Südharzer Schulen ab Donnerstag wegen Corona zu

Kristin Müller
| Lesedauer: 3 Minuten
Die Eltern von Richard (7) waren kreativ: Um ihren Sohn Richard (7) fürs Homeschooling zu motivieren, haben sie mit einem wasserlöslichen Stift Matheaufgaben auf das Glas eines Fensters geschrieben. Zuhause lernen müssen schon bald wieder viele Südharzer Schüler.

Die Eltern von Richard (7) waren kreativ: Um ihren Sohn Richard (7) fürs Homeschooling zu motivieren, haben sie mit einem wasserlöslichen Stift Matheaufgaben auf das Glas eines Fensters geschrieben. Zuhause lernen müssen schon bald wieder viele Südharzer Schüler.

Foto: Marco Kneise

Nordhausen.  Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt am dritten Tag infolge über dem Schwellenwert von 165. Auch für den Handel gelten neue Einschränkungen.

Die befürchtete Situation ist eingetreten: Im Südharz sind ab Donnerstag wieder alle Schulen und Kindergärten geschlossen, und zwar mindestens bis einschließlich Dienstag nächster Woche. Grund ist die aktuelle Corona-Infektionslage: Den dritten Tag infolge liegt die Sieben-Tage-Inzidenz über 165. Am Dienstag wies sie einen Wert von 177,4 auf – nach 170,2 am Montag und 166,6 am Sonntag. Allein für diese drei Tage weist die Statistik 59 Neuinfektionen aus. In der gesamten Vorwoche waren es 146 Corona-Fälle.

Die „Bundesnotbremse“ gebietet ein Schließen der Schulen und Kindergärten am übernächsten Tag nach Auftreten einer Inzidenz über 165 an drei aufeinanderfolgenden Tagen. Eine Notbetreuung wird für die Klassenstufen 1 bis 6 angeboten. Erlaubt ist Präsenzunterricht – unter der Voraussetzung der Testpflicht – weiter an Förderschulen und für Abschlussklassen, ebenso für Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf.

Wann können Schulen und Kindergärten bestenfalls wieder öffnen?

Für eine Wiederöffnung der Schulen und Kindergärten sind die Hürden hoch: Die Inzidenz muss an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen unter 165 liegen, Sonn- und Feiertage zählen nicht mit. Zusätzlich wird ein Karenztag eingerechnet, um die Öffnung vorzubereiten.

Selbst wenn die Inzidenz am Mittwoch unter den Schwellenwert sinkt und sie unter diesem bleibt, könnten Schulen und Kindergärten frühestens am Mittwoch nächster Woche wieder in Phase Gelb, also den eingeschränkten Regelbetrieb, übergehen.

Welche Folgen hat die aktuelle Inzidenz für den Einzelhandel?

Die Inzidenz im Südharz lag mit Ausnahme des 29. April viele Wochen unter 150. Deshalb ist es bis dato auch über das zweiwöchige Modellprojekt hinaus möglich, mit negativem Schnelltest und Registrierung in allen Geschäften einkaufen zu gehen. Dafür ist der Mittwoch, 5. Mai, die vorerst letzte Gelegenheit. Denn nur bis vorigen Samstag lag die Inzidenz unter 150.

So gilt statt „Click & Meet“ ab Donnerstag nur noch „Click & Collect“ – online bestellte Ware kann an der Ladentür abgeholt werden. Das ändert sich erst wieder, wenn an drei aufeinanderfolgenden Tagen die Inzidenz unter 150 liegt und ein weiterer Tag verstrichen ist.

Nach wie vor wird ein Friseur- oder Fußpflegebesuch mit negativem Schnelltest möglich sein.

Woran liegen die steigenden Infektionszahlen?

Wo Schulen und Kindergärten geschlossen sind, sinken die Infektionszahlen vielerorts. Im Südharz ist zurzeit entsprechend der gegensätzliche Trend zu verzeichnen. Aktuell weist das Thüringer Bildungsministeriums für den Südharz Infektionen an elf Südharzer Schulen und fünf Kindergärten aus. Zu verzeichnen seien auch familiäre Folgeinfektionen und Fälle in Unternehmen, heißt es aus der Kreisverwaltung.

Bezahlt der Landkreis nun auch die Rechnung für die Lockerungen beim Einzelhandel?

Bei den betroffenen Unternehmen sei laut vorliegender Lagemeldungen kein Geschäft dabei, so Landkreis-Sprecherin Jessica Piper. „Hier ist also kein Cluster erkennbar.“ Sie betont, dass in der Regel die Kontakte während des Einkaufens ohnehin nicht die Intensität erfüllen, um in der Kontaktnachverfolgung als relevante Kontaktperson eingestuft zu werden.

Die grundsätzliche Einkaufsmöglichkeit führte jedenfalls zu einer hohen Schnelltestzahl: Im April wurden in den Testzentren des Landkreises 27.231 Schnelltests gemacht, davon waren mit 84 Fällen 0,3 Prozent positiv. „Das breite Testen trägt dazu bei, bislang unentdeckte Infektionen festzustellen“, so Piper. Kommentar