Kannawurfs älteste Bäckerei im künftigen Renaissance-Garten

Kannawurf  Archäologische Ausgrabungen bringen Spuren verschiedener Epochen ans Tageslicht. Reste eines Lehmkuppelofens deuten bereits auf eine größere Ansiedlung im 12. Jahrhundert hin. Festprogramm für die Eröffnung

Knochenfunde tierischen Ursprungs brachte Roland Lange bei den archäologischen Ausgrabungen auf dem Gelände des künftigen Renaissance-Gartens im Kannawurfer Schloss ebenso ans Licht wie Keramikscherben aus verschiedenen Epochen. Fotos: Jens König

Knochenfunde tierischen Ursprungs brachte Roland Lange bei den archäologischen Ausgrabungen auf dem Gelände des künftigen Renaissance-Gartens im Kannawurfer Schloss ebenso ans Licht wie Keramikscherben aus verschiedenen Epochen. Fotos: Jens König

Foto: Jens König

Roland Lange spricht von einer Sensation. In der Baugrube für die Wasserleitungen und die Springbrunnen des künftigen Renaissance-Gartens des Schlosses sind Reste Kannawurfs ältester Bäckerei ans Tageslicht gekommen.

Der Chef des Vereins Künstlerhaus Thüringen tritt hier als örtlicher Grabungsleiter auf. Er ist nämlich nicht nur interessierter Hausherr, sondern als studierter Archäologe und Kunstgeschichtler zugleich auch Fachmann. „Das ist eine offizielle Grabungsstätte des Thüringer Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie“, hebt er die Bedeutung des Baugrube hervor, in der seit Grabungsbeginn etwa 30 Fundstellen ausgemacht wurden. „Spuren finden sich aus fast allen Epochen“, sagt Lange und verweist auf die Römische Kaiserzeit genauso wie auf die Bronze- oder die Jungsteinzeit. Gestoßen sind die Mitarbeiter dabei auch auf ein bronzezeitliches Haus mit einer Herdstelle und auf eine Abfallgrube eines Bäckers aus dem 12. Jahrhundert. Ans Tageslicht holten sie die Reste eines Backofens. Teile eines Lehmkuppelofens, die hier entsorgt worden sind, hält Lange in der Hand. Ebenso ausgemacht hat er verkohlten Reisig, mit dem der Backofen beheizt wurde. Auch verkohltes Stroh, das als Anzünder fungiert haben muss, haben die Archäologen in eine Plastiktüte verstaut.

Für die zeitliche Einordnung stützt sich der Experte auf Keramik, die an gleicher Stelle gefunden wurde und sich auf das 12. Jahrhundert datieren lässt. Der Fund ist für Roland Lange ein Zeichen, dass Kannawurf bereits im 12. Jahrhundert eine größere Ansiedlung war. Die Nähe zur Thüringer Pforte und die strategisch handelsgünstige Lage nähren diese Vermutung.

Bereits 2014 hatte es auf dem Gelände des künftigen Renaissance-Gartens Ausgrabungen gegeben. Seinerzeit hatten die Archäologen an die 320 Fundstellen freigelegt. Darunter 30 Wege unterschiedlichen Alters, Reste von Gartenanlagen aus unterschiedlichen Epochen und hauptsächlich Spuren der Besiedlung aus der Eisenzeit, der Römischen Kaiserzeit und aus dem Mittelalter. Alles wurde sorgsam fotografiert und dokumentiert. Auch jetzt wurde jedes Erdprofil auf Millimeterpapier im Maßstab von 1:20 nachgezeichnet.

Wie Lange informiert, gehen die Ausgrabungen dem Ende entgegen. Eigentlich wollte man schon fertig sein. Doch der ex-trem trockene Sommer bot keine guten Startbedingungen. „Der Boden war so unfassbar durchgetrocknet, dass sich keine Verfärbungen abzeichneten“, berichtet er. Das heftige Unwetter Ende August hatte den gesamten Graben mit einer Schlammlawine zugeschüttet. „Mühsam musste alles wieder rausgeschaufelt werden. Danach war der Boden gut durchfeuchtet“, blickt er zurück.

Die Fundstücke, darunter Scherben, Knochen sowie die Ofenreste kommen nach Weimar in die Werkstatt des Landesamtes. Dort werden sie gereinigt und eingelagert.

Parallel zu den Ausgrabungen sind Mitarbeiter der HSSP Garten- und Landschaftsbau GmbH Rastenberg dabei, die Technik für den Garten und die notwendigen Beete anzulegen. Auch ein Teil der Laubengänge steht schon. „Da kommen noch die Latten drauf“, sagt Roland Lange und berichtet von noch zu pflanzenden Weinstöcken, Rosen und Geißblatt. Letzteres dufte so unglaublich schön, weckt er die Vorfreude und kündigt hier noch eine weitere Überraschung an. Ein Künstler bereite für die Laubengänge eine Klanginstallation vor. Im Gespräch sei eine Planetenmusik.

Auch die Bäume, darunter historische Obstsorten und Sträucher unter anderem für ein Heckenlabyrinth, müssen noch dieses Jahr in die Erde. Entlang der Nordwand soll noch eine Lindenallee gepflanzt werden.

Schon jetzt sei im Garten eine Ruhe und Harmonie spürbar. Geschuldet sei dies Johann Peschel (1535 bis 1599). Der Pfarrer aus Thüringen galt als einer der ersten deutschen Landschaftsarchitekten. Er legte 16 Residenzgärten an, unter anderem auch den von Kannawurf. Auf seinem Buch der „Garten-Ordnung“ fußt der neu angelegte Renaissance-Garten. Wie Peschel haben die Planer auf die „Erfurter Elle“ und damit auf das Maß von 55 Zentimentern gesetzt. Die „ Erfurter Elle“ und ihre Vielfachen finden sich vielerorts im Garten wieder.

Mit dem Wochenende nach Himmelfahrt ist die offizielle Eröffnung des Renaissance-Gartens festgesteckt. Freunde des Kannawurfer Schlosses können sich am 23. und 24. Mai auf ein zweitägiges Non-Stopp-Programm mit Theater, Konzerten, Kleinkunst und vielem mehr freuen. Dass der Zeitplan straff ist, gibt Lange zu. Mit allem werde man bis dahin nicht fertig sein. So wird erst Ende 2020 das Besucherzentrum eingeweiht werden können. Beherbergen wird es zwei Multifunktionsräume, die für Ausstellungen und Workshops, aber auch für örtliche Veranstaltungen genutzt werden können. Darüber hinaus gehören ein Eingangspavillon sowie sanitäre Anlagen zum Gebäude.

Unterdessen geht auch die Sanierung im Schloss weiter. So flatterte dem Verein im September der Zuwendungsbescheid für den Saal ins Schloss. Damit stehen 175.000 Euro für die Sanierung zur Verfügung. Das Geld stammt aus einem Sonderprogramm Denkmalschutz sowie aus Landesmitteln. Einen Eigenanteil muss der Verein beisteuern. Wie Roland Lange ankündigt, läuft die Ausschreibung. Noch dieses Jahr sollen die Arbeiten beginnen. Er geht davon aus, dass die Sanierung das gesamte nächste Jahr in Anspruch nehmen wird. Als Ausweichquartier steht nach aufwendiger Sanierung der Rote Salon zur Verfügung. Lange hofft auch auf gutes Wetter, um einen Großteil der Veranstaltungen unter freiem Himmel stattfinden lassen zu können.

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