In Kannawurf kommt „Weißer Holunder“ aus der Flüstertüte

Kannawurf  Das Kannawurfer Dorffunkprogramm erlebt gestern erstmals seine analoge Ergänzung mit zwei Lautsprechern auf einem Autoanhänger

Das lokale Propaganda-Team „Weißer Holunder“ rollte gestern Nachmittag vom Schlosshof und trat seine einstündige Jungfernfahrt mit seinem Dorffunk-Lautsprecherwagen an, um den Kannawurfer Einwohnern lokale Nachrichten zu übermitteln.

Das lokale Propaganda-Team „Weißer Holunder“ rollte gestern Nachmittag vom Schlosshof und trat seine einstündige Jungfernfahrt mit seinem Dorffunk-Lautsprecherwagen an, um den Kannawurfer Einwohnern lokale Nachrichten zu übermitteln.

Foto: Jens König

Der „Weiße Holunder“, ins Ortstypische verdolmetscht: „Wisser Hollunner“, ist auf Sendung. Der Dorffunk von Kannawurf funktioniert nicht mehr nur als Mund-zu-Mund-Propaganda. Und auch nicht mehr allein digital-sozialmedial, sondern ganz schön analog.

Gestern hatte der Funkwagen, ein Pkw-Anhänger mit dem amtlichen Kennzeichen SÖM – O 314 seine Jungfernfahrt durch den Ort. An ausgewählten Punkten in Kannawurf, unter anderem natürlich auf dem Schenkenplatz, stoppte Hartmut Hochheim seinen 141 PS-starken, sich auf Schleichfahrt vorwärts bewegenden Plug-in-Hybriden und nach der ohrenschonend nur angespielten Erkennungsmelodie, eben jenem Uraltschlager „Weißer Holunder“, erschallte aus zwei Flüstertüten aus NVA-Militärbeständen die Stimme von Liane Kulik. In Kannawurfer Platt, Dialekt, verkündete sie das Programm des Kirmeswochenendes.

Um das zu verrichten, wofür ganz früher mal der Ausrufer unter Glockengebimmel sorgte, soll nun, immer wenn Bedarf ist, der Dorffunkanhänger aus der Garage gerückt werden.

Einen festen Sendeplan gibt es (noch) nicht, die Haltepunkte stehen noch nicht fest.

Seit gut einem Jahr läuft das Dorffunkprojekt. Bis zu sieben Enthusiasten treffen sich einmal in der Woche. Immer montags für eine Stunde. „230 Beiträge haben wir schon eingespielt. Viele Geburtstagsglückwünsche, ein paar Interviews und Features, einige Kurznachrichten“, sagt Peter Moltmann vom Künstlerhaus Thüringen. Er ist einer der Ideengeber. Die bisherigen „Schnipsel“ wurden über ein soziales Netzwerk verbreitet. Weil es aber in Kannawurf auch nicht Handy- und Facebook-affine potenzielle Holunder-Hörer gibt, drangen die Leute vom Redaktionsteam auf eine analoge Ergänzung.

Neben den Genannten gehören Christina Georgi, Sigrun Burger, Annett Schischke und Heike Schnelle zum Team. Maik Mücke hat bei der Tontechnik geholfen, Christina Georgi die NVA-Lautsprecher angemalt, sozusagen entmilitarisiert. Sigrun Burger gehört zu den Sprecherinnen. Ob sie den da keine Scheu habe? „Nein, wieso?“ fragt sie zurück. „Mich sieht doch keiner.“

Zu hören aber wird der „Weiße Holunder“ nun öfter sein – gespeist aus zwei Autobatterien (eine ist Reserve), die immer wieder bei Hartmut Hochheim über dessen private Photovoltaikanlage aufgeladen werden.

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