TA-Test in Nordhausen: Das wunderbare Werk von Einzellern in der Biotonne

Nordhausen  Biofilter besteht den TA-Test. Landratsamt in Nordhausen entscheidet bis zum Jahresende, ob dieser Filter im gesamten Landkreis eingeführt wird.

TA-Redakteurin Kristin Müller testete den Biofilterdeckel mehrere Monate daheim und erfuhr nebenbei einiges aus der Welt von Mikroorganismen.

TA-Redakteurin Kristin Müller testete den Biofilterdeckel mehrere Monate daheim und erfuhr nebenbei einiges aus der Welt von Mikroorganismen.

Foto: Marco Kneise

Pflaumen: Sie waren die Herausforderung dieses Sommers. Reich trugen die Bäume, die Wanderung in die Hainleite samt Körben hatte sich gelohnt. Die Ernte war reich, und es brauchte daheim mehrere Dutzend Gläser für das Mus. Vor allem aber: Es brauchte viel Platz für die – leider zahlreichen – madigen Pflaumen und die Kerne der guten in der Biotonne. Nach der Einkochaktion war die Tonne halb voll mit den ­Resten.

Bei spätsommerlichen Temperaturen von knapp 30 Grad sollten die Mikroorganismen im neuartigen Filterdeckel einmal zeigen, ob sie auch mit dieser Fracht klarkommen.

Biomüll in solchen Mengen mit einem derart hohen Wasseranteil: Warmes Wetter gab in den Vorjahren die Garantie für eine Gärung schon in der Tonne. Eine süßlich-schwere Geruchswolke strömte mir beim Öffnen des Deckels entgegen. Schlimmer noch: Bald krochen an den Tonneninnenwänden auch Maden. Maden von Fliegen, die sich vom Gestank der Tonne angezogen fühlten und ihre Eier dort ablegten.

Ich kann dies in der Vergangenheit schildern: Denn die Pflaumenabfälle brachten den Filter zwar an seine Grenzen – leichte Gerüche entwickelten sich doch in der Tonne –, allerdings war der Ekelfaktor nicht annähernd so groß wie ohne Filter. Maden jedenfalls von Fliegen entdeckte ich nicht.

Im Juni hatte ich den neuen Deckel von Kathrin Materlik vom Fachgebiet für Abfallwirtschaft im Landratsamt für einen Test erbeten, ein Mitarbeiter der Stadtwerke brachte schon zwei Tage später eine neue Tonne. Der Deckel war schon angeschraubt, ich musste ihn nur noch aufmunitionieren. Einen Deckel auf dem Deckel muss man hierfür abdrehen, in den Mulden darunter ist Platz für jene vier kleinen Kokosmatten, die den Biofilter bilden. Angeimpft sind die mit speziell adaptierten Mikroorganismen, die Geruchsstoffe in Kohlendioxid und Wasser umwandeln können. Damit sie damit loslegen, war nur noch ein halber Liter Wasser nötig.

Ich tat alles nach Anleitung – und wurde zwei Wochen später doch ziemlich skeptisch. Denn der bekannte Gestank stellte sich wieder ein, nachdem in der Tonne allerlei Obst- und Gemüsereste, Käseränder, Teebeutel, Eierschalen, Papiertaschentücher, Unkraut aus dem Garten und Rasenschnitt landeten. Habe ich etwas falsch gemacht? Ist diese Erfindung wirklich eine, die die Welt besser macht?

Ich konfrontierte den Hersteller, der Biologic GmbH & Co. KG aus Münster, mit dem Problem. Und der zeigte sich ziemlich unbeeindruckt: Ich solle einfach noch einmal etwas Wasser durch die Luftschlitze in den Deckel geben. Denn gerade dann, wenn der Biomüll recht trocken ist – wie zum Beispiel gelber Rasenschnitt –, sei das Klima in der Tonne zu trocken für die Mikroorganismen. „Das System funktioniert nicht mehr reibungslos“, erklärte Sven Betting, Assistent der Geschäftsführung bei Biologic. Doch die Mikroorganismen seien wiederzubeleben, mit Wasser.

Er behält recht. Ich wage es noch im Juli, die Tonne nicht wie üblich nach zwei Wochen zu leeren, sondern erst nach vier. Das spart 1,80 Euro – vor allem aber muss ich das Biotonne-Rausstellen nicht auch noch meiner Schwiegermutter antragen, die während unseres Familienurlaubs die Blumen gießt. Die Leerung nach vier Wochen wird dann allerdings doch Zeit. Oder hatten die Einzeller wieder nur zu wenig Wasser?

Ich bleibe beim zweiwöchentlichen Leer-Rhythmus, man muss der Nase schließlich nichts Unnötiges zumuten.

So empfindlich die Einzeller übrigens gegenüber sich ändernder Luftfeuchte sind, Temperaturextreme sollen ihnen nichts ausmachen: „Sie sind sowohl bei hohen Plus- als auch Minusgraden sehr beständig“, sagt Sven Betting. Der Winter also kann kommen.

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