Buttstädter Tafel nimmt eigenes Kühlauto in Betrieb

Buttstädt  Der Verein Netzwerk Regenbogen will sein Hilfsangebot ausbauen. Eine mobile Tafel soll künftig die Dörfer der Landgemeinde ansteuern

Kathrin Ritter (links ) ist die Fahrerin des nagelneuen Kühltransporters. Täglich transportiert sie damit frische Lebensmittel zu Tafelausgabe in Buttstädt. Mit im Bild sind die fleißigen Mitarbeiter Sandro Kramer, Ralf Wollweber, Uwe Röppenack, Uwe Bergmann und Nicole Metze (von links).

Kathrin Ritter (links ) ist die Fahrerin des nagelneuen Kühltransporters. Täglich transportiert sie damit frische Lebensmittel zu Tafelausgabe in Buttstädt. Mit im Bild sind die fleißigen Mitarbeiter Sandro Kramer, Ralf Wollweber, Uwe Röppenack, Uwe Bergmann und Nicole Metze (von links).

Foto: Jens König

Die Freude bei Kathrin Ritter ist groß. Um Lebensmittel bei Discountern, Einkaufsmärkten oder beim Bäcker für die Buttstädter Tafel abzuholen, nutzte sie bislang ein vom Autohaus Hahnel zur Verfügung gestelltes Fahrzeug oder griff auf ihr eigenes Auto zurück. Das ist nun Geschichte.

Gelungen ist es dem Verein, Netzwerk Regenbogen, der seit fast einem Jahr eine Ausgabestelle in Buttstädt unterhält, ein eigenes Kühlfahrzeug zu beschaffen. „Eine Zeit lang haben wir versucht, Kühlboxen einzusetzen. Eine dauerhafte Lösung war das nicht“, sagt Karsten Thiersch, stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Der habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Fördermittel zu beschaffen.

Die Anstrengungen zahlten sich aus. Über die Lidl-Pfand-Spende bekam der Verein einen Zuschuss von 10.000 Euro bewilligt. Aus dem Lottomitteltopf gab es weitere 18.500 Euro. Heike Werner (Linke), Thüringer Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, ließ es sich gestern nicht nehmen, das neue Auto und die Ausgabestelle in Buttstädt zu besichtigen. Deutlich machte sie, dass die Tafeln ihr besonders am Herz liegen. Deshalb sei die Summe der Lottomittel größer als üblich. Eigentlich seien die Finanzspritzen gedacht, um kleine Initiativen anzuschieben. Eine Ausnahme mache die Ministerin bei der Unterstützung von Tafeln, dem Bau von Spielplätzen und der Mobilität von Menschen mit Handycap. Dass es in einem reichen Land wie Deutschland überhaupt Tafeln geben müsse, sei für sie ein „Armutszeugnis“. Zu geringe Renten und zu gering angesetzte Harzt-IV-Sätze führte sie als Ursachen dafür an. Dass die Tafeln überflüssig werden, war ein Wunsch, den Joachim Stopp, Vorsitzender der Liga der Freien Wohlfahrtspflege, zur Fahrzeugübergabe äußerte.

Auch wenn mit dem neuen Kühlfahrzeug eine Sorge verschwunden sei, drücke auch weiterhin der Schuh. Die Unterhaltung des Autos sei sehr teuer. Allein die Versicherung schlage mit 1400 Euro pro Jahr zu Buche. „Das ist ein Batzen Geld“, so Thiersch, der nun Ausschau nach Sponsoren hält. Im Gegenzug biete der Verein fünf Werbeflächen auf dem Kühlfahrzeug.

Aktuell nehmen 51 Haushalte und damit 116 Personen aus Buttstädt und Umgebung das Lebensmittelangebot in Anspruch. Der Bedarf ist da und steigt. Zum Vergleich: Im April dieses Jahres waren es noch 35 Haushalte und 87 Personen, die von der Tafel versorgt wurden.

Obwohl der Verein mit der Ausgabestelle direkt in Buttstädts Stadtzentrum liegt und mit dem neuen Fahrzeug gut aufgestellt ist, wolle sich der Verein nicht ausruhen. Wie Vereinsvorsitzende Carmen Werner informierte, geht es im nächsten Schritt darum, eine mobile Tafel auf die Beine zu stellen. „Wir wollen einfach auch die Menschen erreichen, die auf den Dörfern leben und nicht zu uns kommen können“, erklärte sie das Anliegen. Um geeignete Räume zu finden, hat sie bereits Gespräche mit der Kirche sowie mit Hendrik Blose (CDU), dem Bürgermeister der Landgemeinde geführt. Letzterer kündigte gestern seine weitere Unterstützung an. Er hatte sich bereits, als der frühere Träger der Buttstädter Tafel die Ausgabestelle 2017 schloss, für die Wiederaufnahme des Hilfsangebotes einsetzt. Die Unterbringung des Vereins im Bürgerhaus der Stadt, beschrieb er als gute Lösung. „Sie haben von Anfang an Leben ins Haus gebracht.“

Zum Team gehören aktuell 15 Mitarbeiter. Vier davon sind ehrenamtliche Helfer. „Die anderen wurden über die Agentur für Arbeit vermittel“, berichtet Teamleiter Uwe Bergmann.

Dreimal in der Woche ist auch Yvonne Pächnatz-Ehrhardt im Buttstädter Bürgerhaus anzutreffen. Der ASB Kreisverband Sömmerda bietet im Rahmen des ThINKA-Projektes (Thüringer Initiative für Integration, Nachhaltigkeit, Kooperation und Aktivierung) Beratungen an. Wie sie gestern berichtete, sind gemeinsame Frühstücksrunden geplant, um Bedürftigen die Hemmschwelle zu nehmen.

Angemerkt

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.