Vom Röhrenradio zum Internet: Television Bleicherode wird 60

Bleicherode  Bleicheröde Unternehmen beschäftigt 42 Mitarbeiter und zählt zu den größten Kabelnetzbetreibern in Thüringen.

Geschäftsführer Joachim Bundfuß (61) will in vier Jahren in den Ruhestand gehen, seine Tochter Christin Hoßbach steht zur Nachfolge bereit. Prokuristin bei Television Bleicherode ist Simone Lehne. Foto: Kristin Müller

Geschäftsführer Joachim Bundfuß (61) will in vier Jahren in den Ruhestand gehen, seine Tochter Christin Hoßbach steht zur Nachfolge bereit. Prokuristin bei Television Bleicherode ist Simone Lehne. Foto: Kristin Müller

Foto: Kristin Müller

Es ist so schnell dahingesagt: Alle 38 PGH-Mitarbeiter wurden nach der Wende weiter beschäftigt. Selbstverständlich ist das nicht: Nicht in einem Unternehmen wie Television Bleicherode, dessen Hauptgeschäft – die Reparatur von Fernsehern, Radios, Tonbändern, Plattenspielern – plötzlich weggebrochen war.

Aber es gelang, und darauf ist Joachim Bundfuß noch heute stolz. Seit 2003 ist er Geschäftsführer, mit 16 hatte er 1974 als Lehrling begonnen, sich sodann hochgearbeitet. Am Samstag lud er zum 60-Jährigen von Television Bleicherode.

1959 war die gleichnamige PGH gegründet worden, Geschäftsführer wurde mit Horst Hilpert jener Rundfunk- und Fernsehmechaniker, der 1948 einen kleinen Handwerksbetrieb in Nohra gegründet hatte und mit diesem 1957 in die Bleicheröder Bahnhofstraße 57 gezogen war, 1959 aber zu dessen Aufgabe gezwungen wurde.

Kabelnetz hat Wert von über zwei Millionen Euro

Neben den Reparaturen war in den 50ern der Antennenbau wichtiges Standbein der PGH: in 54 Orten des Kreises und auch in Worbis hatte Television zu tun. So mancher Dorffunk entstand. Und für die Deutsche Post bauten die Bleicheröder ab 1968 DDR-weit die Fernsehumsetzer auf. Allerdings brach dieses Geschäftsfeld schon 1974 weg – ein Ministerratsbeschluss erging, wonach die Produktionsgenossenschaften nur noch Reparaturen und Dienstleistungen verrichten durften. Außerdem musste sich die Television von der wenige Jahre zuvor aufgebauten Konsumgüterproduktion trennen – die Baugruppen für Rundfunkgeräte wurden fortan in Großlohra hergestellt.

Television konzentrierte sich noch mehr auf den Bau von Einzel- und Gemeinschaftsantennenanlagen, setzte in den 80ern zudem stark auf den Verkauf und die Reparatur von Rundfunktechnik. Die 1969 eröffnete „Spezialverkaufsstelle für Fernsehen, Rundfunk und Phono“ wurde 1986 um das Sortiment eines Plattenladens erweitert.

Den Laden gibt es noch immer – den Umsatz aber bringen andere Geschäftsfelder: Das Unternehmen zählt mit rund 20.000 Kabelnetzanschlüssen zu den größten Kabelnetzbetreibern in Thüringen. „Unser Kabelnetz in der Erde und den Wohnblöcken ist mehr als zwei Millionen Euro wert“, schätzt Prokuristin Simone Lehne. Allein in einem Plattenbau mit 60 Wohnungen stecken rund zwölf Kilometer Koaxialkabel.

Bundfuß lässt nicht unerwähnt, dass ein Reservefonds aus PGH-Zeiten beim Neustart nach der Wende sehr half.

Ging es vor 1989 noch um den Empfang von DDR 1, DDR 2, ARD und ZDF, waren in den 90ern auch RTL, Pro 7 und Sat 1 gefragt. Inzwischen sind es dutzende Digitalprogramme, ist der Bleicheröder Kabelnetzbetreiber in Nordhausen und Leinefelde auch Internet- und Telefonanbieter für 1000 Haushalte.

Mehr noch: Die 2003 gegründete 100-Prozent-Tochter Montage GmbH Television Bleicherode hat sich bundesweit einen Namen gemacht, was die Installation von Video-, Gegensprech-, Einbruchmelde- und Beschallungsanlagen angeht. Für Bosch und Siemens sind die Kalistädter Subunternehmer für etwa ein Drittel des Bundesgebiets, 25 Cinemaxx-Kinos stattete Television aus, unter anderem das am Potsdamer Platz in Berlin. Aktuell zählt Television Bleicherode mit seinem Tochterunternehmen 42 Mitarbeiter. Diesen Personalstamm zu halten, sei die größte Herausforderung der Zukunft, so Bundfuß.

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