Ein großes Herz – nicht nur für die Bibliothek

Ilona Stark
| Lesedauer: 2 Minuten
Roswitha Leischner im Wintergarten der Stadt- und Kreisbibliothek im Dreyse-Haus.

Roswitha Leischner im Wintergarten der Stadt- und Kreisbibliothek im Dreyse-Haus.

Foto: Anne Schmidt

Sömmerda.  Roswitha Leischner liebte Bücher, die Natur und vor allem Menschen.

Das Team der Stadt- und Kreisbibliothek hat am Ausgabetresen im Dreyse-Haus ein Foto von Roswitha Leischner aufgestellt. Dazu eine Karte mit ihrem Lieblingsspruch „Hast du eine Bibliothek & einen Garten, dann hast du alles, was du brauchst“ (nach Cicero). Sie erinnern an die langjährige Leiterin der Bibliothek, die am 15. April nach schwerer Krankheit starb. Seither gehen im Dreyse-Haus viele Beileidsbekundungen an die Familie ein.

Fast 45 Jahre lang leitete Roswitha Leischner die Stadt- und Kreisbibliothek, bis sie 2015 in die Rente verabschiedet wurde. Roswitha Leischner hat maßgeblichen Anteil am heutigen Erscheinungsbild der Bibliothek und an ihrem guten Ruf weit über die Grenzen der Stadt Sömmerda hinaus. Ihr Engagement hat in ihrem Ruhestand nicht nachgelassen, sie saß bei Lesewettbewerben in der Jury, betreute die Schulbibliothek im Haupthaus des Sömmerdaer Gymnasiums, war stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins der Bibliothek.

2017 erhielt Roswitha Leischner die Thüringer Ehrenamtscard, weil sie neben ihrem Engagement fürs Lesen und für die Bibo auch Flüchtlinge unterstützte. Beim Arbeiter-Samariter-Bund und im Weltladen Locodemu war sie aktiv, in der Kleiderkammer in Kölleda, bei Deutschkursen mit Frauen. Sie tat dies mit großer Energie, wenn nötig mit großer Beharrlichkeit und immer mit großem Herzen. Nie schaute sie auf die Zeit, wenn sie Flüchtlinge zum Arzt, zum Gericht oder zu Behörden begleitete.

Roswitha Leischner gehörte zu den Menschen, die die Welt ein bisschen besser machen. Sie brachte sich ein, wo es nötig war, ohne an sich selbst zu denken. Ihr Engagement wurde 2018 mit der Verleihung der Thüringer Rose und 2019 mit dem Bürgerpreis der Sparkassenstiftung Sömmerda gewürdigt.

In der Stadt- und Kreisbibliothek ist mit dem Tod der 70-Jährigen „ein großes Stück Bibliotheksherz weggebrochen“, sagt Leiterin Anne Schmidt. Sie ist dankbar, dass Roswitha Leischner sie seit der Ausbildung auf dem beruflichen Weg begleitet und gefördert hat.

Ohne sie wäre auch der Förderverein im November 2011 nicht gegründet worden, ist sich die Vorsitzende Helga Schwittay sicher. Beharrlich habe Roswitha Leischner darauf hingewirkt, habe ihr Netzwerk genutzt, war Ideengeberin für die Lesenacht oder den Bücherflohmarkt. Immer positiv denkend, liebenswürdig, hilfsbereit, zuverlässig, aufgeschlossen für Neues. Eine starke, tatkräftige Frau. Neben dem Lesen liebte Roswitha Leischner die Natur, war oft mit Walkingstöcken unterwegs. Ihre letzte Ruhe wird sie in einem Friedwald finden.