Zwei Erbesbären sind zur Kirmes in Kleinwerther los

Kleinwerther  Umzug zum 70. Geburtstag der „Hochseicher“ vereint mehrere Generationen in Werther. Extra einen Stempel zum Jubiläum entworfen.

Der „Ziegen-Peter und Heidi“ durften im eigenen Wagen mit der Kirmesgesellschaft herumziehen.  

Der „Ziegen-Peter und Heidi“ durften im eigenen Wagen mit der Kirmesgesellschaft herumziehen.  

Foto: Birgit Eckstein

Den letzten Beweis dafür, dass in Kleinwerther die Kirmes wieder lebt, erbrachte am Samstag der Umzug durch die Straßen des Ortes. Denn eine bunte Truppe mit gut 50 Kindern, Jugendlichen, Männer und Frauen zog durch die Straßen. Generationsübergreifend feierten die „Hochseicher“, wie die Kleinwertherschen genannt werden, den 70. Geburtstag ihrer Kirmes. Teilweise waren drei Generationen gemeinsam unterwegs; den Kirmes-Urgesteinen haben sich nun schon deren Kinder und Enkelkinder angeschlossen. Aber auch Zugezogene oder Jugendliche, die nicht erblich vorbelastet sind, schlossen sich der Kirmesgesellschaft an. Musikalisch wurde der Umzug von Tobias Hellrung und Frank Zmudzinski begleitet. Die mittlerweile gestandenen Männer, die mit Akkordeon und Drehorgel für Stimmung sorgten, waren schon als Kinder bei den Kirmessen dabei. Bei ihrem Umzug machten die Truppe auch im Pflegeheim Station, um den letzten lebenden Gründer der Kirmes zu besuchen.

Gründer der Kirmes im Pflegeheim besucht

Eine Besonderheit des Umzugs waren die zwei Erbesbären. „Lieber zwei Bären als gar keinen“, ist man sich in Werther einig. Pascal Bode und Phillip Nega bewältigten diese schweißtreibende Aufgabe gemeinsam. Der Tag begann für die beiden Jugendlichen bereits um 6 Uhr, denn da startete das Wickeln der Bären, stilecht in Erbsenstroh. Und so war die Frühstückspause bei Familie Bösenberg für sie eine willkommene Erholungspause, auch wenn das Essen und Trinken im Liegen für sie nicht so einfach war. Aber Sitzen war für die Erbesbären einfach nicht drin. Da bekam der Begriff Raubtierfütterung plötzlich eine ganz neue Bedeutung.

In der Mittagszeit folgte im Schlepptau des Umzugs, der von den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Werther und Großwechsungen abgesichert wurde, die Feldküche von Familie Handke. Denn wenn in Werther gefeiert wird, darf die beliebte Erbsensuppe nicht fehlen.

Dass dieses besondere Jubiläum begangen werden konnte, ist keine Selbstverständlichkeit; gab es doch neun Jahre lang keine Kirmes im Dorf. Erst 2018 kam Uwe und Tobias Hellrung sowie einigen anderen Einwohnern die Idee, die Kirmes wieder aufleben zu lassen. Binnen acht Wochen wuchs die Euphorie im Ort derart, dass man sich entschied, einen kleinen Umzug auf die Beine zu stellen. Dies war die Feuertaufe für die diesjährige Jubiläumskirmes, die mit allem Drum und Dran gefeiert wurde. Dazu gehörte nicht nur der bunte Umzug sondern auch der abendliche Tanz mit Beerdigung und Predigt. Erstmals seit zehn Jahren gab es diese Veranstaltung wieder im „Haus des Volkes“ beim Ehepaar Koch. Dafür wurde extra der alte Kirmesbursche „Renne“ Martens, der in einem Pflegeheim in Nordhausen lebt, mit einem Taxi nach Werther geholt. Mit dem eigens für die Kirmes entworfenen Hochseicher-Stempel durfte „Renne“ dann alle Gäste beim Eintritt abstempeln. Die Kirmesburschen möchten sich bei allen Freunden und Sponsoren für die finanzielle und materielle Unterstützung bedanken, denn ohne sie wäre diese Kirmes nicht möglich gewesen. Auch den Einwohnern von Werther gilt ein großes Dankeschön, hielten sie doch am Straßenrand so manche Leckerei für die Kirmesgesellschaft bereit und ließen auch die Sammelbüchsen fleißig klingeln. Und so sind sich alle Mitwirkenden einig: Auch im kommenden Jahr wird es wieder eine Kirmes in Kleinwerther geben.

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