Ergebnis der Pisa-Studie beschäftigt Schulen im Landkreis

Landkreis.  Soziales Umfeld, volle Klassen, geringere Anforderungen: Gründe für gesunkene Leistungen von Schülern sind vielfältig.

Die Leistungen deutscher Schüler sind bei der neuesten Pisa-Studie gesunken. Im Landkreis ist man unterschiedlicher Auffassung, woran das liegen könnte.

Die Leistungen deutscher Schüler sind bei der neuesten Pisa-Studie gesunken. Im Landkreis ist man unterschiedlicher Auffassung, woran das liegen könnte.

Foto: Felix Kästle / dpa

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Deutschlands Schüler haben sich laut des aktuellen internationalen Schüler-Vergleichstests Pisa bei ihren Leistungen in Mathe, Deutsch und in den Naturwissenschaften verschlechtert. Bereits bei der Erhebung vor vier Jahren schnitten deutsche Schüler im Vergleich zur Studie 2009 schlechter ab. Warum die Ergebnisse immer schlechter werden und was den Kindern und Jugendlichen auf die Sprünge helfen könnte, darüber machen sich auch Lehrer im Landkreis Sömmerda Gedanken.

„Ich brauche keine Studie, um festzustellen, dass das Lernniveau bei unseren Schülern sinkt“, meint Thomas Schmidt, Schulleiter der Professor-Gräfe-Regelschule in Buttstädt. Das sei ein gesamtgesellschaftliches Problem. „Schüler werden heutzutage nicht mehr dazu angehalten, Ehrgeiz an den Tag zu legen“, sagt der 59-Jährige. Sie seien außerdem schwieriger zu händeln, was in vielen Fällen an mangelnder Erziehung liege.

Große, vermischte Klassen machen das Lernen zusätzlich schwer. In der Buttstädter Regelschule gebe es Klassen mit bis zu 27 Schülern, darunter Haupt- und Regelschüler, Sitzenbleiber, Kinder mit Lernbehinderung oder geistigen Einschränkungen. „In solch heterogenen Gruppen leidet das Leistungsniveau der ganzen Klasse“, meint der Schulleiter.

Weniger Stunden für wichtige Fächer

Die Klassen müssten geteilt werden, um die Leistungen der Schüler wieder steigern zu können. Aber dazu fehle – wie überall – das Personal.

Schulleiter Michael Vogel von der Salzmann-Regelschule in Sömmerda sieht das Problem des sinkenden Leistungsniveaus darin begründet, dass die Anforderungen an die Schüler runtergeschraubt wurden.

Für wichtige Fächer wie Mathe, Deutsch oder Naturwissenschaften seien im Lehrplan weniger Stunden als früher angesetzt. „Das heißt, wir können die Themen nicht mehr in vollem Umfang und in der nötigen Intensität behandeln“, sagt Vogel.

Der 59-Jährige ist seit etwa 30 Jahren Schulleiter. Heutzutage hätten Jugendliche ein viel breiteres Angebot an Beschäftigungsmöglichen – sowohl in der Schule als auch zu Hause. „Die Schüler an sich haben sich nicht wirklich verändert“, meint der Schulleiter. „Die meisten wollen immer noch gute Noten und freuen sich wenn eine Klassenarbeit gut ausgefallen ist.“

Stärker auf Unterrichtsentwicklung konzentrieren

Den Rummel um die Pisa-Studie findet Michael Vogel übertrieben. Einen Test, den nur 5500 Schüler geschrieben haben, finde er „etwas dünn“, um darin die Leistung aller Schüler widerzuspiegeln.

Für Ralph Leipold, Leiter des Schulamtes Mittelthüringen, ist das Ergebnis der neuen Pisa-Studie ein Signal dafür, sich wieder stärker auf die Unterrichtsentwicklung zu konzentrieren. „In der vergangenen Zeit lag unser Fokus vor allem auf der Bereinigung des Personalnotstandes in unseren Schulen.“ Das müsse auch weiter verfolgt werden, dabei dürfe aber die Gestaltung des Unterrichts nicht zu kurz kommen.

In den kommenden Jahren gebe es einen fast vollständigen, altersbedingten Wechsel des Lehrkörpers im gesamten Schulamtsbereich Mittelthüringen. „Die Befunde der Pisa-Studie zeigen uns, dass wir mehr in die neue Lehrergeneration investieren müssen“, so Leipold. Die Ausbildung der neuen Lehrkräfte sei nach dem Studium und dem Referendariat eben noch nicht beendet.

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