Sturmtief „Sabine“ streift den Südharz nur leicht

Südharz.  Der Landkreis Nordhausen kommt mit mehreren Stromausfällen und Verkehrsbehinderungen davon.

Auf der B 4 zwischen Sondershausen und Nordhausen kamen zwei Autofahrer mit dem Schrecken davon und kollidierten nur leicht mit einem Baum.

Auf der B 4 zwischen Sondershausen und Nordhausen kamen zwei Autofahrer mit dem Schrecken davon und kollidierten nur leicht mit einem Baum.

Foto: Silvio Dietzel

Sturmtief „Sabine“ hat den Südharz am Sonntag und Montag sprichwörtlich mit einem blauen Auge davon kommen lassen. Während Aufnahmen vom Brocken deutschlandweit für Aufsehen sorgten, weil sich Gipfelgäste gegen Windgeschwindigkeiten von bis zu 168 Kilometer pro Stunde stemmten und regelrecht umgefegt wurden, verzeichnete der Deutsche Wetterdienst (DWD) im übrigen Harz deutlich geringere Windgeschwindigkeiten, erklärte Sebastian Manns vom DWD auf Anfrage.

Demnach habe ein Kaltfrontdurchgang in der Nacht in Harzgerode für 100 Stundenkilometer schnellen Wind gesorgt, in Querfurt wurden 95 Kilometer pro Stunde gemessen. „Starke Niederschläge wie an der Nordsee gab es nicht“, erläutert Manns und verwies auf einen vergleichbaren Wintersturm vor zwei Jahren: „’Friederike’ wütete damals wesentlich stärker.“

Diese Feststellung würde wohl auch die Nordhäuser Leitstelle unterschreiben. Zwar berichtete die von „einem lebhaften Tag“. Die rund 160 Einsätze wie bei „Friederike“ waren es aber nicht. Alarmiert wurde jedoch zu kuriosen Einsätzen wie dem in Wipperdorf, wo ein Zelt in ein Dach geweht wurde.

Nahe der Schweinemastanlage in Uthleben blockierten Äste die Straße, ebenso wie zwischen Rothesütte und Hohegeiß. In Hain delegierte die Leitstelle Feuerwehren, um eine umgekippte Telefonleitung von der Straße zu holen. „Das hatte Dringlichkeit, weil die Straße zeitgleich als Umleitung für die B 4 diente“, hieß es aus der Leitstelle.

Zwischen Hain und Neuheide nämlich hatte „Sabine“ für eine größere Störung gesorgt: Am Sonntag wütete der Sturm derart, dass Bäume umknickten. Eine 64-jährige Autofahrerin und ihr 72-

jähriger Begleiter hatten Glück. Sie kamen mit dem Schrecken davon, als vor ihnen ein Baum umfiel. Ein 51-jähriger Mann in seinem Volvo touchierte den Baum. „Alle Beteiligten mussten ihre Fahrzeuge zurücklassen, da eine Bergung in der Nacht zu gefährlich war“, sagte die Polizei. Die Sperrung wurde am Montagmittag aufgehoben.

Zeitgleich gab es zwischen Rothesütte und Hohegeiß Aufräumarbeiten. Ein umgeknickter Lichtmast auf der L 1034 zwischen Wolkramshausen und Nohra sorgte für weitere Störungen: „Dort mussten wir halbseitig sperren. Der Verkehr wurde über eine Ampel geregelt“, sagt Martin Schulze von der Straßenverkehrsbehörde des Kreises.

Dasselbe Problem gab es auf der Straße zwischen Niedersachswerfen und Ilfeld, wo Mitarbeiter der

Firma Elektrobau Thüringen am Mittag bei halbseitiger Sperrung das durch einen Baum heruntergerissene Kabel ersetzten. Einer von rund 11.000 Stromausfällen in Thüringen war die Folge, sagte Michael Osburg, Sprecher des Versorgers Thüringer Energienetze. „Bei ‘Friederike’ und ‘Kyrill’ haben wir rund dreimal so viele Ausfälle gehabt. Diesmal war es beherrschbar“, sagte er.

Ob man ein ähnlich optimistisches Bild auch bei den Harzer Schmalspurbahnen (HSB) zeichnen wird, dürfte sich erst am Dienstag zeigen: Aus Sicherheitsgründen habe man noch keine Mitarbeiter zur Streckenkontrolle geschickt, erklärte HSB-Sprecher Dirk Bahnsen. Der Zugverkehr sei jedenfalls weitestgehend eingestellt worden. Lediglich von Nordhausen nach Ilfeld und zurück rollte der Verkehr.

Auch andere Reisende brauchten Geduld. Zwar konnten Deutsche Bahn und Abellio den Betrieb im Regionalverkehr am Montagmorgen wieder aufnehmen, dennoch mussten viele Fahrgäste den ganzen Tag mit Verspätungen rechnen.

Die Schäden auf den Strecken hielten sich in Grenzen. „Zwischen Heringen und Roßla war ein Stromkabel auf die Gleise gefallen. Das konnte schnell behoben werden“, so Bahnsprecher Jörg Bönisch. Auch Abellio-Sprecher Matthias Neumann atmet auf: „Wir hätten mit deutlich mehr Schäden gerechnet.“