Kunsthaus Apolda zeigt Werke einer Buttstädterin

Buttstädt  Das Kunsthaus Apolda Avantgarde zeigt Arbeiten von Else Hertzer, die auf einem Besuch in Buttstädt von 1911 bis 1913 nicht nur Pferdemarktszenen inspirierten.

Am alten Friedhof heißt die Straße heute, die Else Hertzer 1911 als „Dorfstraße zum Camposanto“ malte. Auto, Masten und Belag sowie Photovoltaik kamen hinzu.

Am alten Friedhof heißt die Straße heute, die Else Hertzer 1911 als „Dorfstraße zum Camposanto“ malte. Auto, Masten und Belag sowie Photovoltaik kamen hinzu.

Foto: Armin Burghardt

Eine Spurensuche in Buttstädt gestaltet sich schwierig. Hertzer? Nie gehört.

Das Örtliche hilft auch nicht weiter. Kein Eintrag unter diesem Namen. Vielleicht auf dem Amt? Und tatsächlich. Da gibt es einen Treffer. Einen einzigen. Silvia Koch vom Standesamt muss nicht lange suchen. Zumal das selbst auf der derzeitigen Baustelle der Landgemeindeverwaltung zuverlässig der Computer erledigt. Ein paar Klicks – und schon ist klar: Georg August Hertzer wurde am 8. März 1886 in Buttstädt geboren.

Er ist der einzige Hertzer, der in der Pferdemarktmetropole standesamtlich erfasst ist. Nicht seine Mutter, Therese Hertzer. Auch nicht sein Bruder Otto. Schon gar nicht seine Schwägerin Else Hertzer, geboren am 24. November 1878 als Hedwig Elsa Heintze in Wittenberg und gestorben am 9. Februar 1978 in Berlin.

Else Hertzer hinterließ fast nur ihre Werke

Der Eintrag wäre die einzige verbürgte Verbindung eines Hertzers zu Buttstädt, wäre da nicht eine gerade in der Nachbarschaft, im Kunsthaus Apolda Avantgarde, laufende große Ausstellung. „Else Hertzer – Die Vielseitige. Wittenberg, Berlin, Buttstädt, Paris“ ist die überschrieben. Die nächste Werkschau in diesem Haus ist Lyonel Feininger gewidmet.

Jetzt aber erst einmal und noch bis zum 1. September – Else Hertzer. Es ist eine Wiederentdeckung, und zu danken ist sie dem Berliner Journalisten und Sachbuchautor Mathias Tietke, der selbst die Quellenlage zur Künstlerin als „dürftig“ beschreibt. Sie habe keinerlei Tagebücher und/oder Briefe hinterlassen, aber mehr als 215 Öl- und Temperabilder, 310 Aquarelle sowie hunderte Zeichnungen, Holzschnitte, Radierungen und Schablonendrucke. Tietkes Einschätzung ihres künstlerischen Schaffens in etwa 70 Jahren: „Sie ist als Malerin eine der bedeutendsten Vertreterinnen des deutschen Expressionismus und gehört sowohl hinsichtlich ihrer Themenwahl als auch in der Verwendung der Techniken zu den vielseitigsten deutschen Künstlerinnen der klassischen Moderne.“

In der Ausstellung, den Blick im Flur zieht eine vergrößerte Darstellung einer Straßenszene auf sich, sagt eine Frau zu ihrem Mann: „Schau da, das müssen wir Erich sagen!“ Beim Blick auf die sonnenbeschienene „Dorfstraße am Camposanto“ (sorry Buttstädt) ist sofort klar, das ist der Aufstieg zum historischen Buttstädter Friedhof. Der Erich, der das sehen muss, könnte, muss also Erich Reiche sein.

Das Haus des Fördervereinsvorsitzenden ist auch abgebildet. So, wie es – mit den Nachbarhäusern – Else Hertzer 1911 gesehen und gemalt hat.

„Die Anfänge I – Buttstädt“ ist dieser Teil der Werkschau überschrieben. Es eröffnet ihn ein Gemälde, Öl auf Leinwand, das „Porträt des Schwagers Georg Hertzer“ von 1907. Zu sehen sind weiter ein gezeichnetes Brustbild der Schwiegermutter von 1911, Innenansichten von 1912 und – in Buttstädt unausweichlich – Marktszenen. Ferkelmarkt in Öl (1912), Pferdemarkt, Krammarkt (Radierungen von 1913).

Else Hertzer hielt fest, was sie bei Besuchen bei der Schwiegermutter sah. Manche Motive wie die Marktszenen faszinierten sie auch auf ihren weiteren Lebensstationen, während sich ihre künstlerischen Ausdrucksformen immer wieder wandelten.

Da mag man manchmal kaum glauben, dass die einzelnen Werke in ihrer Unterschiedlichkeit und Vielfalt einer Hand entsprangen.

Ausgangspunkt aber war Buttstädt. Die Veranstalter, der Kreis Weimarer Land und das Kunsthaus, schreiben zur Ausstellung: „In den siebzig Jahren ihres Schaffens hat sich die in Wittenberg geborene und aufgewachsene Künstlerin Else Hertzer mit vielen Themen auseinandergesetzt, sie schuf Akte, Porträts, Landschaften und Genredarstellungen.

Ihr künstlerisches Werk lässt sich nicht einer bestimmten kunsthistorischen Strömung zuordnen, vielmehr sind Einflüsse des Impressionismus, des Expressionismus und der abstrakten Kunst auszumachen. Das Spektrum der Retrospektive „Else Hertzer – Die Vielseitige“ reicht von frühen, im thüringischen Buttstädt entstandenen Werken aus den Jahren 1911 bis 1913 sowie aquarellierten Reise-Impressionen der 1920er-Jahre bis zum unvollendeten Selbstbildnis, das kurz vor dem Tod der Künstlerin im Jahr 1978 entstand.“

Einige der Arbeiten sind erstmals öffentlich zu sehen.

Im Begleitprogramm ist für den 8. August, Beginn 19 Uhr, unter dem Titel „Heavy Classic“ ein Konzert mit dem Gitarristen Malte Vief angekündigt und für den 22. August, Beginn 19 Uhr, ein Vortrag von Dr. Dr. Markus Vette (Werder) über die Viehmärkte von Buttstädt.

Das Kunsthaus Apolda Avantgarde ist dienstags bis sonntags jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.