In der Fastenzeit auf Ostern vorbereiten

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Die Andacht zum Wochenende kommt heute von Matthias Müller, Pfarrer der Evangelischen Regionalgemeinde Kölleda.

Matthias Müller ist Pfarrer der Evangelischen Regionalgemeinde Kölleda.

Matthias Müller ist Pfarrer der Evangelischen Regionalgemeinde Kölleda.

Foto: Jens König

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“, heißt es im Volksmund. Denn mit dem Aschermittwoch beginnt traditionell die christliche Fastenzeit. Auch wenn wir beim Fasten meist sofort an den Verzicht auf Nahrung oder zumindest bestimmte Lebensmittel denken, ist Fasten nicht mit einer Diät zu verwechseln. Diese besondere Zeit im Kirchenjahr dient nicht dazu, die überschüssigen Pfunde, die wir uns während der Advents- und Weihnachtszeit zugelegt haben, wieder loszuwerden.

Vielmehr ist Fasten eine besondere Form der Vorbereitung auf ein großes Ereignis. Die Bibel erzählt davon, dass Mose 40 Tage und 40 Nächte gefastet hat, bevor er von Gott die Zehn Gebote erhielt. Auch der Prophet Elia soll 40 Tage und 40 Nächte ohne Nahrung verbracht haben, bevor er am Berg Horeb Gott begegnete. Selbst Jesus hat sich mit einer 40-tägigen Fastenzeit in der Wüste auf den Beginn seines Wirkens unter den Menschen vorbereitet.

Innerhalb des Kirchenjahres dient die Fastenzeit als Vorbereitung auf das wichtigste Fest der Christenheit – Ostern. Am Ostertag ist Christus laut biblischer Überlieferung nach drei Tagen Grabesruhe wieder von den Toten auferstanden. Dieses Ereignis begründet die christliche Auferstehungshoffnung, nach der Gott auch uns Menschen am Ende der Zeit wie seinen Sohn aus den Toten rufen wird.

In diesem Jahr stellt sich allerdings die Frage, ob es überhaupt eine Fastenzeit braucht. Durch den Corona-bedingten Lockdown waren die letzten Wochen und Monate für viele von uns eine Wüstenzeit voller Entbehrungen. Seit dem Ausbruch der Pandemie müssen wir zwangsweise auf viele Kontakte zu anderen Menschen verzichten. Dank Home-Office und Home-Schooling lebt die Mehrheit von uns zurückgezogen wie Mönche in einem Kloster. Auf was wollen wir da noch verzichten?

Schon seit 1983 gibt es die Fastenaktion der evangelischen Kirche, die versucht, den Vorbereitungscharakter des Fastens wieder mehr zu betonen und nicht so sehr den Verzicht auf bestimmte Dinge. Unter dem Motto „Spielraum – Sieben Wochen ohne Blockaden“ geht es in diesem Jahr darum, Handlungsspielräume auszuloten, die es trotz bestehender Grenzen und (Ver-)Ordnungen gibt.

Eine Übung, die wie geschaffen scheint für die derzeitigen Herausforderungen. Wenn wir uns stärker auf die Dinge konzentrieren, die trotz aller Einschränkung im Lockdown möglich sind, kann das helfen, diese Wüstenzeit voller Entbehrungen besser zu überstehen, als wenn wir ständig nur auf das schauen, was gerade nicht geht.

Zumal solche Zeiten auch jenseits der Ausnahmesituation einer Pandemie im Leben von uns Menschen immer wieder einmal vorkommen können. Phasen in denen wir uns einsam, enttäuscht oder verlassen fühlen und keine Chance auf Veränderung sehen. Wer gelernt hat, trotz solcher negativen Erfahrungen den Blick auf das Positive im Leben nicht zu verlieren, kann gestärkt durchs Leben gehen.

In diesem Sinne kann die Fastenzeit in diesem Jahr zu einer wirklichen Vorbereitungszeit werden auf das neue Leben, das uns nicht nur der christliche Festkalender mit der Auferstehung Jesu an Ostern in Aussicht stellt, sondern auch die Politik mit der Hoffnung, dass der Lockdown Ostern dann enden könnte.

Wer also diese Zeit für sich nutzen möchte, sei auf zwei Aktionen in unserer Region aufmerksam gemacht. Für alle, die im Moment lieber nur digitale Veranstaltungen besuchen, sei auf den Youtube-Kanal der Evangelischen Regionalgemeinde Sömmerda verwiesen. Einmal pro Woche gibt es dort eine Impulsandacht, mit Anregungen wie das Verhältnis von Grenzen und Spielräumen ausgelotet werden kann.

Jeder, der sich seine geistlichen Impulse lieber in einem klassischen Gottesdienst holen möchte, kann die „Exerzitien im Alltag“ besuchen, die jeden Dienstag im März in der Zeit von 18.30 Uhr bis ca. 19.30 Uhr in der Nikolaikirche zu Weißensee stattfinden. Hier wird um eine Anmeldung gebeten.

Kontakt: markus.hille@kk-e-s.de