Südharz: Tierseuche erfordert im Ernstfall strenge Restriktionen

Nordhausen.  Die Afrikanische Schweinepest in Brandenburg lässt 142 Südharzer Schweinehalter aufhorchen. Zusätzliche Drückjagden gibt es auf Schwarzwild.

Wildschweine stehen derzeit besonders im Visier der Jäger.

Wildschweine stehen derzeit besonders im Visier der Jäger.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Es gab Zeiten, da waren Wildschweine vor allem ein Ärgernis für die Landwirte. Längst aber grassiert eine andere Angst: die vor der Afrikanischen Schweinepest. Die Tierseuche hat Deutschland erreicht – in Brandenburg wurde die Krankheit bei mehreren Wildschweinen nachgewiesen. Eine Impfung ist nicht in Sicht, die Schweinehalter sind entsprechend nervös.

Denn wird die Afrikanische Schweinepest bei einem Tier festgestellt, gelten für das Umland strenge Restriktionen. Die brächten für die Schweinehalter massive wirtschaftliche Einbußen mit sich. Neben van Asten halten im Südharz 141 weitere Betriebe diese Tiere, so dass sich deren Gesamtzahl auf 87.562 summiert.

Um das Risiko der Tierseuche in einem schweinehaltenden Betrieb zu minimieren, müssten diese strenge Biosicherheitsvorkehrungen treffen, heißt es aus dem Veterinäramt. Vorgaben in Sachen Dokumentation, Personenkontakt, Desinfektion, Schutzkleidung, Tierkontakt und Tierkörperbeseitigung seien zu beachten. Regelmäßige Laboruntersuchungen sollen helfen, Tierseuchen früh zu erkennen.

Die Wildschweine im Wald indes entziehen sich derartigen Maßnahmen. Doch ihren Bestand zu dezimieren, ist mehr denn je Aufgabe der Jäger. Das Land zahlt seit Jahresbeginn eine Prämie von 25 Euro pro geschossenem Tier. Das Forstamt Bleicherode-Südharz setzte in der vergangenen Jagdsaison vier zusätzliche Drückjagden in jenen Revieren des Harzvorlandes an, wo mit dem meisten Schwarzwild gerechnet wird: um Gudersleben, Bleicherode, Sollstedt und Großfurra. Unterm Strich seien knapp über 300 Wildschweine erlegt worden, drei Viertel bei den Drückjagden, der Rest vom Einzelansitz aus, informiert Forstamtsleiter Gerd Thomsen. Das sei so viel wie noch nie – in den Vorjahren bewegten sich die Zahlen meist um die 250.

Wildschweine erweisen sich eigentlich im Wald als nützlich

Die Strecke der jüngsten Saison wäre ohne Jagdhunde undenkbar gewesen. Dabei ist die Schwarzwildjagd für sie durchaus riskant: Bachen beißen, Keiler schlagen mit ihren dolchscharfen Hauern. Ein aufgeschlitztes Fell und innere Verletzungen sind die Folge. „Vergangenes Jahr hat das Forstamt für fünf Hunde, die nach Einsätzen tierärztlich behandelt werden mussten, die Rechnung übernommen“, so Thomsen. Die Gesamtzahl verletzter Hunde dürfte noch höher sein, da erfahrene Hundeführer kleine Blessuren auch selbst behandeln.

Trotz hoher Abschusszahlen: Fachleute bezweifeln, dass eine Bestandsdezimierung beim Schwarzwild gelingt: „Wir geben uns Mühe“, antwortet Detlev Collmann von der Unteren Jagdbehörde auf die Frage, ob die Zahl der Wildschweine im Südharz zurückgeht. Wildschweine dürfen in unbegrenzter Zahl erlegt werden. 2019/20 traf es 1524 Tiere, ein Jahr zuvor waren es 1121 Abschüsse, 2017/18 gar 1821.

Im Wald selbst sind Wildschweine meist kein Problem, da diese weder Rinde schälen noch Jungbäume verbeißen. Im Gegenteil: Sie lockern den Boden auf, graben ihn regelrecht um, so dass auf dem offenen Mineralboden Bäume und andere Pflanzen gut ansamen können. Sind Eicheln und anderes Saatgut in den Boden eingegraben, haben sie noch bessere Keimbedingungen. Nicht zuletzt fressen Wildschweine Engerlinge und andere Schädlinge. Allein umzäunte Aufforstungen sind in Gefahr: „Wenn die Schweine in die gezäunte Fläche wollen, weil sie dort beispielsweise Mäuse oder Würmer finden, drücken sie den Zaun einfach hoch. Durch die entstehenden Tunnel unter dem Draht kommen dann Rehe auf die Fläche, die in Windeseile einen enormen Schaden anrichten können“, erklärt Thomsen.

Einschränkungen bei nachgewiesenem Schweinepest-Fall

Aus dem Umkreis von mindestens 24 Kilometern um den Fundort dürften Schweine nur noch national transportiert werden, heißt es vom Veterinäramt. Mindestens sechs Monate lang würde dies gelten.

Im sogenannten gefährdeten Gebiet – dem Acht-Kilometer-Umkreis – wäre der Transport von Hausschweinen grundsätzlich verboten, ebenso deren Auslauf- und Freilandhaltung. Grünfutter und Einstreu von dort dürften nicht verwendet werden. Nach einem Stichprobenschlüssel würden alle in diesem Gebiet gehaltenen Hausschweine klinisch untersucht und gegebenenfalls labordiagnostisch beprobt.

Im Umkreis von vier Kilometern muss eine Jagdruhe verhängt werden, müssen verendete Tiere eingesammelt werden. Möglich sind auch ein Betretungsverbot für die Bevölkerung und Ernteverbote.

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