Familie Zühlsdorff ist per Zufall Mühlenbesitzer in Kleinbrembach

Familie Zühlsdorff hat in Kleinbrembach mit viel Arbeit die Mühle nebst Wohnhaus wieder erweckt. Das technische Denkmal stand zur Festwoche Besuchern offen.

Cornelia und Thomas Zühlsdorff sanierten die ehemalige Mühle in Kleinbrembach. Im Hof gibt es viele idyllische Plätze. Foto: Ina Renke

Cornelia und Thomas Zühlsdorff sanierten die ehemalige Mühle in Kleinbrembach. Im Hof gibt es viele idyllische Plätze. Foto: Ina Renke

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Kleinbrembach. Es sieht gut aus für den Wein, der entlang der Südfassade des langgestreckten Wohnhauses klettert. Die Trauben, zwar noch nicht reif, hängen dicht. Das Bild hat etwas von Idylle - der Hof in der Abendsonne, in der sich die Kater Max und Kami genüsslich räkeln, während Thomas und Cornelia Zühlsdorff vor dem Haus sitzen, zu ihren Füßen Labradorhündin Laska.

Doch solche Momente der Ruhe waren in den ersten Jahren, seitdem die Familie mit den zwei Kindern Besitzer des Hauses nebst Mühle ist, eher selten. "Wir wollten etwas eigenes, aber nicht neu bauen. Es war eher Zufall, der uns zu diesem schön gelegenen Grundstück führte. Das Haus war im ersten Moment gar nicht zu sehen, weil in den zehn Jahren, in denen es leer stand, alles zugewachsen war", erinnern sich die Zühlsdorffs. Elan und Wille, wieder etwas aus dem Gebäude, dessen erste schriftliche Erwähnung aus dem Jahr 1814 datiert, zu machen, war jedenfalls da.

Doch es wurde ein weit umfangreicheres Unterfangen, als sie je geahnt hätten. Bei ersten Aufräumarbeiten entdeckten sie, dass sich der Hausschwamm eingenistet hatte. Decken und Wände wurden daraufhin herausgebrochen, der Boden ausgetauscht. "Zeitweise konnte man von Giebelwand zu Giebelwand durchschauen", gibt Thomas Zühlsdorff einen Einblick in das, was die neuen Besitzer nach dem Kauf im Jahr 2003 erwartete. Vieles passierte in Eigenleistung. "Bis zumindest das Erdgeschoss soweit bewohnbar war, dauerte es etwas über ein Jahr", erzählt Cornelia Zühlsdorff. Stück für Stück wurde weiter saniert.

Heute sieht das Haus wieder richtig gut aus mit der ockerfarbenen Fassade und dem Fachwerk im Obergeschoss. Sicher, an der Rückfront, wo die Blickrichtung über ein kleines Feld hinweg zu den Brembacher Weinbergen führt, ist noch etwas zu tun. "Hinten war das Holz gesünder. Da können wir uns mehr Zeit lassen. An dem Haus geht es eben nur in Schritten", sagt Thomas Zühlsdorff.

Und was ist mit der Mühle? "Dass wir einmal Besitzer einer Mühle werden, auch wenn sie nicht mehr arbeitet, war eigentlich nicht geplant", schmunzelt Thomas Zühlsdorff. Doch das technische Denkmal hat das Paar doch irgendwie in seinen Bann gezogen. Im Vorfeld der 1225-Jahrfeier in Kleinbrembach jetzt im Juni schafften beide noch einmal etliches an Lehm und Dreck aus der Mühle. Wälzte Cornelia Zühlsdorff Unterlagen in Archiven zur Mühle, die um 1810 erbaut wurde, und erarbeitete daraus eine kleine Dokumentation. Die interessierte die gut 250 Besucher vorwiegend aus dem Ort, die sich in der Festwoche erstmals wieder in der Mühle umschauen konnten, ebenso wie das noch verbliebene Inventar.

"Die meisten wussten gar nicht, dass noch etwas in der Mühle ist und waren sehr überrascht, als sie hier reinkamen", berichtet Thomas Zühlsdorff. Seine Frau hatte ein Inventarverzeichnis aus dem Jahr 1925 gefunden und es mit der Einrichtung verglichen. "Es ist fast alles noch komplett vorhanden", stellte sie erfreut fest. "Die Technik ist einfach unheimlich faszinierend", fasst Thomas Zühlsdorff die Mühlen-"Gerätschaften" wie etwa den Schlauchsichter, die Kornschütte, Quetsche bis zum Walzenstuhl für den ersten Mahlgang und deren Zusammenspiel in früheren Tagen zusammen.

Viel hat er sich dazu erlesen. Ebenso so viele Informationen aber auch von Alfred Kirsten, dem Vorsitzenden des Thüringer Mühlenverbandes, erhalten. "Herr Kirsten war schon dreimal hier und übernahm die erste Führung. Er hatte die Mühle schon abgeschrieben und war froh, dass sich nun wieder jemand darum kümmert", berichten die Zühlsdorffs, die nun ebenfalls Mitglied im Mühlenverband sind. Und schon länger im Ort angekommen. "Wir fühlen uns sehr wohl hier."

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