Andacht zum Wochenende aus Sömmerda: Einmischen ist erwünscht

Anke Ahlert
| Lesedauer: 3 Minuten
Beim Einkaufen von Kleidung sollte man auch darauf achten, wie die Stücke produziert wurden.

Beim Einkaufen von Kleidung sollte man auch darauf achten, wie die Stücke produziert wurden.

Foto: Uwe Anspach

Anke Ahlert darüber, was soziale Gerechtigkeit mit uns zu tun hat.

Ich habe mal alle meine Klamotten im Kleiderschrank gezählt. Ich besitze etwa 120 Pullis, Hosen, Kleider, Shirts, Röcke und Jacken. Davon sind etwa zehn Kleidungsstücke second hand gekauft. Gerade mal ein Kleidungsstück ist zu hundert Prozent fair produziert. Also so, dass faire Löhne bezahlt werden und Menschen nicht ausgebeutet werden. Der Großteil meiner Kleidung stammt aus sogenannten Billig-Lohn-Ländern und ist unter ganz anderen Bedingungen hergestellt worden.

Ich erkenne: Ich muss in meinem Kleiderschrank was ändern. Aber nicht nur ich muss etwas ändern, sondern auch auf gesamtgesellschaftlicher Ebene muss in dieser Hinsicht was passieren.

Das Thema ist aber gar nicht neu. Es ist so alt, dass schon der Prophet Micha darüber sprach. Micha‘s Worte beschreiben die Situation drastisch, direkt, ohne Umschweife und ohne Beschönigungen. Er sagt: „Sie sind dabei, den Leuten die Haut abzuziehen und das Fleisch von ihren Knochen zu reißen. Sie haben das Fleisch meines Volkes gefressen, die Haut abgezogen und ihre Knochen zerbrochen. Sie haben alles zerhackt wie für den Kessel, wie Fleisch, das in den Kochtopf kommt.“

Es geht hier zwar nicht um meine oder Ihre Kleidungsstücke im Schrank und die Produktion dieser, aber es geht um Ausbeutung und um den Umgang mit dem Leben anderer. An dieser Stelle gibt es für fast alle von uns noch etwas zu lernen.

Der Prophet stellt einen Widerspruch zwischen Sabbat und dem alltäglichen Leben an den anderen Wochentagen fest. Einerseits besuchen sie am Sabbat die Synagoge, beten, leben in Beziehung zu Gott und andererseits behandeln sie die Menschen total schlecht. Das ist sowas von unehrlich, ja sogar heuchlerisch. Micha mischt sich ein. Er kann das nicht so stehen lassen und meldet sich zu Wort. Er nutzt seine Stimme und macht auf diese Ungerechtigkeit aufmerksam. Sklaverei und Ausbeutung existierte nicht nur damals zu Zeiten Michas. Sie existiert auch noch heute trotz diverser Verbote und Gesetze. Tatsächlich leben heute mehr Menschen in Sklaverei als jemals zuvor. 40,3 Millionen Menschen werden weltweit ausgebeutet.

Ich glaube nicht, dass wir von heute auf morgen das System verändern oder jeden Menschen, jede Frau, jedes Kind von jetzt auf gleich aus ihrer Lage befreien können. Aber wir können es wie Micha tun. Wir können uns einmischen, uns zu Wort melden und unsere Stimme in der Gesellschaft nutzen.

Einmischen heißt nicht, dass wir es genauso wie Micha tun müssen. Das ist vielleicht auch nicht jedermanns Sache. Ein erster Schritt könnte sein sich darüber bewusst zu werden, wo die Produkte herstammen könnten, die wir kaufen. Ist der Preis, den wir bezahlen gerecht? Hat jeder am Produkt Beteiligte einen fairen Lohn bekommen?

Ein nächster Schritt könnte sein, dass wir in unserem Umfeld auf das Thema aufmerksam machen. Freunden, Bekannten und der Familie erzählen, dass es Ungerechtigkeit und Sklaverei in dieser Welt gibt.

Der Prophet Micha wies schon auf diese Missstände hin, die wir auch heute noch in unserer Gesellschaft haben. Soziale Gerechtigkeit geht uns alle was an. Daher mache ich uns Mut, dass wir uns einmischen und unsere Stimme nutzen.

Anke Ahlert ist Gemeinschaftspastorin in der Landeskirchlichen Gemeinschaft Erfurt