Sucht zieht häufig weitere Krankheiten nach sich

Nordhausen  Krankenstand in der Region höher als im Landesdurchschnitt. DAK verzeichnet wiederholt deutliche Zunahme psychischer Erkrankungen

Im Schnitt sind hierzulande 5,8 Prozent der Beschäftigten krank geschrieben. Mit diesem Krankenstand landen die Landkreise Nordhausen und Kyffhäuser im Thüringenvergleich auf dem viertletzten Platz. Höher ist die Quote einzig in Eisenach und dem Wartburgkreis (6,1 %), dem Kreis Schmalkalden-Meiningen (6,0 %) und dem Kreis Gotha (5,9 %). Dies geht aus dem aktuellen Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK hervor.

Schon seit Jahren sei der Krankenstand in ländlichen Regionen höher als in den Thüringer Zentren Erfurt (4,8%) und Jena (4,7%), sagt Jörn Sola von der DAK. Dies liege zum einen am höheren Anteil älterer Bewohner und damit auch Beschäftigter, die krankheitsanfälliger sind als Jüngere. Zum anderen führt Sola die oft weiteren Arbeitswege ins Feld, spricht von einer „Bettkantenentscheidung“: „Fühlt sich jemand krank und hat er 50 Kilometer zur Arbeit, wird er eher liegenbleiben als jemand, der nur zehn Kilometer zu fahren hat und gegebenenfalls tagsüber die Arbeit abbrechen und schnell nach Hause kommen könnte.“

An vorderster Stelle in der Liste der Gebrechen rangiert seit Jahren das Muskel-Skelett-System. Zwar nahm die dadurch verursachte Zahl der Fehltage um ein Prozent binnen Jahresfrist ab, doch erfolgte trotzdem etwa jede fünfte Krankschreibung wegen eines schmerzenden Rückens oder Problemen mit Knien oder Bandscheiben. Erwartungsgemäß angestiegen ist die Zahl der Fehltage wegen Atemwegserkrankungen – die Erkältungs- und Influenzawelle des Winters 2017/18 schlägt sich in der Statistik nieder.

Dass sich die Zahl der Fehltage wegen Verletzungen um 70 Prozent erhöht hat, erklärt der Krankenkassen-Vertreter nicht mit einer Zunahme solcher Fälle, sondern nur mit jeweils längeren Krankschreibungen.

Bedenklich indes: Wegen psychischer Erkrankungen wie Depressionen, Burnout, Angstzuständen oder einer Sucht häuften sich 19 Prozent mehr Ausfalltage an als noch 2017. Und schon vor einem Jahr war ein 22-prozentiger Anstieg zu verzeichnen. Als Ausfallursache auf Arbeit rangieren psychische Probleme längst auf Rang 3.

Nicht allein die Tatsache, dass solche Krankheitsbilder heutzutage seltener hinter diffusen Diagnosen verschwinden, könne das stete Anwachsen von Fehltagen infolge psychischer Erkrankungen erklärt werden. „Druck und Stress im Arbeitsleben spielen ebenso eine Rolle“, ist Sola überzeugt.

Suchtbedingten Krankmeldungen widmete die DAK in diesem Jahr eine extra Befragung von rund 5000 Versicherten in Thüringen. Sie verursachten demnach 5,3 Prozent aller Fehltage wegen psychischer Erkrankungen. Die DAK legt zudem Zahlen vor, die auch die Unternehmen aufhorchen lassen müssten: Bei wem es Hinweise auf ein Suchtproblem gibt, der ist fast doppelt so häufig krankgeschrieben als andere. Alkohol spielt die größte Rolle. 14,2 Prozent aller anonym Befragten haben einen als riskant eingestuften Alkoholkonsum, weil sie an mindestens fünf Tagen pro Woche so viel Alkohol zu sich nehmen, wie in zwei – beziehungsweise bei Frauen einem – Glas Bier stecken. Und in dieser Gruppe gab jeder Zehnte an, von der Arbeit abgelenkt zu werden oder unkonzentriert zu sein. 6,8 Prozent kamen zu spät oder machten früher Schluss. Bei den tatsächlich Abhängigen ist der Anteil noch höher.

Fast ein Viertel jener 3,7 Prozent der Befragten, die gegenüber einer Videospielsucht als gefährdet gelten, spielen auch während der Arbeitszeit. Bei den bereits Abhängigen steigt die Quote auf fast die Hälfte an.

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