Akustik-Duo „Fräulein Honig“ überzeugt mit Live-Musik

Sömmerda  Eine gute Stimme, eine Gitarre und viel Leidenschaft. Gemeinsam begeistern Anne und Bea als „Fräulein Honig“ das Thüringer Publikum

Die Band „Fräulein Honig“ bei einer Probe auf der Kirchmauer in Sömmerda.

Die Band „Fräulein Honig“ bei einer Probe auf der Kirchmauer in Sömmerda.

Foto: Peter Hansen

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Mit einem feinen Acoustic Sound und einer hellen Stimmfarbe sorgt die Coverband „Fräulein Honig“ für Gänsehautfeeling. Im Interview mit der TA sprachen Sängerin Anne Schmidt (31) aus Sömmerda und Gitarristin Bea Fischer (29) aus Erfurt über das gemeinsame Bandprojekt, Live-Musik und Salbeitee.

Fräulein Honig, Sie haben Ihre Probe kurzerhand in den Park verlegt. Funktioniert das denn hier im Freien so einfach?

Bea: Ja klar, wir wollten das schöne Wetter nutzen. Meine Gitarre habe ich dabei, Anne die Songtexte. Mehr brauchen wir beim Proben nicht.

Anne: Wir sind eine lockere Band und die Musik unser größtes Hobby. Musik ist unser Ausgleich zur Arbeit. Darum geht es vor allem, um den Spaß mit ihr.

Spielte der Humor auch eine Rolle bei der Suche nach einem passenden Bandnamen?

Anne: Es war durchaus eine lustige Angelegenheit, einen passenden Bandnamen zu finden. Aber da ich von meinen Freunden und Bekannten als „Anne Honig“ bezeichnet werde, haben wir daraus dann einfach „Fräulein Honig“ gemacht.

Nehmen Sie entsprechend die Rolle der Frontfrau ein?

Anne: Nein, wir sind ein Duo. Die eine könnte ohne die andere nicht. Bea spielt schon seit Jahren Gitarre und hat sich das selbst beigebracht. Ich singe einfach leidenschaftlich gerne, aber meine Fähigkeiten am kleinen Piano aus meinen Kindertagen sind noch recht bescheiden. Wir setzen das kleine Keyboard als Gag hin und wieder ein. Ich habe mir aber fest vorgenommen, bald Unterrichtsstunden zu nehmen.

Bea, sind Sie nie versucht, auch selbst mitzusingen?

Bea: Das überlasse ich lieber der Anne. Sie hat einfach die schönere Gesangsstimme.

Anne: Wobei ich immer wieder versuche, Bea doch noch zum Singen zu animieren. (lacht)

Seit wann sind Sie gemeinsam als Band unterwegs?

Bea: Kennengelernt haben wir uns vor 11 Jahren und seither gelegentlich mal zusammen was gespielt. So richtig als Band mit Proben und Auftritten gibt es uns jetzt seit drei Jahren.

Anne: Anfangs hatten wir auch nur wenige Lieder im Repertoire. Inzwischen sind es aber genug, um bei Veranstaltungen aufzutreten. Auch haben wir seit Kurzem eine Band-Webseite und ein gemeinsames Facebook-Profil.

In welches Genre ordnen Sie sich selbst ein? Welche Form der Musik spielen Sie?

Anne: Wir spielen verschiedene Genres. Unsere Setlist reicht von Ed Sheeran über Amy Winehouse bis hin zu Nancy Sinatra und Ray Charles. Wenn wir gebucht werden, können sich die Leute auch individuelle Lieder wünschen. Die versuchen wir dann entsprechend einzustudieren.

Bea: Das ist ja gerade das Besondere von uns. Als Akustik-Coverband brechen wir die großen Hits musikalisch auf zwei Leute runter. Wir wollen die Lieder nicht einfach imitieren, sondern spielen sie in unserer eigenen Art und Weise.

Die genannten Interpreten singen alle auf Englisch. Warum keine deutschen Titel?

Anne: Wir scheitern seit zwei Jahren daran, uns für ein deutsches Lied zu entscheiden. Mit „Pendel“ von Yvonne Catterfeld und „Das Leichteste der Welt“ von Silbermond probieren wir es nun auch auf Deutsch. Beim Publikum scheint das überraschend gut anzukommen. Obwohl wir Angst vor der Reaktion hatten, fiel diese überaus positiv aus und wir erhielten viel Lob.

Bea: Viele Lieder, die uns gefallen, passen auch einfach nicht für uns. Wenn wir beim Proben merken, dass es nicht funktioniert, wollen wir nichts erzwingen.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, eigene Songs zu produzieren?

Anne: Bisher haben wir uns da nicht heran getraut. Wir sind ja noch am Wachsen. Das Ganze ist ein sehr komplexes Thema. Es reicht ja nicht, einfach nur einen Text zu schreiben.

Bea: Das Gute als Coverband ist, dass die Leute unsere Lieder kennen und auch mal mitsingen.

Anne: Wir spielen aber keine Tanzmusik! Zwar ist der Sound mit unserer Loop-Station etwas voller und hört sich nach mehr an, aber wir spielen eher zur Unterhaltung.

Selbst die beste Band hat schon einmal eine Panne erlebt. Haben Sie auch schon negative Erfahrungen auf der Bühne gemacht?

