Südharzer Lebensmittelhändler sagen Plastik den Kampf an

Nordhausen  Fleischereien im Südharz setzen auf Behälter, die von den Kunden mitgebracht werden. Supermärkte tüfteln an Alternative zur Tüte.

Heidrun und Christoph Brüggemann bieten Kunden der Fleischerei in der Altstadt an, ihre Produkte in eigenen Behältnissen statt Plastik zu kaufen. 

Heidrun und Christoph Brüggemann bieten Kunden der Fleischerei in der Altstadt an, ihre Produkte in eigenen Behältnissen statt Plastik zu kaufen. 

Foto: Peter Cott

Für ihn ist es eine Frage der Umwelt, aber auch der Kosten: Christoph Brüggemann bringt als Fleischer selbst in der vierten Generation noch innovative Ideen in den Handwerksbetrieb in der Altstadt. Seit Kurzem haben Kunden die Möglichkeit, Produkte in mitgebrachten Behältern mitzunehmen und so auf Plastikverpackungen zu verzichten. Bei Veranstaltungen hatte die 1927 gegründete Fleischerei dem Besteck und Geschirr aus Plaste schon länger den Kampf angesagt, hatte Kunststoffbecher und -besteck durch Varianten aus Pappe oder Bambusvarianten ersetzt.

Diesen neuen Zeitgeist auch in den Laden zu bringen, sei durch Hygienevorschriften aber schwieriger gewesen. Denn Verkäuferinnen wie Mutter Heidrun dürfen keinen Kontakt zu mitgebrachten Frischhalteboxen haben. „Und eine Schnelldesinfektion war zu teuer und hat zu viel Strom gefressen“, erzählt Brüggemann. Die einfache Lösung: Kunden legen ihre Dose auf ein Tablett, das nach dem Einkauf getauscht und abgewaschen wird, weist Brüggemann auf die Neuerung hin, die bares Geld für Verpackungen spart, während Mutter Heidrun auch die praktischen Vorzüge für ihre Kunden betont: „Sie brauchen weniger Zeit beim Auspacken der Einkäufe“, lächelt sie.

Aus Sicht der Brüggemanns wird das Angebot gerade durch junge Familien, die es immer mehr in die Altstadt zieht, rege angenommen. Eine Erfahrung, wie sie noch nicht jeder gemacht hat: Fleischermeister Thomas Trautvetter beispielsweise hat es bisher noch nicht erlebt, dass Kunden ihre eigenen Behälter mithatten. Er biete das auch noch nicht an, ist aber nicht gänzlich abgeneigt: „Ich würde das schon machen, muss mich aber vorher mit dem Veterinäramt abstimmen“, sagt er.

Diesen Weg gegangen ist bereits Edeka-Fuchs am Töpfertor, wie Inhaberin Nadine Fuchs auf Anfrage bestätigt. „Und das Amt war begeistert.“Auch hier bietet der Fleischstand seit vorigem Jahr Lösungen an, die Verpackungen zwischen der Wurst unnötig machen. So wie in der Fleischerei Fessel: Dort steht schon seit einigen Monaten das Umweltbewusstsein im Vordergrund, wie von Seniorchefin Bettina Fessel in Ilfeld zu erfahren ist. In Harzungen – der ersten Fleischerei im Südharz mit 24-Stunden-Wurstautomaten – ist man ebenfalls um kreative Ideen bemüht. Man habe sich bereits ein Mehrwegsystem für Behälter angesehen, erklärt Fleischermeister Andreas Wendorff. Die Einführung scheitere bislang aber am personellen Aufwand. Doch nicht nur Fleisch und Wurst können schon plastikfrei gekauft werden: Salzas Rewe etwa arbeitet zunehmend mit Mehrweg-Netzen für Obst und Gemüse. An der Salatbar verbanne seine Filiale derzeit zudem die Plastikschalen und ersetze sie durch Pappe, erzählt Supermarktleiter Axel Höhne, der an weitere Einfälle aus der Kölner Firmenzentrale glaubt.

Die aber müssen zusätzlich von den Großhändlern und der Politik kommen, mahnen Nadine Fuchs und Christoph Brüggemann. Dass Warmhalteboxen aus Styropor noch immer günstiger sind als solche aus Naturmaterial, stimmt den Fleischer nachdenklich. Alternativen würden zu schlecht gefördert, fürchtet er. Fuchs indes hofft, dass Großhändler an Ideen arbeiten, um Gemüse und Obst nicht mehr verpacken zu müssen. Das geschieht häufig noch, um die Produkte besser zu kennzeichnen. Auch ziehe noch nicht jeder Kunde mit und greife weiter gewohnt zum Plastikbeutel, bedauert die Filialleiterin.

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