Thüringer Egon Primas hilft Vitali Klitschkos Partei in ukrainischem Wahlkampf

Nordhausen  CDU-Landtagspolitiker sieht Land nur durch europanahe Partei gestärkt. Der Thüringer Wahlkampf sei heute unseriös.

Egon Primas (Mitte) knüpfte durch eine Spendenaktion vor einigen Jahren Kontakte zu den Politikern Vitali Klitschko und  Oksana Yurinets.

Egon Primas (Mitte) knüpfte durch eine Spendenaktion vor einigen Jahren Kontakte zu den Politikern Vitali Klitschko und  Oksana Yurinets.

Foto: CDU Kreisverband Nordhausen

Wenn am Sonntag bei der ukrainischen Parlamentswahl auch Vitali Klitschkos Partei „Block Petro Poroschenko Solidarität“ zur Wahl steht, könnte nicht nur der einstige Boxweltmeister und Parteichef ein Zünglein an der Waage sein, sondern auch ein Südharzer: Der CDU-Landtagsabgeordnete Egon Primas unterstützte in der vorigen Woche den Wahlkampf der europanahen Partei, die für eine friedliche Lösung der Ukraine-Krise einsteht.

Erst Donnerstagnacht ist der Obergebraer zurückgekommen, doch schon am Freitagmorgen berichtet er munter und euphorisch von der Reise, die erst seine Kontakte nach Lwiw (ehemals Lemberg) möglich gemacht haben. Diese Beziehung nach Lemberg, wo noch heute 30.000 deutschsprachige Ukrainer leben, knüpfte er bereits vor einigen Jahren durch die Arbeit als Landesvorsitzender des Bundes der Heimatvertriebenen. Damals, so Egon Primas, sei er noch mit dem Minibus seiner Fraktion gen Osten gefahren, habe vom Südharz-Klinikum gestellte Medikamente in ein Krankenhaus gebracht. Auch der Hilferuf eines Waisenhauses sei damals nicht unerhört geblieben: Ein deutschlandweiter Spendenaufruf und großzügige Unterstützung durch Staudenmayers Schreibwaren in Niedersachswerfen hatte weit über 100 Schulrucksäcke für die ukrainischen Kinder gebracht. Doch die damalige Reise war auch mit einem politischen Treffen verbunden, erinnert sich der CDU-Routinier, der damals auf Oksana Yurinets traf, die der Parlamentskommission für die Assoziierung der Ukraine in die EU sowie dem NATO-Rat angehört.

Dieses Jahr folgte dann von Yurinets der Hilferuf. Hilfe beim Wahlkampf um Sitze im Parlament. Denn kurz nach seiner Amtseinführung am 20. Mai habe der Schauspieler Wolodymyr Selenskyjdas als neuer Präsident der Ukraine das Parlament aufgelöst und Neuwahlen angekündigt, erzählt Egon Primas. Für den Landtagspolitiker ein untragbarer Zustand: „Dieses politische Vakuum ist gefährlich“, erklärt er seine Motivation, Selenskyjdas Konkurrenzpartei, also der von Klitschko und Yurinets, beizustehen. „Wir müssen die Leute stärken, die die Ukraine in Europa sehen“, ist Primas überzeugt und hofft auf ein arbeitsfähiges Parlament.

Auf seiner fünftägigen Wahlkampfreise besuchte er unter anderem ein Krankenhaus in den Karpaten sowie das Werk des deutschen Automobilzulieferers Leoni AG und die rund 1500 Beschäftigten. „Da ist mir das Herz aufgegangen“, sagt Primas über die modernen an Europa orientierten Arbeitsbedingungen und seine Rede vor der interessierten Belegschaft. Das Fazit für ihn: „Menschen lassen sich noch für Politik begeistern, wenn sie über ihre Zukunft entscheiden.“

Primas sieht CDU als Sieger in Landtagswahl

„Allein für diese Erfahrung hat sich die Reise gelohnt.“ Immerhin habe der Wahlkampf in der Ukraine ihn an den der Nachwendezeit erinnert. Da sei es um die Sache und nicht allein um Personen und Fördergeld-Versprechen gegangen, bedauert er eine aktuelle Entwicklung, die aus seiner Sicht „abartig und unseriös“ ist. „Das war ein Anlass für mich, um zu sagen: Ich mache Schluss“, benennt er einen Grund, nicht noch einmal für den Landtag antreten zu wollen.

Der Landespolitik ganz den Rücken kehren, wird der 67-Jährige aber auch nicht. „Die CDU wird gewinnen. Das ist selbstverständlich nach fünf Jahren Stillstand.“ Doch die Koalitionsgespräche danach würden komplex, dafür brauche es erfahrene Leute im Hintergrund, ist Egon Primas, der schon solche Verhandlungen 2009 mit der SPD führte, überzeugt. Denn „Extremisten“ und die Linke schließe er als Koalitionspartner aus.

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