Van-Gogh-Gemälde in Auleben entdeckt

Auleben.  Der Schriftsteller Stephan Gräfe präsentiert seinen Kurzroman „Fälschung“, in dem das Europadorf und seine Bewohner im Mittelpunkt stehen.

Schriftsteller Stephan Gräfe und Eckhard Haupt alias Herr Rödel zur Buchpremiere von „Fälschung“ in Aulebens Luthersaal. Gräfe weilte für zwei Monate im Rahmen des Stipendiums „Künstler im ländlichen Raum“ in dem Europadorf, um einen Kurzroman zu schreiben.

Schriftsteller Stephan Gräfe und Eckhard Haupt alias Herr Rödel zur Buchpremiere von „Fälschung“ in Aulebens Luthersaal. Gräfe weilte für zwei Monate im Rahmen des Stipendiums „Künstler im ländlichen Raum“ in dem Europadorf, um einen Kurzroman zu schreiben.

Foto: Marco Kneise

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Es braucht nicht viel Fantasie, um zu wissen was passiert, wenn in einem kleinen Dorf wie Auleben zufällig ein Van-Gogh-Gemälde entdeckt wird. Leute, die zuvor nicht einmal ahnten, wo das beschauliche Örtchen nur ansatzweise liegt, pilgern in die Goldene Aue – Kunstkenner wie auch Journalisten. Erst einer, dann zwei und schließlich eine ganze Horde, die jeder für sich ganz eigene Interessen verfolgen. Zusätzlich spannend wird es, wenn sich etwas Unvorhergesehenes dazu gesellt, wie beispielsweise ein Toter.

Dann entwickelt sich ein Krimi, wie er im Buche steht. Und genau diesen brachte der Schriftsteller Stephan Gräfe die vergangenen zwei Monate zu Papier und schließlich am Donnerstagabend bei den Auleber Kulturtagen zu dessen Buchpremiere ebenda zu Gehör. Genauer: im Luthersaal. Der war mit seinen 60 bis 70 neugierigen Aulebern und Weggefährten, die Gräfe bei seinem Aufenthalt im Auedörfchen kennenlernte, sehr gut gefüllt. Einige beeindruckten den jungen Hildesheimer Schriftsteller so sehr, dass sie sich als Protagonisten im Krimi sogar wiederfanden.

Zum einen ist da Eckhard Haupt, der sich zweifelsfrei als „der Rödel“ wiederentdeckt, da er als der hiesige Museumsleiter des Neuen Rüxleber Hofs vorgestellt wird, in dessen „Trödelscheune“ das Van-Gogh-Gemälde schlummert. Für Haupt, der Gräfes persönlicher Gästeführer war, eine große Ehre, bedeute es doch für den Hof mit seinem Museum Werbung und mache das Dorf mit seiner 1200-jährigen Geschichte noch bekannter. Schön auch, dass dessen ein oder andere Anekdote den Weg ins Buch gefunden hat. So beispielsweise die nicht ganz ernst gemeinte Erzählung von den Mäusen, die einst in der Schlafkammer des Neuen Rüxleber Hofs auf einem eingefrorenen Nachttopf mit Schlittschuhen rumgefahren sein sollen.

Dann gibt es da Bürgermeister Jens Hohenstein, der neben seinem Amt als Ortschef, IT-Techniker und passionierter Drohnenfotograf ist, der alljährlich einen Fotokalender publiziert und dadurch unverwechselbare Ähnlichkeit mit Andreas Liesegang hat, da all dies auf ihn zutrifft. Liesegang, der vor der Buchpremiere keine einzige Zeile aus dem Buch kannte, lediglich am Nachmittag den Buchtitel „Fälschung“ erfuhr, zeigte sich hellauf begeistert vom Resultat. Kein Wunder, war er doch bereits von Anfang an angetan von dem Hildesheimer. Zudem passte die Kombination Schriftsteller – Auleben. Nicht nur, weil es großartig in das Konzept der Auleber Kulturtage passt, ein i-Tüpfelchen auf den vielen Veranstaltungen im Rahmen der ganzjährigen Feierlichkeiten zu 1200 Jahre Auleben ist, sondern auch das ist, was laut Liesegang Auleben bisher gefehlt hat.

Zwischendurch gab es Gesangseinlagen des Auleber Projektchores, der nicht nur das Auleben-Lied zum Besten gab. Außerdem wurde eine kleine Ausstellung präsentiert, die das Projekt Gräfes mit dem örtlichen Kindergarten zeigte.

Wiedererkannt haben sich auch Helga und Horst Parche, die als Hannah und Holger Schneider dem Ich-Erzähler, der als Journalist mit Mord- und Totschlagaffinität für eine Reportage nach Auleben reist, Unterschlupf gewähren. Ebenso wie in der Wirklichkeit, da Gräfe bei den beiden Aulebern für die Zeit des schriftstellerischen Wirkens mit im Haus lebte. Ähnlichkeiten mit weiteren Einwohnern schließt Gräfe nicht aus, da er eine Vielzahl an Leuten traf, die mit ihren Lebensgeschichten als Blaupause dienten. Da Gräfe den Inhalt des Werkes bis zum Schluss geheim hielt, wusste dieser nicht, ob die Parallelen mit Humor genommen werden. Er konnte es daher nur hoffen. Doch das Publikum würdigte die Buchpremiere nicht nur während der Lesung mit einer Vielzahl schmunzelnder Gesichter und heiterem Lachen, jedes Mal, wenn sich jemand wieder erkannte, auch stolzen Beifall erntete Aulebens zweimonatiger Gast, den viele Einwohner von Beginn an ins Herz geschlossen haben.

Daher verwundert es nicht, dass Stephan Gräfe demnächst wieder den Weg in die Goldene Aue finden wird. Dann jedoch nicht für Recherchezwecke, sondern, um der Einladung des Ortschefs zum 1. Dezember nachzukommen. Schließlich steht dann für das Auedörfchen ein weiteres Jubiläum ins Haus, das im Rahmen des 1200-jährigen Bestehens begangen wird. Das Dorf feiert 30 Jahre Weihnachtmarkt am Schloss und auf dem Neuen Rüxleber Hof.

Der Schriftsteller Stephan Gräfe ist einer von drei Künstlern, die das ortsbezogene Stipendium „Künstler im ländlichen Raum“ erhielten. Finanziert wurde es von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, der Sparkassen-Versicherung sowie der Kreissparkasse Nordhausen. So erhielt der Hildesheimer Student die Chance für einen achtwöchigen Aufenthalt von September bis Oktober in Auleben. Ursprünglich wollte Gräfe eine Kurzgeschichte verfassen, diese entwickelte sich jedoch aufgrund des vorgefundenen Potenzials zu einem Kurzroman über Auleben.

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