Anne: Oh, das war, glaube ich, bei unserem ersten öffentlichen Auftritt.

Bea: Ja, da hatte ich bei einem Lied vergessen, den Kapodaster auf die Saiten zu setzen. Das ist eine Vorrichtung für die Gitarre, um die Tonhöhe zu verändern.

Anne: Plötzlich spielte Bea in einer anderen Tonart und ich musste viel tiefer singen.

Bea: Ich hatte mich schon gewundert, warum Anne so tief singt. Erst dann ist mir der Patzer aufgefallen. Das war ja alles live, darum haben wir einfach so weitergemacht. (lacht)

Also haben Sie gut aufeinander reagiert?

Bea: Ja, wir sind ganz gut aufeinander eingestimmt. Wenn wir einen Auftritt vermasseln, versuchen wir, das einfach zu überspielen. Dann merken die Leute meist auch nichts. Du kannst ja nicht plötzlich aufhören zu spielen und sagen, dass du noch mal neu anfängst, weil du einen Fehler gemacht hast.

Anne: Das gehört bei Live-Musik dazu. Wir würden nie mit Hintergrundmusik spielen. Das wären einfach nicht wir. Fräulein Honig ist 100 Prozent live.

Mit Auftritten wie bei „Fête de la Musique“ in Erfurt oder „KlangKultur“ in Sömmerda werden Sie regional immer bekannter. Können sie sich vorstellen, die Musik hauptberuflich zu betreiben?

Anne: Jeder, der leidenschaftlich gern Musik macht, träumt insgeheim davon, dies einmal beruflich zu machen. Wenn uns jemand fragen würde, sagen wir sicher nicht nein.

Bea: Aber wir bleiben da auch immer ein Stück weit realistisch.

(lachen beide)

Viel verändern würde sich ja für Sie nicht. Als Kolleginnen in der Bibliothek Sömmerda arbeiten Sie bereits jetzt täglich zusammen. Wird das nicht manchmal zu viel, sich bei der Arbeit und in der Freizeit ständig zu sehen?

Anne: Bisher klappt es super. Wir ergänzen uns einfach perfekt und harmonieren gut miteinander. Während ich eher die Praktikerin bin, denkt Bea theoretisch. Und wir haben den gleichen Humor. Das ist das Wichtigste!

Bea: Wir versuchen auch immer, Arbeit und Freizeit klar voneinander zu trennen. Und mit ein bis zwei Proben in der Woche bleibt genug Zeit für die Familie und andere Freunde.

Kommt es vor, dass sie während der Arbeit eine neue Idee für einen neuen Song haben?

Anne: Ja, darum machen wir das Radio immer aus. Sobald irgendwo Musik läuft, sind wir sonst sofort abgelenkt und entwickeln neue Ideen, wie wir das Lied covern könnten.

Momentan ist „Fräulein Honig“ zu zweit. Haben Sie sich schon einmal überlegt, die Band mit weiteren Musikern zu erweitern?

Bea: Nein. Denn das Interessante ist ja gerade, bekannte Lieder auf das Minimalste zu reduzieren und eine eigene Akustik-Version daraus zu machen. Vor allem bei schnellen Pop-Nummern kommen da überraschende Sachen bei raus.

Anne: Als Duo funktionieren wir einfach super. Wir können uns auch mal die Meinung sagen, ohne dass die Andere beleidigt ist. Zickenkrieg gibt es bei Fräulein Honig nicht. (lacht)

Bea, Ihre Gitarre wirkt sehr klein. Spielen Sie auf einer Kindergitarre?

Bea: (lacht) Das ist die gleiche Gitarre, die auch Ed Sheeran spielt. Die ist total praktisch. Es ist eine Reisegitarre und ich kann sie überall mit hinnehmen. Außerdem bin ich selbst ja auch nicht so groß und daher passt die kleinere Gitarre besser zu mir. Zu Hause habe ich aber auch noch eine normale Gitarre.

Anne, während Bea auf ihr Instrument angewiesen ist, müssen Sie sich auf ihre Stimme verlassen können. Haben Sie einen speziellen Trick, damit das zuverlässig klappt?

Anne: Einen Auftritt mussten wir mal absagen, weil meine Stimme versagt hat. Ansonsten heißt es einfach, sie zu schonen und Tee trinken.

Bea: Sobald ich merke, dass bei Anne der Hals kratzt, schreibe ich ihr mit dem Handy ganz viele Textnachrichten: Salbeitee, Salbeitee! (lacht)

Den gibt es dann hoffentlich passender Weise mit Honig?

Anne: Auf jeden Fall!

Für alle Leser, die jetzt neugierig auf Ihre Musik geworden sind: wann können diese „Fräulein Honig“ live erleben?

Bea: Wir spielen am 25. August beim Konzertabend „KlangKultur“ in Sömmerda. Dort ist immer ein super Ambiente und wir freuen uns über zahlreiche Besucher an diesem Abend

Anne: Geplant ist die Veranstaltung im Innenhof des Dreyse-Hauses. Bei Regen findet der Konzertabend in der Bonifatiuskirche statt. Wir hatten durchaus schon schlechtere Regenvarianten! (lacht)

Informationen zur Band: www.fraeuleinhonig.com

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