Südharzer Seniorenheime senden Hilferufe

Bleicherode.  Infolge aktueller Corona-Fälle setzen vier Einrichtungen im Landkreis Nordhausen auch auf zusätzliche ehrenamtliche Helfer.

Andreas Weigel aus Bleicherode ist Vorstand vom Jugendsozialwerk Nordhausen.

Andreas Weigel aus Bleicherode ist Vorstand vom Jugendsozialwerk Nordhausen.

Foto: Kristin Müller

Es ist ein Hilferuf von Helfenden: Das Bleicheröder Seniorenheim „Glückauf“ sucht Freiwillige, die die Mitarbeiter unterstützen. Denn derer gibt es aktuell zu wenige: „Zwölf der 52 Mitarbeiter sind aktuell in Quarantäne“, schildert Babette Wolf, die zuständige Fachbereichsleiterin beim Jugendsozialwerk, am Montag. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Hintergrund sind die jüngsten Corona-Fälle in dem Heim: Vor einigen Tagen waren drei Bewohner und vier Mitarbeiter auf das Virus positiv getestet worden. Seitdem herrscht für das gesamte Pflegeheim ein Besuchsverbot, ist einer der vier Wohnbereiche unter Quarantäne gestellt. Die alten Menschen müssen also auch auf ihren Zimmern essen. Für die verbliebenen Mitarbeiter ist die Situation ebenso schwer. „Ich bin froh, so engagiertes Personal zu haben. Alle ziehen mit“, lobt Babette Wolf. Das Problem sei, dass hauptsächlich Pflegefachkräfte in Quarantäne sind.

„Hilfskräfte dürfen keine Behandlungspflege wie das Geben von Medikamenten oder das Wechseln von Verbänden übernehmen. Deswegen machen die Fachkräfte mehr Dienste. Auch gibt es Zwölf-Stunden-Schichten“, schildert Wolf. Entlastet werden können die Fachkräfte von den Hilfskräften bei der unterstützenden Pflege, wozu die Körperpflege der Senioren oder Toilettengänge gehören. Freiwillige wiederum können dazu beitragen, dass diese den Rücken dafür frei haben – indem sie den Bewohnern beispielsweise vorlesen oder mit ihnen das Gespräch suchen.

Den Fachkräften den Rücken freihalten

Auch Botendienste im Haus und hauswirtschaftliche Tätigkeiten können sie übernehmen: Brote schmieren, das Essen austeilen, die Küche oder andere Räume reinigen. Vorkenntnisse brauchen die Freiwilligen nicht, betont das Jugendsozialwerk. Es gebe eine Ehrenamtspauschale als Vergütung. Und selbstverständlich bekomme jede helfende Hand eine entsprechende Schutzausrüstung.

Zwei Damen hätten sich auf den Aufruf hin schon gemeldet, ebenso zwei Jungs. Da letztere noch minderjährig sind, sollen Gespräche zeigen, ob und inwiefern sie eingesetzt werden können, erklärt Wolf. Natürlich, so Jugendsozialwerk-Vorstand Andreas Weigel, könne man noch mehr Freiwillige brauchen. Zumal im Gegensatz zum Frühjahr auch Mitarbeiter aus den Kindergärten nicht aushelfen könnten, weil es dort infolge der Notbetreuung und mehrerer Ausfälle von Erziehern als Eltern keinen Personalüberhang gebe.

Positive Corona-Tests auch in Diakonie- und DRK-Heimen

Das Seniorenheim des Jugendsozialwerks in Bleicherode ist nicht das einzige, das aktuell mit Corona zu kämpfen hat. Diesen Montag wurde bekannt, dass im DRK-Seniorenheim in Nordhausen-Nord ein Mitarbeiter auf Corona positiv getestet wurde. Im Heim am Marienweg betreffe es seit Heiligabend drei Mitarbeiter, schildert DRK-Vorstand Doreen Apel. Weil auch Kontaktpersonen in Quarantäne müssen und es wegen anderer Krankheiten Ausfälle gibt, sei aktuell in beiden Heimen nur etwa drei Viertel der Belegschaft einsatzfähig. „Über Unterstützung von weiteren Ehrenamtlichen würden wir uns deshalb natürlich freuen“, sagt Apel.

Zurückhaltend indes ist Sven Gerlach, der Leiter des St.-Josefshauses der Caritas in der Rolandstadt: „Warten wir erst einmal die nächsten Entscheidungen der Landesregierung ab“, meint er mit Blick auf eine mögliche Testpflicht. Zurzeit gebe es keinen Corona-Fall in seinem Haus, deshalb auch keinen außergewöhnlichen Personalmangel.

Freiwillige können sich telefonisch melden

Lediglich eine Mitarbeiterin sei nach einer Covid-19-Erkrankung Mitte November wegen Spätfolgen noch immer nicht arbeitsfähig. „Unsere personelle Ausstattung war bislang ausreichend, um unsere Dienstpläne komplett aufrechtzuerhalten“, erklärt auch Christian Döring, der Geschäftsführer des Seniorenwerks, das Heime in Ellrich und Ilfeld betreibt.

Diakonie-Geschäftsführer Michael Görk kann für das St.-Jakob-Haus und das Heim am Ammerberg in Nordhausen Entwarnung geben – im Bleicheröder St.-Marien-Heim indes sind nach einigen Corona-Fällen etwa zwei Dutzend Bewohner sowie etwa ein Dutzend der 65 Mitarbeiter unter Quarantäne gestellt. Entsprechend froh ist man dort, dass auf die jüngste Ehrenamtler-Suche der Diakonie Mitteldeutschland drei Südharzer reagiert haben, um in Bleicherode zu helfen. Michael Görk erinnert nicht zuletzt auf die Zusatzbelastung der Pflegekräfte infolge der Corona-Schnelltests. Mehr Arbeit also für weniger Leute – so sieht die aktuelle Lage in vielen Seniorenheimen aus.

Freiwillige können sich telefonisch melden, um ihre Bereitschaft für Unterstützung zu signalisieren: Seniorenheim Glückauf Bleicherode: Tel. (036338) 450 90. Für die DRK-Heime in Nordhausen ist Doreen Apel zuständig, Tel. (03631) 47 53-0. St.-Marien-Heim Bleicherode, Antje Müller, Tel. (036338) 34-0