Eintauchen in die lokale Geschichte

Sömmerda.  Im Historisch-technischen Museum Sömmerda nimmt die neue Sonderschau zu Mobilität in der DDR immer mehr Gestalt an

Teil der neuen Sonderschau im Historisch-technischen Museum Sömmerda sind lokale Biografien.  Siegfried Schirmer ist der Erste, dessen Bild samt Lebensdaten zu sehen ist.

Teil der neuen Sonderschau im Historisch-technischen Museum Sömmerda sind lokale Biografien.  Siegfried Schirmer ist der Erste, dessen Bild samt Lebensdaten zu sehen ist.

Foto: Kathleen Kröger

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„Eigentlich gibt es die Ausstellung noch gar nicht, aber die Bürger sind trotzdem schon zufrieden damit“, lacht Barbara Speiser. Damit spricht die Kuratorin des Dreyse-Hauses das aktuelle Wachstum der neuen Schau zur „Mobilität in der frühen DDR“ an, was seit ungefähr vier Wochen auch in den Räumen der Dauerausstellung zu sehen ist.

Zwischen den Gewehren und sonstigen Stücken der Dauerausstellung häufen sich nun in kleinen Schritten schon einige Exponate rund um den Mopedbau des Gebiets an.

So haben sich zu den Blechkunstwerken aus Mopedteilen des Floristenmeisters Christopher Ernst auch einige Modelle der „Simson“ gesellt, die den Museumsbesucher vom 18. und 19. Jahrhundert in die Zeitgeschichte führen.

Dem Aufruf an die Stadtbürger, ihre Geschichten zum Thema Moped und Mobilität in der frühen DDR mit dem Museum zu teilen, sind bisher acht Menschen gefolgt, sagt Barbara Speiser.

In kleinteiliger Arbeit möchte sie nun deren Biografien in Stammblätter übertragen und auf einer Tafel sichtbar machen. Inspiriert zu dieser Visualisierung wurde die Kuratorin bei ihrem Besuch in Paris: „Im Louvre habe ich so etwas an einer Säule gesehen. Da hat jeder Inhalt eine eigene Rahmung bekommen und stand so einerseits im Gesamtkontext, aber andererseits auch für sich selbst. Das gefiel mir gleich so gut, dass ich das hier auch umsetzen wollte.“

Nach diesem Vorbild ist nun im Kleineren ein Raster aus 12 Einzelrahmen entstanden, welches nun nach und nach mit lokalen Biografien mit Bezug zur Mobilitätsgeschichte befüllt wird.

Siegfried Schirmer ist der Erste, dessen Bild samt Lebensdaten zu sehen ist. Der 84-Jährige war erst Dreher und später Einrichter im VEB Rheinmetall und arbeitete in der Mopedabteilung. Selbst fuhr er im Laufe der Jahre eine SR 2, eine Awo und später eine SR 50, die er auch für seinen täglichen Weg zur Arbeit nutzte. Die kleinteilige Erschließungsarbeit stößt natürlich auch immer wieder an Grenzen, wenn es beispielweise um die Recherche von Bild- und Persönlichkeitsrechten geht.

Angetrieben wird die Kuratorin vor allem durch den Kontakt mit den Menschen: „Die Bürger sind wie die Schmiere im Getriebe des Museums. Ohne sie geht es nicht. Es macht mir Spaß, viele verschiedene Menschen kennenzulernen und dabei das Bild eines bestimmten Teils der lokalen Geschichte entstehen zu lassen. Ich merke auch immer wieder aufs Neue, dass es auch den Leuten, die hierherkommen, ein Bedürfnis ist, auch Anerkennung für ihre Arbeit zu bekommen. Man ist ja auch stolz, wenn man jahrelang viel geleistet hat.“

Mit dem Brückenschlag zur gesellschaftlichen Anerkennung der Lebensleistung ehemaliger DDR-Bürger bekommt das Ausstellungsthema auch einen aktuellen Anklang, der zu neuen Diskussionen anregen soll: „Das eint die Menschen. Das sind gelebte Biografien, die zwar eingeengt, aber authentisch gelebt wurden und viele Gemeinsamkeiten haben.“

Das große Ziel ist es, dass die Bürger so nicht nur ihre Verbundenheit miteinander, sondern auch zum Museum entdecken sollen. Für die Historikerin gibt da der bemessene Platz an der Pinnwand keinerlei Grenze vor: „Wir sind kreativ. Wenn die Rahmen einmal voll sind, drehen wir die Wand einfach um und nutzen die Rückseite.“

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