Tiefensee: „Ich ziehe den Hut vor den Thüringern“

Nordhausen.  Thüringer SPD-Chef berichtet bei seinem Besuch in Nordhausen aus erster Hand von der Ministerpräsidenten-Wahl.

SPD-Landeschef Wolfgang Tiefensee war am Donnerstag zu Besuch beim Nordhäuser SPD-Ortsverein. Rechts die SPD-Kreisvorsitzende Anika Gruner.

SPD-Landeschef Wolfgang Tiefensee war am Donnerstag zu Besuch beim Nordhäuser SPD-Ortsverein. Rechts die SPD-Kreisvorsitzende Anika Gruner.

Foto: Hans-Peter Blum

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

SPD-Landesvorsitzender Wolfgang Tiefensee erfüllte am Donnerstag den Wunsch der Nordhäuser Genossen und lieferte bei seinem Besuch Informationen aus erster Hand rund um die Wahl des Thüringer Ministerpräsidenten. „Es ist ein Märchen, dass Bodo Ramelow und die Linken am 5. Februar in ein Himmelfahrtskommando gegangen sind. Es gab ernsthafte Gespräche mit der CDU, so dass die Chance groß war, dass Ramelow wiedergewählt wird“, stellte Tiefensee klar.

Dann hatte er am Tag vor der Wahl vom Interview von Thomas Kemmerich im Freien Wort erfahren, dass dieser im Falle seiner Wahl den SPD-Ministern Posten in seinem Kabinett anbieten wollte. Da sei Tiefensee stutzig geworden und gewusst, dass mit dem Schlimmsten zu rechnen ist. „Kemmerich war kein Alternativ- oder Zählkandidat, sondern rechnete sich reale Chancen aus. Das haben FDP und CDU gewusst und billigend in Kauf genommen, ihn mit den Stimmen der AfD zu wählen“, betonte er. Leider habe Kemmerich nicht die Größe gehabt, das Amt nicht anzunehmen.

Es hätten sich nach dessen Wahl ergreifende Szenen abgespielt: „Ich habe heulende Leute gesehen, die Angst hatten, dass ihre Demokratieprojekte gekürzt werden. Es war der unbeschreibliche Akt eines Erdbebens. Aber als die Leute sofort auf die Straße gegangen sind, um ihren Protest zu zeigen, war das für mich ein ganz wunderbarer Moment“, sagt Tiefensee. „Ich ziehe den Hut vor den Thüringern“, betonte er.

„Am Samstag nach der Wahl haben wir den Druck so erhöht, dass Kemmerich zurückgetreten ist“, führte der SPD-Politiker aus. „Nun muss es sobald wie möglich Neuwahlen geben, am besten noch vor den Ferien im Juli“, machte er deutlich.

Wie geht es jetzt weiter? Zur Auflösung des Landtags bräuchte es 60 Stimmen, also 18 von CDU und FDP. Das sei eher unwahrscheinlich. Daher sei es besser, auf Gespräche mit der CDU zu setzen, um die notwendigen vier Stimmen bei einer Neuwahl des Ministerpräsidenten für Ramelow zu bekommen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren