Besondere Wegbegleiter

Die Andacht zum Wochenende heute von Christiane Bertling-Beck, Schulpfarrerin und Klinikseelsorgerin in Sömmerda.

Christiane Bertling-Beck, Schulpfarrerin und Klinikseelsorgerin in Sömmerda.

Christiane Bertling-Beck, Schulpfarrerin und Klinikseelsorgerin in Sömmerda.

Foto: Alien Schneider

Da ist der Schutzengel mitgeflogen!“, sagte der Sanitäter und meinte damit: Die verunfallte Radfahrerin hatte großes Glück, dass ihr außer einigen Prellungen nichts Schlimmeres passierte.

„Meine Tochter ist mein Engel, wenn ich die nicht hätte, dann wüsste ich nicht, wie ich das alles schaffen könnte!“, äußert eine Patientin sehr bewegt.

„Komm, sei ein Engel und räum´ das zusammen!“, ermuntert die Erzieherin einen Schüler zur Ordnung.

In allen drei Fällen ist von Engeln die Rede, aber in sehr unterschiedlicher Weise.

Engel boomen. Man findet sie in Verkaufsregalen, auf Postkarten, in Krankenzimmern, an Gräbern. Engelbücher oder Engelseminare haben zahlreiche Kundschaft.

Meiner Meinung nach ist das alles noch etwas anderes als nur kommerzialisierter frommer Kitsch, wie auch die Rede vom Schutzengel mehr ist als nur eine dahingesagte Floskel. Ich erkenne darin vielmehr Hoffnung auf wohlwollende Wegbegleitung, Verbundenheit, Hilfe, Schutz. Sehnsucht danach, dass das Leben in Ordnung kommt.

Engel sind, wörtlich übersetzt, Boten Gottes. Sie treten in der Bibel als Warner oder Weggefährten auf. Manchmal bleiben sie unerkannt. In der Weihnachtsgeschichte verkünden sie mitten in der Nacht eine gute Nachricht: „Fürchtet euch nicht!“ und „Ehre sei Gott und allen Menschen Frieden.“

Flügel gehören nicht unbedingt zur Grundausstattung von Engeln. Sie können ganz irdisch-menschliche Wesen sein. So dichtete Rudolf Otto Wiemer: „Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel. Sie gehen leise, sie müssen nicht schrei´n, oft sind sie alt, hässlich und klein. Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand, oder er wohnt neben dir, Wand an Wand, der Engel. Dem Hungernden hat er das Brot gebracht, dem Kranken hat er das Bett gemacht, und er hört, wenn du ihn rufst, in der Nacht, der Engel“.

Sicher kennen Sie solche engelhaften Menschen, von denen man manchmal meint, sie seien „zu gut für diese Welt“. Doch sie helfen, unsere Welt als einen guten, bewohnbaren Lebensort zu erhalten. Der barocke Taufengel in der Ostramondraer Schlosskirche St. Marien ist wohl auch Ausdruck der Sehnsucht nach freundlichen Lebensumständen in dieser Welt.

Es sind immer besondere Momente, in denen er zum Einsatz gelangt: Eltern freuen sich über das neue Leben, das mit ihrem Kind in die Welt gekommen ist, und sie danken Gott dafür. Sie möchten, dass ihr Kind gesegnet wird. In der Taufe vertrauen sie es Jesus Christus an und beauftragen Paten als Wegbegleiter. Sie wünschen sich, dass dies Kind alle mögliche himmlische und irdische Unterstützung erhält, weil sie oft nur zu gut um den Ernst des Lebens wissen.

Das freundliche Lächeln des Engels steht für den Beistand und die Liebe Gottes. Es erinnert darüber hinaus daran, dass es Menschen stärkt, wenn sie freundlich angeschaut und ebenso ehrlich wie wohlwollend beurteilt werden.

Erwachsene Taufanwärter können womöglich auch mit dem Lorbeerkranz in der Hand des Engels etwas anfangen. Sie haben sich in der Regel gründlich auf ihre Taufe vorbereitet.

Oftmals sind persönliche Erfahrungen ausschlaggebend dafür, dass sie getauft werden möchten. Schicksalsschläge und Zweifel sind ihnen nicht fremd. Sie wollen ihren weiteren Weg in der Gemeinschaft mit anderen Christen an Jesus ausrichten. Der Siegeskranz aus Lorbeerblättern ist ein Zeichen für die Überwindung von Bosheit, Angst und Tod.

Solcher Glaube ist kein Automatismus oder Besitz. Er lebt davon, dass ich täglich aufs Neue Gott vertraue und mich auch selbst zu Engelsdiensten überwinde. Dadurch kann ich manches wieder in Ordnung bringen – sogar mich selbst.

Engel erinnern daran, dass alle Menschen „auf dem Wege“ sind: Es steht noch etwas aus. Also sei nicht zu schnell zufrieden, werde nicht selbstgefällig. Und, um Himmels willen, resigniere nicht! Da geht noch was in dieser Welt und in deinem Leben.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute neue Woche.