Trägerrakete startet mit Batterien aus Nordhausen

Nordhausen  Dem Nordhäuser Batteriehersteller EAS Batteries glückt der Neustart. Das Unternehmen strebt bis 2024 eine Verzehnfachung des Umsatzes an.

Mit der Monbat-Gruppe als Investor kam EAS wieder auf die Beine, freut sich Geschäftsführer Michael Deutmeyer. Sein neues Batteriesystem stellte das Unternehmen jüngst auf einer Marinemesse erfolgreich vor.

Mit der Monbat-Gruppe als Investor kam EAS wieder auf die Beine, freut sich Geschäftsführer Michael Deutmeyer. Sein neues Batteriesystem stellte das Unternehmen jüngst auf einer Marinemesse erfolgreich vor.

Foto: Marco Kneise

Anfang nächsten Jahres soll Vega, die neue europäische Trägerrakete, von Französisch-Guayana ins All starten: ein technisches Meisterstück – ausgestattet mit Batterien aus Nordhausen.

„Wichtige und anspruchsvolle Schock- und Vibrationstests sind schon bestanden“, sagt Michael Deutmeyer voller Vorfreude auf den Raketenstart. Er ist Geschäftsführer der EAS Batteries GmbH. Jenem Unternehmen, dass schon vor zwei Jahrzehnten die Batterieproduktion für sich entdeckte, 2017 allerdings Insolvenz anmelden musste. Der britische Investor war wegen des Brexits ins Trudeln geraten.

Doch der Neustart ist gelungen, kann Michael Deutmeyer zwei Jahre später bilanzieren. Mehr noch: Große Investoren sprechen vor, der Umsatz soll sich gegenüber 2019 binnen fünf Jahren verzehnfachen, was eine Erweiterung mit sich brächte. Möglicherweise gar eine große Fabrik im Industriegebiet „Goldene Aue“.

Nordhäuser Batterien für Raumfahrt und Marine

Woran liegt der Optimismus des kleinen Mittelständlers? Der EAS-Geschäftsführer weist auf die Monbat-Gruppe hin. Der bulgarische Hersteller von Bleibatterien hielt, was er 2017 beim Kauf von EAS versprach. Er investierte mehr als fünf Millionen Euro, nahm zeitgleich minimale Umsätze hin, gab den Nordhäusern die nötige Zeit für die Produktentwicklung.

EAS mit seinen 40 Mitarbeitern will nicht mit den großen chinesischen Batteriefabriken konkurrieren, sondern mit Qualität im Premiumsektor mitspielen. Nicht das Automobil steht im Fokus, sondern die Raumfahrt, die Marine, Bau-, Minen- und Schienenfahrzeuge.

„Ein rein elektrisch angetriebenes Schiff ist in den nächsten 30 Jahren utopisch“, weiß Michael Deutmeyer. Aber Batterien könnten mit Dieselmotoren, Gasturbinen oder der Brennstoffzelle kombiniert werden, um Leistungsspitzen abzudecken. Der Geschäftsführer spricht von der „Hybridisierung elektrischer Antriebe“. Ein Markt, auf dem heute weltweit rund eine Milliarde US-Dollar pro Jahr erwirtschaftet werden, auf dem es ab 2026 schon sechs Milliarden sein sollen.

In den vergangenen 12 bis 18 Monaten hätten seine Mitarbeiter viel gestöhnt, doch all die Mühen haben sich gelohnt: Die neue Zellengeneration von EAS lässt sich bis zu 6000-mal aufladen – dreimal so oft wie die vorherigen – und haben danach noch immer eine Kapazität von 80 Prozent gegenüber dem Neuzustand. Zugleich gelingt deren Produktion dank eines patentierten Kontaktträgerverfahrens mehr als doppelt so schnell wie bislang. Nicht zuletzt wurde die Ausschussrate auf ein Zehntel verringert.

Vor einigen Monaten begann EAS Batteries, seine Produktion wieder hochzufahren. Auf dem Markt ist man zunächst als Lieferant von Batterien, Ladeeinheiten und Batteriemanagementsystemen für die Raumfahrt unterwegs, etwa für das russische Proton-M-Trägersystem. „Das ist die Königsdisziplin der Batterie-Entwicklung“, zollt Michael Deutmeyer seinen Mitarbeitern Respekt.

Auf einer Marinemesse stellte das Unternehmen diesen Sommer erfolgreich sein neues Batteriesystem vor, mit dem der Durchbruch am Markt zu Jahresende erfolgen soll. Dank Modulbauweise sei dieses flexibler anzuordnen als das von der Konkurrenz, auch seien die Batterien deutlich leistungsstärker. Im Blick hat EAS Fahrgastschiffe, U-Boote, Containerschiffe, Hafenschlepper. Entsprechend interessant sind die Märkte in Skandinavien, in Großbritannien, Indien, Amerika.

Für dieses Jahr peilt EAS einen Umsatz von zwei bis drei Millionen Euro an, die Kurve soll weiter steil nach oben führen. „Wir müssen wachsen, damit wir den Kostenerwartungen entsprechen.“

Der Produktionsstandort Nordhausen sei „auf absehbare Zeit gesetzt“, versichert Michael Deutmeyer. Die langjährig tätigen Mitarbeiter würden schließlich für das nötige Know-How stehen. Außerdem fühle sich EAS Batteries sehr vom Land und dessen Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) unterstützt: Man erwäge, die EAS-Batterien für Hochleistungsanwendungen einzusetzen, etwa zur Netzstabilisierung und zur „Spitzenglättung hoch volatiler Verbraucher wie Ladestationen für Elektrofahrzeuge oder Industrieanlagen“. Letztlich also könnten Batterien aus Nordhausen auch den Ausbau erneuerbarer Energien begleiten.

Die Ansiedlung des chinesischen Batteriezellherstellers Catl am Erfurter Kreuz stört EAS nicht. Im Gegenteil: „Dass sich in Thüringen dieser Wachstumsbereich etabliert, sehen wir als Chance, da so eine kritische Masse entsteht.“

Das Industriegebiet Goldene Aue sei eine „interessante Option, wenn wir eine Erweiterung umsetzen wollten“. Eine Investitionsentscheidung werde aber nicht vor Mitte 2020 getroffen. Letztlich hänge dies vom Verkaufserfolg neuer Zellen und Batterien ab.

Bei der Elektrodenfertigung gibt es erste Engpässe, doch könnten die über externe Dienstleister in den nächsten eineinhalb Jahren abgepuffert werden. Für die Zell- und Batterieproduktion gebe es am jetzigen Standort im IFA-Park auch künftig genug Kapazitäten.

Deutmeyer denkt an die Anfänge von GAIA und EAS – mittlerweile zusammengeführt – zurück: „Wir waren mindestens 15 Jahre unserer Zeit voraus.“ Viele Entwicklungen hätten andere – darunter DAX-Unternehmen – letztlich kommerzialisiert, weil Mitarbeiter dorthin wechselten.

Auch im 20. Jahr ist EAS Batteries noch in der Start-up-Phase, erwirtschaft keine Gewinne. Aber das soll sich im kommenden Jahr ändern.

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