„Ein Supermarkt ist keine Begegnungsstätte“: Neue Einkaufsregeln in Sömmerda

Landkreis.  In Einkaufsmärkten werden vielerorts Maßnahmen zum Schutz der Kunden und Mitarbeiter ergriffen.

Florian Hinz, Rewe-Marktleiter in Kölleda, versucht, sich seine Mitarbeiter und die Kunden auf verschiedene Weise vor Ansteckung zu schützen. 

Florian Hinz, Rewe-Marktleiter in Kölleda, versucht, sich seine Mitarbeiter und die Kunden auf verschiedene Weise vor Ansteckung zu schützen. 

Foto: Jens König

Neben dem medizinischen Pflegepersonal stehen während der aktuellen Corona-Krise vor allem die Einzelhändler unter massivem Druck. Denn auch die Mitarbeiter von Rewe, Edeka und Co. müssen derzeit Kräfte aktivieren, von denen sie vermutlich selber nicht wussten, dass sie sie haben. Alle aktuellen Infos im kostenlosen Corona-Liveblog

Hamsterkäufer und auch jene Menschen, die ihre Lebensmittelvorräte in normalen Mengen auffüllen, sorgen für ständig leere Regale. Die müssen wieder bestückt, neue Lebensmittel bestellt, Anlieferungen verteilt werden. Und das alles unter erschwerten Bedingungen, denn auch der Einzelhandel muss sich vor der Ausbreitung des Virus schützen.

Florian Hinz, Leiter des Rewe-Marktes in Kölleda, hat in seinem Laden noch keine Hamsterkäufe in dem Maß erlebt, wie die Medien immer wieder berichten, sagt er. Trotzdem stehen seine Kunden oft vor leeren Regalen, wenn es zum Beispiel um Klopapier, Knäckebrot, Nudeln oder Reis geht.

„Die Leute gehen hier nicht mit zehn Packungen Klopapier raus“, sagt Florian Hinz. Doch natürlich falle auf, dass mehr gekauft wird. Eine Palette Mehl, so berichtet der Marktleiter, reicht normalerweise für etwa drei Wochen. Derzeit allerdings ist sie nach einem Tag leer geräumt.

Mitarbeiter kommen mitRegalauffüllen kaum nach

So schnell es eben geht, werde auch wieder aufgefüllt, so Hinz. Jedoch sind die Regalflächen nicht auf einen solchen Kundenansturm ausgelegt. Und bis neue Ware nachgeliefert wird, dauert es etwa zwei Tage. „Nicht die Warenversorgung ist das Problem, sondern die Vernunft der Kunden“, sagt der Marktleiter. Das betreffe die Menge an Einkäufen, aber auch den Marktbesuch an sich.

„Wir müssen davon wegkommen, dass Einkaufen zur Freizeitgestaltung beiträgt, der Supermarkt eine Begegnungsstätte ist. Nur so können wir uns effektiv schützen“, sagt Hinz. Auch das Wohlstandsdenken werde im Moment nur eingeschränkt befriedigt. Im Moment stehen eben nicht täglich Nudeln von fünf verschiedenen Herstellern zur Verfügung.

Um seine Mitarbeiter und Kunden auf größtmöglichen Abstand zu halten, hat Florian Hinz verschiedene Maßnahmen ergriffen. Hinweisschilder wurden an Kühlschränken, Regalen und Tiefkühltruhen angebracht, mit der Bitte um eineinhalb Meter Abstand. An den Kassen zeigen auf den Boden geklebte Linien den Kunden, wo sie sich hinstellen dürfen, um andere nicht in Bedrängnis zu bringen. Alle Mitarbeiter tragen Einmalhandschuhe und haben Desinfektionsmittel in Griffweite.

Der Rewe-Markt in Gebesee hat ähnliche Schutzmaßnahmen vorgenommen. Demnächst sollen außerdem an jeder Kasse Spuckschutzwände aus Plexiglas angebracht werden, berichtet der stellvertretende Marktleiter Benjamin Krause.

Der Sonntag bleibt den Mitarbeiternund ihren Familien vorbehalten

Mittlerweile kommen die Kunden von überall her, um zu sehen, ob Klopapier oder Seife in Gebesee noch verfügbar ist, berichtet Krause. Doch seit etwa zwei Wochen sind die gängigen Hamster-Produkte Mangelware. Mit jeder Lieferung komme „ein bisschen was von allem mit“, aber auch das sei innerhalb weniger Stunden vergriffen.

Das berichtet auch Lars Becker. Er führt den Edeka-Markt in der Sömmerdaer Innenstadt. Um den Mindestabstand im Laden gewährleisten zu können, reguliert er seit vergangener Woche den Kundenansturm höchst persönlich. Vor allem zu den Stoßzeiten lässt Lars Becker nur eine begrenzte Zahl von Kunden in den Markt. Sein Eindruck der letzten Tage: Die Leute sind vernünftiger geworden, zeigen Verständnis für entsprechende Maßnahmen und halten sich an die Vorgaben.

In einem sind sich die Befragten einig: Ohne ihre Mitarbeiter würde derzeit nichts laufen. Um sie zu entlasten, schafft zum Beispiel Florian Hinz „nicht überlebenswichtige“ Angebote wie die Salatbar vorläufig ab. – Und obwohl es seit etwa zwei Wochen erlaubt ist und wahrscheinlich noch mehr Umsatz bringen würde: Auch am Sonntag zu öffnen kommt für keinen der Einzelhändler in Frage. „Der Sonntag gehört unseren Mitarbeitern und ihren Familien“, sagt Lars Becker.