Weniger Crystal-Meth-Abhängige im Südharz

Nordhausen.  Nordhäuser Suchthilfezentrum berichtet, dass eher zu den schwächer wirkenden Amphetaminen gegriffen wird.

Dirk Rzepus, hier in einem Beratungsgespräch, leitet das Suchthilfezentrum der Diakonie in Nordhausen.

Dirk Rzepus, hier in einem Beratungsgespräch, leitet das Suchthilfezentrum der Diakonie in Nordhausen.

Foto: Hans-Peter Blum

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Der Run auf die Modedroge Crystal Meth scheint zumindest im Südharz gestoppt. „Wir haben im vergangenen Jahr 322 Amphetamin-Konsumenten betreut; das ist in etwa der Stand aus dem Jahr 2018 mit 318 Konsumenten“, sagt Dirk Rzepus, Leiter des Suchthilfezentrums der Diakonie am Schackenhof in Nordhausen. In den Vorjahren waren die Zahlen seit 2014 steil nach oben geschossen. Diese Entwicklung scheint jetzt zumindest gebremst.

„Wir haben auch festgestellt, dass der Trend der Konsumenten eher zur Nutzung der schwächer wirkenden Amphetamine geht. Das Crystal Meth wird aufgrund seiner starken Nebenwirkungen inzwischen öfters gemieden“, erläutert Rzepus. Dennoch ist die Zahl der Methamphetamin-Konsumenten mit 196 immer noch höher als die Zahl der Amphetamin-Nutzer mit 126.

Insgesamt 674 sogenannter Klienten hat das Nordhäuser Suchthilfezentrum im vergangenen Jahr betreut. Das steht im Jahresbericht der Beratungsstelle. Diese 674 sind etwa 20 mehr als im Vorjahr. „Der leichte Anstieg ist aber vor allem auf die gestiegene Zahl der Alkoholabhängigen auf jetzt 305 zurückzuführen“, führt Rzepus aus.

Anteil der Hartz-IV-Empfänger ist leicht rückläufig

Der Anteil der Hartz-IV-Empfänger sei dagegen mit 215 leicht rückläufig. „Seit 2018 übersteigt die Gruppe der Gehaltsempfänger die Gruppe der Hartz-IV-Berechtigten“, so der Nordhäuser. Das zeige sich auch in der stärkeren Frequentierung der Abendsprechstunde von 16 bis 18 Uhr. Als Erfolg wertet er den Antritt einer Arbeitsstelle von etwa 15 Hartz-IV-Leuten nach erfolgter Entwöhnungstherapie im Suchthilfezentrum. „Das zeigt doch, dass Suchtberatung zu positiven Ergebnissen und auch zur finanziellen Entlastung des Staates führt“, freut sich Rzepus. Die Altersstruktur der Drogenabhängigen liege zwischen 15 und 35 Jahren, mit dem Höhepunkt Mitte 20. Die Alkoholkranken seien in der Regel älter. Hier beginnt die Abhängigkeit meist mit 30 und reiche bis ins Rentenalter. „Der Peak liegt hier rund um die 40“, erläutert er.

„Die Prävention ist ein wichtiges Arbeitsfeld der Suchthilfe“, betont Rzepus. Dort biete sich die große Chance, Kindern und jungen Menschen die Folgen von Suchtkrankheit erlebbar zu machen und eine eigene Haltung zu entwickeln. „Wichtig sind Bewältigungsstrategien und das Wissen darüber, was jeder tun kann, damit es ihm gut geht“, berichtet der Südharzer.

Kinder frühzeitig auf Folgen von Suchtkrankheiten vorbereiten

Im vergangenen Jahr bot die Suchthilfe 116 Präventionsveranstaltungen oder Projekttage an Schulen und Betrieben an. Etwa die Hälfte betrafen Grundschulen, wo das Programm Klasse 2000 angewendet wird. „Zwölf Klassen wurden an vier Grundschulen durch drei unserer Mitarbeiterinnen begleitet. Im kommenden Jahr soll noch eine fünfte Grundschule hinzukommen“, sagt Rzepus. Je früher Kinder auf Folgen der Suchtkrankheiten vorbereitet werden, um so geringer sei die Gefahr, dass sie einer solchen Sucht verfielen.

„Bei älteren Schülern sind Gesprächsrunden zur Sensibilisierung wichtig, um zu zeigen, wie sich Sucht entwickeln kann“, so der Nordhäuser. Es habe immer mit Beziehungen zu tun, in welchen Kreisen man sich bewegt. „Sind diese Beziehungen gut, ist der Schüler weniger gefährdet.“ Sich eigener Stärke bewusst zu sein, werde in der Wissenschaft als Resilienz bezeichnet.

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