Zwei Millionen Euro für Blickfang an Nordhäuser Europa-Kreuzung

Kristin Müller
| Lesedauer: 3 Minuten
Severin Brodhun und Mike Müller (von links) von der Servicegesellschaft sichern eine alte Tür.

Severin Brodhun und Mike Müller (von links) von der Servicegesellschaft sichern eine alte Tür.

Foto: Marco Kneise

Nordhausen.  Der Landkreis baut das Denkmal Am Alten Tor 8 bis 2023 zum modernen Verwaltungssitz um. Genutzt wurde es bis dato auf vielfältige Weise.

Weingroßhändler Carl Bohnhardt kleckerte nicht, er klotzte. Das 19. Jahrhundert war noch nicht ganz vorüber, da entschloss er sich zu einem Bau, der noch heute jedem ins Auge sticht, der vom Harz her in die Stadt Nordhausen kommt: An der Europakreuzung ließ Bohnhardt 1893 ein Gebäude mit Türmchen, romanischen Fenstermaßwerken und einer schicken Schamottsteinfassade samt Stuckband bauen.

Hinweise in historischen Aufzeichnungen deuten darauf hin, dass Gustav Ricken der Architekt war, nach dessen Plänen auch das Badehaus, die Wiedigsburg und beispielsweise der Harzquerbahnhof entstanden.

Der Landkreis Nordhausen nimmt nun insgesamt rund zwei Millionen Euro in die Hand, um das Denkmal Am Alten Tor 8 zu sanieren und umzubauen. Ohne Fördermittel. Bis 2023 soll alles fertig sein, damit die Kreisverwaltung in unmittelbarer Nachbarschaft zum historischen Landratsamt und dem Neubau nebenan weitere Räume nutzen kann.

So wenig man es von außen erkennen kann: Innerhalb der Mauern geht es längst richtig zur Sache. Das Gebäude wird entkernt, Historisches wie wertvolle Holztüren in Sicherheit gebracht. Im Zuge der Sanierung gilt es dann, das Haus (brandschutz-)technisch und barrierefrei auszubauen. Ein Aufzug soll Platz finden, der künftige Haupteingang an der Seite eine Rampe bekommen.

Einziehen soll später einmal das Gesundheitsamt oder der Fachbereich Finanzen. Von letztgenanntem Verwaltungsteil arbeiten zurzeit einige Mitarbeiter in der Grimmelallee 20, jenem Nebengebäude, in dem das Kreisarchiv ist.

Sozialgericht verhandelte sogar in den Kellern

Die Kreisverwaltung hat darüber hinaus noch Außenstellen im BIC für die Schulverwaltung und das Veterinäramt, in einem Plattenbau am Südharz-Klinikum für den Bereich Rettungsdienst, Brand- und Katastrophenschutz und im früheren BBZ in der Gerhart-Hauptmann-Straße für Mitarbeiter des Abfallbereichs. Geplant ist, die Räumlichkeiten dort nicht mehr anzumieten, sobald das Haus am Alten Tor fertig saniert ist. Zuletzt hatte dieses die Kreisverwaltung bis 2014 für die Zulassungsstelle und die Fahrerlaubnisbehörde genutzt.

Zwei Jahre zuvor, 2009, war das Sozialgericht nach 16 Jahren ausgezogen. Große Erleichterung herrschte bei den Richtern und anderen Mitarbeitern damals, war die Raumnot doch so groß, dass sogar in einem fensterlosen Kellerraum verhandelt werden musste.

Apropos: Die Keller sind nach wie vor beeindruckend, zeugen von der einstigen Nutzung. Familie Bohnhardt diente das Haus als Erweiterung der Schankwirtschaft und Weinhandlung „Zum Lorbeerbaum“, berichtet der beauftragte Architekt Michael Flagmeyer. Besagter „Lorbeerbaum“ war 1983 abgerissen worden, trotz Denkmalstatus: Es wurde Platz gebraucht für die Straßenbahnlinie 2, die damals über die Behringstraße und das Altentor bis zur Parkallee verlängert wurde.

Nebengebäude beherbergte Gaststätte „Zum Bierkrug“

Das Haus Am Alten Tor 8 indes überdauerte die Zeiten. Wechselhaft war dessen Nutzung aber auch zu DDR-Zeiten, weiß der Hobbyhistoriker Markus Veit: „Hier hatte das Kombinat Mansfeld-Südharz in den 70ern sein Klubhaus, auch der Kraftverkehr nutzte es.“ 1981 übernahm der Rat des Kreises das Gebäude, um es als Verwaltungsgebäude zu nutzen. Damals zog das Bauamt ein. Das zweigeschossige Nebengebäude kam im Jahr 1978 hinzu, für die Klubgaststätte „Zum Bierkrug“.

Die jüngste Sanierung datiert auf 1992, Gleiches gilt die Unterschutzstellung als Denkmal. Im Jahr 2000 bekam das Haus die Haube seines markanten Turms wieder.