Kein Punktspiel für Fußball-Nachwuchs aus Schloßvippach

Schloßvippach  F-Junioren des TSV Schloßvippach absolvieren den Spielbetrieb in Sprötau. Den Platz im eigenen Dorf dürfen sie nur eingeschränkt nutzen

In ihren roten Trikots kämpfen die Mädchen und Jungen der Schloßvippacher F-Junioren-Mannschaft in Sprötau gegen Kölleda.

In ihren roten Trikots kämpfen die Mädchen und Jungen der Schloßvippacher F-Junioren-Mannschaft in Sprötau gegen Kölleda.

Foto: Jens König

Wenn die F-Junioren des Tanz- und Sportvereins (TSV) Schloßvippach zu einem Punktspiel antreten, dann wird ihr Spiel nicht in Schloßvippach, sondern in Sprötau angepfiffen.

„Kinder und Eltern sind froh, dass der Spielbetrieb so aufrecht gehalten werden kann. Viel lieber aber würden sie vor heimischer Kulisse in Schloßvippach spielen“, sagt Jeannette Hormann, die Vorsitzende des TSV. Wie sie berichtet, hatte sich bereits 2013 eine Kinderfreizeit-Mannschaft gebildet, um die es in den Folgejahren ruhiger geworden war. „Im Dezember 2017 gab es einen Neustart unter dem Dach des TSV. 24 Mädchen und Jungen hatten sich daraufhin gemeldet. Zwölf davon sind spielberechtigt. 15 kommen regelmäßig zum Training“, sagt sie.

Gelungen ist es ihr, über das Landratsamt Hallenzeiten in der Schloßvippacher Turnhalle zugewiesen zu bekommen. Dort werde nun immer montags trainiert. Immer freitags gehe es auf den gemeindeeigenen Sportplatz. „Wir bringen alles mit. Die Tore dort dürfen wir nicht nutzen. Sie gehören dem Sportverein Schloßvippach“, berichtet Janko Thiele, der die F-Junioren trainiert. Auch der Zugang zum Vereinsheim bleibe ihnen verwehrt. „Damit können die Kinder nicht mal die Toilette nutzen und müssen ihre Notdurft hinter Bäumen und Sträuchern verrichten“, ärgert sich Claudia Thiele.

Damit die Mannschaft spielberechtigt ist, waren weitere Voraussetzungen nötig. So musste der TSV Mitglied beim Thüringer Fußballverband werden. Dass das mit zusätzlichen Kosten verbunden war, verschweigt Jeannette Hormann nicht. Die Freude der Kinder jedoch und ihr Ehrgeiz seien es Wert.

Dass die Punktspiele nun in Sprötau ausgetragen werden, sei Siegmar Schmidt von der Verwaltungsgemeinschaft „An der Marke“ zu verdanken. Er stellte die Verbindung zum Sprötauer Sportverein her. „Dort können wir den Platz kostenlos nutzen“, sagt sie.

Ihre Hoffnung ist jedoch groß, dass eine Lösung in Schloßvippach gefunden wird. Bereits im Mai habe es ein Treffen mit Vertretern des Sportvereins (SV) 09 Schloßvippach gegeben. „Es wurde uns ein Angebot unterbreitet, bei dem es um den Wechsel der Mannschaft in den Sportverein ging. Das haben wir abgelehnt, da die Trainer dann eine doppelte Mitgliedsgebühr zahlen müssten“, sagt sie.

Als „nicht akzeptabel“ stufte der TSV weitere Nutzungsvorschläge ein, die der SV 09 vorgelegt hatte. „Dabei ging es immer nur um den Trainingsbetrieb, nie um den Spielbetrieb. Außerdem waren uns die Gebühren plus die Betriebskosten einfach zu hoch“, sagt die TSV-Vereinschefin.

Dass die Schlüsselgewalt beim SV 09 bleiben sollte und damit die Fußballer immer auf deren Vereinsmitglieder angewiesen seien, wird ebenfalls als negativ gesehen.

Dass die Kinder durchaus in Schloßvippach Fußball spielen sollen, betonte Tobias Schmidt, Vorsitzender des SV 09 Schloßvippach, bei einem Treffen des Vorstandes. Wichtig sei für ihn jedoch, dass die Grundvoraussetzungen stimmen müssen. „Wir haben mehrfach nach Lösungen gesucht und Vorschläge gemacht“, sagt Daniel Krisch, stellvertretender Vorsitzender und Abteilungsleiter Fußball. Aus seiner Sicht wäre der Beitritt der F-Junioren in den Sportverein die günstigste Variante. „Das jedoch wurde abgelehnt. Die andere Lösung sieht eine schriftliche Vereinbarung vor. Sie regelt, dass die Kinder die Ausrüstung des SV 09 nutzen dürfen, dafür aber eine wöchentliche Gebühr bezahlen müssen“, erklärt er. Während der Sportplatz Eigentum der Gemeinde ist, gibt es für das Vereinsheim einen Nutzungsvertrag zwischen Gemeinde und Sportverein, der bis 2026 gilt. Eindeutig geregelt sei darin, dass der Verein von Nichtmitgliedern eine Gebühr verlangen könne. „Wir brauchen eine solche Vereinbarung, allein schon, um versicherungstechnisch abgesichert zu sein, sowie auch für die entstehenden Betriebskosten“, sagt Daniel Krisch. Außerdem sei eine kostenlose Nutzung den eigenen Mitgliedern gegenüber unfair, hebt er hervor und berichtet von mehrmaligen Anläufen, persönliche Gespräche zu führen. Ein entsprechender Vertrag liege nun seit Ende August beim TSV. „Seitdem herrscht Funkstille“, sagt der Abteilungsleiter.

Auf eine Lösung hofft auch Bürgermeister Uwe Köhler (CDU). Wie er informiert, will er beiden Vereinsvorsitzenden ein klärendes Gespräch anbieten.

Der SV 09 wurde 1909 gegründet. Ihm gehören aktuell 110 Mitglieder an, die in den Abteilungen Kegeln, Fußball/Breitensport, Tischtennis und Gymnastik aktiv sind.

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