Südharz liegt bei Zahl der Krankschreibungen weit hinten

Südharz  Aus der Wirtschaft: Krankenversicherer Barmer nimmt Unternehmen bei Gesundheitsförderung in die Pflicht.

Peter Behrschmidt, Regionalgeschäftsführer der Barmer in Nordhausen (links), und Pressereferent Patrick Krug sehen betriebliche Gesundheitsförderung als Vorteil im Kampf um Fachkräfte.

Peter Behrschmidt, Regionalgeschäftsführer der Barmer in Nordhausen (links), und Pressereferent Patrick Krug sehen betriebliche Gesundheitsförderung als Vorteil im Kampf um Fachkräfte.

Foto: Peter Cott

Im Schnitt 23,3 Tage und damit einen Tag länger als der Thüringer Durchschnitt waren die Südharzer im vorigen Jahr krankgeschrieben. Das geht aus dem Gesundheitsreport der Barmer hervor, die im Landkreis etwa 14.000 Versicherte zählt. Demnach versäumten Mitglieder der Barmer im benachbarten Eichsfeld nur 21,57 Arbeitstage.

Und auch mit Blick auf die bundesweiten Zahlen zeigt sich, dass der Südharz häufiger krankgeschrieben war als andere Teile der Republik. „Deutsche Arbeitnehmer sind voriges Jahr lediglich 18,3 Tage krank gewesen“, erläutern Peter Behrschmidt, Regionalgeschäftsführer der Barmer in Nordhausen, und Pressereferent Patrick Krug. Deutschlandweit rangiert der Südharz damit auf einem unrühmlichen 397. Platz von genau 413 ausgewerteten Landkreisen. Schlusslicht des Reports ist übrigens ein anderer Nachbar: der Landkreis Mansfeld-Südharz. Hier waren die Menschen im Schnitt 25 Tage krankgeschrieben. Die wenigsten Krankentage (12,6) wurden im bayerischen Lindau gezählt.

Für Behrschmidt sind die Zahlen aber in Relation zu sehen. Er verweist dabei unter anderem auf Daten aus den statistischen Landesämtern, wonach 30 Jahre nach der Wende noch enorme Unterschiede bei Arbeitszeiten bestehen. Thüringer etwa arbeiteten jährlich etwa 75 Stunden länger als Arbeitnehmer in den alten Bundesländern. „Wer mehr arbeitet, ist auch häufiger krank“, betont Behrschmidt daher.

Für den Landkreis hat Barmer übrigens drei Hauptursachen für Krankschreibungen ausgemacht: „Insbesondere Rückenprobleme (5,3 Fehltage), aber auch seelische Leiden (4,6 Tage) und Atemwegserkrankungen (3,5 Tage) sind Gründe für die hohe Zahl an Fehltagen“, weiß Behrschmidt, der vor allem die psychischen Erkrankungen Sorge bereiten: Immerhin lagen diese Arten der Diagnosen zu Beginn seiner Karriere 1991 bundesweit noch auf Platz 11 der häufigen Erkrankungen. Durch steigenden Druck in der Arbeitswelt und weil das Thema nicht mehr so stigmatisiert ist, rechnen Statistiker nun jedoch damit, dass psychische Leiden 2021 erstmals den ersten Rang einnehmen werden.

Für den Geschäftsführer ist die nahezu konstant gebliebene Zahl an Krankentagen in seiner Region eine Warnung: „Nur allein den Krankenkassenbeitrag zu zahlen, reicht eben nicht, um gesund zu bleiben“, sagt er überspitzt. „Wir appellieren an jeden, auf seine Gesundheit zu achten.“ Besonders angesprochen fühlten sollten sich Behrschmidts Ansicht nach Unternehmen, die die Gesundheitsvorsorge ihrer Angestellten besser in den Blick nehmen sollten. Gesunde und motivierte Mitarbeiter seien Basis wirtschaftlichen Erfolgs, vor allem wenn der demografische Wandel den Wettbewerb um Fachkräfte be reits verschärft. Behrschmidt, der zugleich Vorsitzender im Tennisclub Schwarz-Gelb Nordhausen ist, nennt ein Beispiel aus seinem Sport: So lasse der ehemalige Grand-Slam-Sieger Björn Borg in seinem Unternehmen täglich Tennis spielen und steigere damit das Wohlbefinden der Mitarbeiter. Aber auch in der Region gäbe es Leuchttürme – wie Eaton oder Nordhausens Stadtverwaltung beispielsweise. Der Ventilhersteller und das Rathaus seien schon seit den 90ern mit Präventionsveranstaltungen für Angestellte unterwegs, berichtet Behrschmidt, der weiß, wie schwierig so etwas für kleine und mittelständische Firmen zu realisieren ist. Doch schon Gesten wie Obstkörbe und Getränke könnten viel bezwecken. Und mit dem Netzwerk „Gesund arbeiten in Thüringen“ biete die Krankenversicherung auch gezielt Hilfe und Veranstaltungen wie Venenchecks und Schulungen an.

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