Wie Trauernden im Südharz geholfen wird

Nordhausen.  Vereine, Bestatter sowie Selbsthilfegruppen stehen Betroffenen in schweren Stunden nach dem Verlust eines geliebten Menschen bei. Die Angebote sind vielfältig. Wir geben einen Überblick.

Seit 2002 ist Tobias Titulaer als Trauerbegleiter in Nordhausen tätig. Dreimal jährlich leitet er ein Trauerseminar.

Seit 2002 ist Tobias Titulaer als Trauerbegleiter in Nordhausen tätig. Dreimal jährlich leitet er ein Trauerseminar.

Foto: Doreen Hotzan

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Zuhören und begleiten stehen beim Nordhäuser Hospizverein an oberster Stelle. „Unsere Hauptaufgabe besteht darin, Schwerstkranke und ihre Zugehörigen zu unterstützen“, erläutert Daniela Schröter, die beim Verein als Koordinatorin vom Ambulanten Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst angestellt ist. Dass sie nicht Angehörige sagt, hat einen bestimmten Grund. „Oft gehören auch Freunde zum engen Umfeld des Kranken“, sagt die gelernte Krankenschwester.

100 Mitglieder zählt der im Jahr 2000 gegründete Verein inzwischen, in dem sich 30 ehrenamtliche Begleiter engagieren. „Vorher müssen sie einen Kurs bei uns absolvieren, der einmal im Jahr angeboten wird“, erzählt die Koordinatorin. Dort bekommen die Freiwilligen die nötigen Kenntnisse für ihre Tätigkeit vermittelt. Eingesetzt werden die Begleiter überall dort, wo sie angefragt werden: in Pflegeheimen, auf der Palliativ-Station im Nordhäuser Südharz-Klinikum, aber auch im Hospiz in Neustadt oder bei betroffenen Familien zu Hause.

Die Betreuung endet meist nicht mit dem Tod des Kranken, sondern geht weit darüber hinaus. So bietet der Verein auch eine Trauerbegleitung an. Angeboten werden neben einer Einzeltrauerbegleitung auch ein Trauercafé, das jeden ersten Mittwoch im Monat von 15 bis 17 Uhr stattfindet. Darüber hinaus bietet der Verein eine Kontaktgruppe für frühverwaiste Eltern an, die sich einmal im Monat trifft. Weiterhin berät der Verein auf Wunsch zur Patientenvorsorge.

Bestatter vermittelt in Seminaren, mit der Trauer umgehen zu lernen

Zu Weihnachten und zum Jahreswechsel wiegt der Verlust eines geliebten Menschen besonders schwer. Das weiß Tobias Titulaer vom Bestattungshaus Höfer in Nordhausen nur zu gut. Doch er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Trauernden auch nach der Beerdigung beizustehen und ihnen Wege aufzuzeigen, solche Momente zu meistern. Wie genau das geht, vermittelt Tobias Titulaer in Trauerseminaren, die er mit dem Verein Trauerwelten dreimal jährlich anbietet.

„Das erste beginnt im Januar und läuft bis Ostern, das zweite von Ostern bis zu den Sommerferien und das dritte startet nach den Sommerferien und geht bis Ende November“, sagt der studierte Theologe, der sich als Quereinsteiger in dieses Gebiet bezeichnet.

So war er nach seinem Studium zunächst als Seelsorger für Tumorpatienten und als Klinikseelsorger tätig, ehe er eine Supervisorenausbildung absolvierte und als Trauerbegleiter arbeitete. Seit 2002 ist er in Nordhausen aktiv.

Die Teilnehmer seines Seminars treffen sich alle 14 Tage in den Räumen des Bestattungshauses. Ziel ist es, den Trauernden Raum und Zeit für ihre Trauer zu geben. Denn gerade das wird ihnen laut Tobias Titulaer heute oft verwehrt. „Sie müssen sofort wieder funktionieren“, hat er beobachtet. Dabei sei es völlig normal, zu trauern. „Trauern ist ein Ausdruck von Liebe“, macht der Trauerbegleiter deutlich. Im Seminar können Teilnehmer ihren Gefühlen freien Lauf lassen – ohne verurteilt zu werden und sich untereinander austauschen. „Sie lernen bei mir, mit der Trauer zu leben“, meint er.

Notfallseelsorge kümmert sich um Angehörige von Unfallopfern

Der Verein Notfallseelsorge und Krisenintervention Nordthüringen kümmert sich im Südharz um die Betreuung der Angehörigen von Opfern schwerer Unfälle oder Unglücke, Trauernden und Einsatzkräften. „Unser Team kann nach bestimmten Ereignissen gerufen werden. Dazu gehören Unfälle mit Toten und Schwerstverletzten, erfolglose Wiederbelebungen, Begleitung der Polizei bei Todesbenachrichtigungen, Tötungsdelikte, Selbstmorde, plötzlicher Kindstod, Geiselnahmen, Raubüberfälle und Katastrophen“, berichtet Notfallseelsorger Gregor Heimrich.

Es gebe aber Fälle, wo der Verein nicht zum Helfen befähigt ist. „Nicht gerufen werden wir bei der Betreuung von psychisch Kranken oder Suchtkranken, Suizidversuchen oder häuslicher Gewalt“, zählt Heimrich auf. Einmal im Jahr lädt der Verein Angehörige und Einsatzkräfte zu einer Gedenkstunde ein. Dort wird der durch Unfall oder andere Ereignisse Verstorbenen gedacht. Sie findet Ende November in der Cyriaci-Kapelle der Musikschule in Nordhausen statt.

Den Verein gibt es seit 1997. Von den 24 Mitgliedern sind 16 in den drei Landkreisen Nordhausen, Kyffhäuserkreis und Eichsfeld im Einsatz. Sie sind an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr ehrenamtlich Ansprechpartner von Trauernden und Einsatzkräften.

Verwaiste Eltern sind nicht auf sich selbst gestellt

Hilfe für Eltern, die ihr Kind verloren haben, bietet die Nordhäuser Selbsthilfegruppe für verwaiste Eltern

an. Diese wurde 2008 durch Elke Heinrich gegründet und trifft sich am zweiten Samstag jeden Monats um 10 Uhr.

Der Gesprächskreis in den Räumen des Kinderhospizes in der Harzstraße 58 ist ein Anlaufpunkt für Betroffene – auch für Männer, meint Ricarda Rößler, die als Sprecherin der Selbsthilfegruppe fungiert. Unterstützt wird die Gruppe durch den Psychologen Gerd Bufe vom Kinderheim „Frohe Zukunft“.

Öffnungszeiten und Kontakte:

Das Büro des Hospizvereins Nordhausen in der Otto-Ludwig-Jahn-Straße 2 ist Montag, Mittwoch und Donnerstag von 10.30 bis 13.30 Uhr geöffnet und ist telefonisch unter 03631/651 62 83 und per Mail kontakt@
hospizverein-nordhausen.de
zu erreichen.

Der Verein Trauerwelten ist telefonisch unter 03631/97 38 10 oder per E-Mail an information@
trauerwelten.de zu erreichen.

Die Notfallseelsorge ist unter der Notrufnummer 112 erreichbar. Die Anschrift des Vereins lautet Krisenintervention und Notfallseelsorge Nordthüringen, Postfach 100 118, 99721 Nordhausen.

Ricarda Rößler von der Selbsthilfegruppe ist telefonisch unter der Nummer 0178/430 26 09 zu erreichen oder unter der E-Mail-Adrese ricarda.roessler@
outlook.de.

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