Ella Hartung ist Thüringens beste Fotografen-Gesellin

Schloßvippach.  Was hat ein Sandkasten mit handwerklicher Exzellenz zu tun? Möglicherweise mehr als gedacht.

Ella Hartung, Thüringens beste Fotografen-Gesellin und Bundes-Vizin mit einigen ihrer ausgezeichneten Arbeiten.

Ella Hartung, Thüringens beste Fotografen-Gesellin und Bundes-Vizin mit einigen ihrer ausgezeichneten Arbeiten.

Foto: Ella Hartung

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Sandkastenbuddelei macht kreativ. Oder dieser eine Spielsand war ein besonderer. Jedenfalls, so sagt es Ella Hartung, hat sie mit Paul Süpke schon gemeinsam im Sandkasten gespielt.

Heute ist Süpke bester Thüringer Bäckergeselle und hat es auf zur Deutschen Meisterschaft der Bäckerjugend auf Rang zwei geschafft. Sein dortiges Schaustück, die Eigenkreation eines Pokemon-Kuchens in Umsetzung des Mottos „Welt der Comics“, landete beim Online-Voting sogar ganz vorn (unsere Zeitung berichtete).

Als Azubi mit den Profis gemessen

Seine Sandkasten-Bekannte Ella Hartung ist sein Pendant – nur halt eben in einem anderen, in ihrem Gewerk. Die junge Frau, in Schloßvippach aufgewachsen, ist des Freistaats beste Fotografen-Gesellin und hat im November im praktischen Leistungswettbewerb für Auszubildende im Fotografenhandwerk auf Bundesebene, ausgerichtet vom Centralverband Deutscher Berufsfotografen, Rang 3 belegt.

Das hat sie erfahren, das steht so auch auf der Homepage des Centralverbands. „Aber die Urkunde fehlt mir noch“, sagt sie. Sie kommt bestimmt noch...

Zur Bewertung eingereicht wurde beim Bundeswettbewerb jeweils von den Landessiegern das Gesellenstück. Ella Hartung, für die Handwerkskammer Erfurt und ihren Ausbildungsbetrieb Katrein Brenner (Schöps, ehemals Blankenhain) am Start, gab ihre Mappe mit Arbeiten zu den Themen Bioladen, Ledertasche und – als freies Thema – Ballett ab.

Es siegte Hanna Börm (Hamburg) vor Mona Krüger (Flensburg).

Noch als Auszubildende hatte Ella Hartung zuvor auch bereits bei einem renommierten Profi-Wettbewerb überzeugt. Beim Jahreswettbewerb des Bundes professioneller Portrait-Fotografen nahm sie in ihrem ersten Lehrjahr teil, brachte es im zweiten auf zwei Nominierungen und um dritten gewann sie in der Kategorie Newcomer mit ihrem „Großvater“, einem vor Lebensfreude nur so sprühenden Seniorenporträt, den Silver Award.

Hang zur Fotografie besteht von Kindesbeinen an

Wie kam die junge Frau aber zur Fotografie? „Ich hatte von Kindheit an immer eine kleine Kamera zum Spielen“, sagt sie. Allerdings war das so früh in ihrem Leben, dass sie sich weniger daran erinnert, als dass es ihr erzählt wurde. Was sie aber genau weiß: „Zur Jugendweihe habe ich dann meine erste gute Kamera bekommen, keine ganz teure, aber doch eine Spiegelreflexkamera. So eine, wie sie heute fast jeder hat eben.“ Doch schon mit dieser hat sie sich angefreundet und sich ausprobiert. Dass sie ihr Hobby zum Beruf machen wollte, hatte sie da schon im Hinterkopf. „Ich wollte über Fotografie alles wissen, alles lernen, alles können“, sagt sie. Nach dem Abitur am Sömmerdaer Albert-Schweitzer-Gymnasium hat sie sich deshalb für eine Fotografenlehre und (noch) nicht für ein Studium entschieden.

Ihr kleiner Ausbildungsbetrieb – neben ihr gab es da nur noch die ebenfalls mehrfach preisgekrönte Chefin Katrein Brenner – ließ ihr viel freie Hand. „Ab dem ersten Lehrjahr war ich schon allein auf Veranstaltungen, bei Hochzeiten als die Fotografin dabei“, erinnert sie sich. Künstlerische Porträts haben es ihr dabei von Anfang an angetan. „Passbilder eher nicht so“, lacht sie.

Von Kunst und Broterwerb

Im Juli ist Ella Hartung mit ihrer Lehre fertig geworden. Noch ist sie unentschlossen, wie sie ihr Leben weiter gestalten möchte. Der normale Studioalltag bietet nun einmal vor allem das: Alltag. Sie würde gern kreativ und innovativ weiterarbeiten. Vielleicht also doch studieren? Wenn, dann möglicherweise Kommunikationsdesign. Oder doch lieber Fotografie?

Erst einmal hat sie sich zur Überbrückung entschlossen, etwas Geld zu verdienen. Regelmäßiges Geld. Fotografie ist bestimmt keine brotlose Kunst. Aber im Moment verkauft sie doch erst einmal lieber Brot als ihre Fotokunst zum Broterwerb zu machen. Sie wohnt inzwischen in Weimar und arbeitet dort in einer Bäcker-Filiale.

Der Name des Bäckers? Süpke.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren