Erntezeit für das „grüne Gold“ in Weißensee

Weißensee.  Die Weißenseer Agrargenossenschaft hat mit der Hopfenernte begonnen. Große Hoffnung auf guten Ertrag.

Stefan Heßler, Aufsichtsratsvorsitzender der Agrargenossenschaft Weißensee zeigt die gepflückten Hopfendolden.

Stefan Heßler, Aufsichtsratsvorsitzender der Agrargenossenschaft Weißensee zeigt die gepflückten Hopfendolden.

Foto: Jens König

Mit dem Start der Hopfenernte sind die nächsten Wochenenden für Bert Christmann, dem Hopfenmeister der Agrargenossenschaft Weißensee, tabu. Der Grund sind die sensiblen Dolden. „Die Zeitspanne zwischen Reife und Welken ist kurz. Auch Nachtfrost dürfen sie nicht abbekommen“, erklärt er. Eifrig sind deshalb auch zwölf polnische Erntehelfer dabei, die Pflanzen von der Anlage in Weißensee zu holen.

In Weißensee fiel Anfang der Woche der Startschuss für die Hopfenernte. In Gangloffsömmern unterhält der Betrieb eine zweite Anlage. Insgesamt baut die Agrargenossenschaft Weißensee Hopfen auf einer Fläche von 40 Hektar an. Zwischen dreieinhalb und vier Wochen sind nötig, um beide Anlagen komplett abzuernten.

Angebaut hat das Unternehmen sowohl Bitter- als auch und Aromahopfen. Hallertauer Magnum ist dabei die Hauptsorte. Eine weitere Bitterhopfensorte ist Herkules. Perle und Mandarina Bavaria sind die Aromahopfensorten. Letzterer wurde aufgrund der steigenden Beliebtheit von Bieren mit einem fruchtigerem Bouquet entwickelt, berichtet er.

Den richtigen Zeitpunkt für die Ernte hat Bert Christmann längst im Gefühl. Seit 33 Jahren ist er als Hopfenmeister tätig. Eine Dolde, die er vom Strang gepflückt hat, gibt ihm Recht. Sie knackt beim Aufbiegen. Ein Zeichen, das der Hopfen reif ist. Deutlich zu sehen, ist das goldgelbe Lupulin, das die Bitter- und Aromastoffe enthält, die den Geschmack des Bieres ausmachen. Noch gedulden muss sich Christmann auf den Wert des Alphasäuregehaltes. Er gibt den Anteil der Bitterstoffe an und macht das wirtschaftlich entscheidende Merkmal des Hopfens aus. Er rechnet Ende September mit den Werten. Fest steht für ihn jedoch schon jetzt, dass die Qualität besser sein muss, als im Vorjahr. Auch der Hopfen hatte 2019 mit der Dürre zu kämpfen.

Was jetzt geerntet wird, ist das Ergebnis harter Arbeit. Noch bevor der Hopfen im Frühjahr treibt, werden mittels Hebebühne die Steigdrähte per Hand an der gut acht Meter hohen Überspannung der Flächen befestigt und im Boden eingespießt. Ebenfalls in Handarbeit leiten die Mitarbeiter später jeweils zwei bis drei starke Triebe an den Draht an und entfernen die überzähligen. Dann wird die Erde angepflügt und der Damm aufgearbeitet. „Das bindet die meiste Zeit“, sagt Christmann. Etwa Ende Juni hat der Hopfen die Rüsthöhe erreicht und beginnt zu blühen. Von da an gilt es vor allem, die Pflanze gesund zu erhalten. Rüsselkäfer, Blattläuse und Rote Spinne bilden jedoch eine Gefahr. Letzteren trete bedingt durch den Klimawandel im Juni und Juli verstärkt auf und könne große Schäden verursachen. Die Bestände müssen deshalb ständig kontrolliert werden. Nur bei Befall komme Pflanzenschutz zum Einsatz. Dies müsse punktgenau erfolgen, erklärt der Fachmann.

Bei der Ernte kommt eine Abreißmaschine zum Einsatz. Die Ranken werden dabei herunter gerissen und abgeschnitten. Später in der Hopfenanlage werden sie in einer Pflück- und Sortiermaschine in die Bestandteile getrennt und die Dolden anschließend bei 55 bis 60 Grad Warmluft bis auf zehn Prozent Feuchte getrocknet. Auch während des Trocknens müsse der empfindliche Hopfen immer wieder kontrolliert werden, um nicht in dieser Phase die Arbeit eines ganzen Jahres zu zerstören. Lagerfähig in 60-Kilogramm-Ballen verpackt und gesiegelt, gehen sie zur Verarbeitung nach Bayern. Dort wird aus den getrockneten Zapfen ein Extrakt hergestellt, der dann an die Brauereien verkauft wird.

Die Agrargenossenschaft Weißensee ist Mitglied im Elbe-Saale-Hopfenplanzerverband. Zusammengeschlossen haben sich darin aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt 29 Betriebe. Die Anbaufläche beträgt 1500 Hektar. Das Anbaugebiet ist damit das zweitgrößte in Deutschland, berichtet Christmann.