufgehoben, weil dort eine optimale Betreuung gewährleistet sei. Er befürchtet, dass die Verbesserungen des ambulanten Bereiches zulasten des Heimsektors gehen werden. Diese Meinung teilt Kerstin Keding-Bärschneider nicht. Sie ist Pressesprecherin des Verbandes der Ersatzkassen in Thüringen.

"Die Stärkung des ambulanten Bereiches ist für uns der bessere Weg. Denn immer mehr Pflegeheime zu bauen, ist auch keine Lösung", sagt sie. Auch die Gewährung von zusätzlichen Leistungen sei sinnvoll, weil damit die pflegenden Angehörigen entlastet werden. Und das Wahlrecht für die Patienten bewertet sie ebenfalls positiv: "Damit wird die Selbstbestimmung gestärkt und kann dem Wunsch des Patienten entsprochen werden." Sie sieht aber auch das gesellschaftliche Problem: "Ein Umdenken gerade bei den Kommunen wird in Zukunft notwendig sein", so Keding-Bärschneider.