Vogelberglauf in Bleicherode: Mitgefühl im Wettbewerb – so tickt die Südharzer Läuferfamilie

Jens Feuerriegel
Jörg Lorenz (rechts) vom Organisationsteam des Bleicheröder Vogelberglaufes überreicht Hans-Peter Nebelung den Ehrenpreis für sein hilfsbereites Handeln.

Jörg Lorenz (rechts) vom Organisationsteam des Bleicheröder Vogelberglaufes überreicht Hans-Peter Nebelung den Ehrenpreis für sein hilfsbereites Handeln.

Foto: Jörg Lorenz

Werther.  Warum Hans-Peter Nebelung aus Werther einen Ehrenpreis erhalten hat.

Viele Südharzer kennen Hans-Peter Nebelung in Handwerker-Latzhose oder im Lauf-Shirt. In Werther betreibt der Kfz-Meister eine freie Werkstatt. Und seit sechs Jahren sind die Freizeitläufe sein liebstes Hobby. Gemeinsam mit Ehefrau Kerstin beteiligt er sich an den Südharzer Volksläufen.

Dabei sein ist alles. Die Freude am Sport motiviert, auch anspruchsvolle Strecken zu meistern. Wie jene beim Vogelberglauf durch den Bleicheröder Stadtwald.

Hans-Peter Nebelung fühlt sich gut auf dem 5-Kilometer-Kurs. Den schwersten Teil, der die Läufer permanent bergan fordert, hat er schon in den Beinen. Doch anderthalb Kilometer vor dem Ziel stoppt der 59-Jährige sein Rennen.

Ein Mann braucht Hilfe nach einem Sturz. Sein Kreislauf ist kollabiert. Nebelung zögert keinen Moment. Er bleibt stehen und kümmert sich sofort um den Fremden in Not. Der Sportler hat einen Blackout. „Das hat mich am meisten erschrocken“, blickt Hans-Peter Nebelung zurück. Seine Frau Kerstin läuft weiter, um im Ziel den Rettungsdienst zu informieren.

Später bei der Siegerehrung halten Laufchef Alfred Engelmann und Vereinssprecher Jörg Lorenz Ausschau nach den Nebelungs. Sie wollen das faire Verhalten würdigen. „Hans-Peter hat für 20 Minuten seinen Lauf unterbrochen, um dem Kollabierten Erste Hilfe zu leisten“, unterstreicht Jörg Lorenz, „und damit hat er die Gesundheit eines anderen Sportlers vor die eigenen Interessen gestellt.“

Doch Kerstin und Hans-Peter Nebelung sind da schon auf ihrem Heimweg. Jörg Lorenz packt deshalb den Ehrenpreis des Vogelberglaufes ein und überreicht ihn Tage später in der Werkstatt in Werther. Hans-Peter Nebelung freut sich zwar, aber das Aufsehen ist ihm auch ein wenig unangenehm. „Das war doch selbstverständlich“, betont er. „Nichts Besonderes.“