300 Jahre alte Kassettendecke in Sömmerdaer Petrikirche wird restauriert

Sömmerda.  Die Kassettendecke in der Sömmerdaer Petrikirche wird instandgesetzt. 115.000 Euro sind für das Dach und die Decke veranschlagt.

Antje Pohl setzt die Kassettendecke in der Sömmerdaer Petrikirche wieder instand.  Das Bild von König Salamon beschreibt die Restauratorin als „außergewöhnlich schön“.

Antje Pohl setzt die Kassettendecke in der Sömmerdaer Petrikirche wieder instand. Das Bild von König Salamon beschreibt die Restauratorin als „außergewöhnlich schön“.

Foto: Jens König

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Betritt man die Sömmerdaer Petrikirche, bekommt man derzeit nicht das Bild, das man vielleicht von einer solch alten Kirche erwarten würde. Denn der Chorraum wird seit Anfang Dezember von einem stämmigen Baugerüst ausgefüllt, das bis unter die Decke reicht.

Die Decke ist auch der Grund, weshalb die Metallkonstruktion in der Kirche am Petriplatz steht. Die kunstvolle Kassettendecke wurde bereits von Restauratorin Antje Pohl gesichert und wird nun wieder instand gesetzt.

Bilder mit Engeln und biblischen Figuren erstrecken sich über die gesamte Decke, sie sind genauso alt wie die Kirche selbst, die im Jahr 1685 geweiht wurde. Auch die Holzumrahmung, die jedes Bild einfasst, befindet sich noch im Originalzustand.

Die Restaurationsarbeiten, die im Dezember angelaufen sind, werden eng mit Pfarrerin Juliane Baumann, dem Gemeindekirchenrat und auch mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt. Zu einer Bauberatung stiegen Bauherren und Amtsvertreter deshalb diese Woche auf das Baugerüst, um sich ein Bild davon zu machen, woran Antje Pohl arbeitet. Bei dieser Besprechung standen vor allem die Farben im Vordergrund.

Aber auch ein Teil der Holzkonstruktion im Bereich des Kirchturms wurde stark von eindringendem Wasser beschädigt und musste gesichert werden. Die Bilder in diesem Bereich konnten vollständig erhalten bleiben, nur ein Teil des Deckenfries, das das ganze Kunstwerk einfasst, musste ersetzt werden.

Bilder wurden 1933 übermalt

Die Hauptaufgabe der Restauratorin wird in den kommenden Wochen wohl darin liegen, die Kassetten und Bilder wieder in den farblichen Ursprungszustand zu versetzen. Der Kirchenmaler Fritz Mannewitz hatte 1933 große Teile der Bilder mit bräunlichen Farben übermalt. „Ursprünglich war der Hintergrund aller Bilder einmal blau“, sagt Antje Pohl. Ein kräftiges Blau, konkretisiert sie. Einige Reste der originalen Farbe könne man bei genauem Hinsehen noch erkennen.

Warum Mannewitz den Himmel gerade mit braunen Farben übermalte, darüber kann die Restauratorin nur spekulieren. Fakt sei aber, dass die Figuren vor dem braunen Grund untergehen und von unten betrachtet schwer zu erkennen sind.

Ein blauer Hintergrund soll nun die zum Teil noch komplett im Original erhaltenen Figuren stärker herausstellen. Nur wenige Figuren zog Fritz Mannewitz mit anderen Farben nach. Die Farbe der 1685 gemalten Bilder sei nur hauchdünn aufgetragen worden. Jede Veränderung sei sofort erkennbar, sagt Pohl.

So nah wie möglich am Original

Auch die Farben der Kassettierung und des Fries wurden im Laufe der Zeit mehrmals verändert.

Bei der Besprechung sollte nun entschieden werden, wie Antje Pohl weiter machen soll. Dass der Hintergrund der Bilder wieder blau werden muss, das stand für die Anwesenden fest. Nur welches Blau? Die Restauratorin hatte im Vorhinein an einigen Stellen ausprobiert, wie verschiedene Farbvarianten wirken könnten. Die waren den Betrachtern allerdings noch zu schwach. Das Blau von 1685 war den Proben zufolge ziemlich kräftig. „Smalteblau“, wie Pohl sagt.

Für Uwe Wagner vom Landesamt für Denkmalpflege stand fest: „Wir müssen so nah wie möglich am Original bleiben.“ Und auch Architekt Sixtus Hermanns hielt es für wichtig, dass keine Neuauflage der Bilder geschaffen wird. „Wir erneuern nicht, wir erhalten.“

Auch die Farbe der Kassettierung war Thema. Die soll die Bilder nicht, wie mit der aktuell grünen Farbe, in den Schatten stellen, sondern betonen. Die ursprüngliche Farbe scheint wohl einmal ins Gräuliche gegangen zu sein, sagt die Restauratorin. Aber wie es früher tatsächlich aussah, kann sie nicht mehr herausfinden.

An einer Stelle der über 300 Jahre alten Holzkonstruktion hat Pohl deshalb mit einem marmorierten Blau-Grau experimentiert. Und das fand sowohl bei Uwe Wagner und Sixtus Hermanns Gefallen als auch beim Vorsitzenden des Gemeindekirchenrates, Ekkehart Fischer.

Kirchendach 2017 instandgesetzt

Er sei froh, dass die Arbeiten in der Petrikirche vorangehen. Die Deckenrestauration sei mit der Dachinstandsetzung einhergegangen, erzählt Fischer. Das Dach wurde 2017 saniert. Etwa sechs Jahre Vorbereitungszeit seien nötig gewesen, um das Projekt in Gang zu bekommen.

115.000 Euro für Dach und Kassettendecke seien veranschlagt, so Architekt Sixtus Hermanns. Neben Eigenmitteln der evangelischen Kirchengemeinde fließen auch Mittel der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (Kiba), der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Marlis-Kressner-Stiftung, der Sparkassenstiftung Mittelthüringen und Mittel des Landesamtes für Denkmalpflege mit in die Finanzierung ein.

Bis die Arbeiten in der Petrikirche abgeschlossen sind, bleibt sie für Gottesdienste gesperrt. Die Gemeinde weicht laut Fischer in den Gemeindesaal und die Bonifatiuskirche aus. Die Arbeiten sollen noch im Laufe dieses Jahres abgeschlossen werden, so Hermanns.

Noch offen ist, wie der Deckenfries am Ende aussehen soll. „Wenn die Bilder und die Kassettierung fertig sind, können wir entscheiden, was am besten dazu passt“, sagt Ekkehart Fischer. Auch da hat Restauratorin Antje Pohl schon einige Ideen. Natürlich immer unter der Prämisse, dass am Ende alles so nah wie möglich am Ursprungszustand gestaltet ist.

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