Landkreis Sömmerda: Trotz Krise nur wenige Entlassungen

Landkreis Sömmerda  Die Kurzarbeit und Wirtschaftshilfen stabilisieren den Arbeitsmarkt im Kreis Sömmerda.

Foto: Jens König

„Die Folgen der Corona-Pandemie und der Maßnahmen zu ihrer Eindämmung waren 2020 deutlich sichtbar, gleichzeitig hat sich der Arbeitsmarkt robust gezeigt. Kurzarbeit und Wirtschaftshilfen von Bund und Land haben viel abgefangen und Beschäftigungen stabilisiert“, sagt Simone Faßbender, Chefin der Erfurter Arbeitsagentur, rückblickend auf das vergangene Jahr zur Situation im Landkreis Sömmerda.

Die Arbeitslosigkeit stieg im Jahresdurchschnitt um 18 Prozent, damit waren im Landkreis Sömmerda 2357 Menschen arbeitslos, bilanziert die Arbeitsagentur. Das waren 354 mehr als 2019. Die Arbeitslosenquote stieg im Jahresdurchschnitt um 1,1 Prozentpunkte auf 6,6 Prozent.

„Die Unternehmen haben, wo es ihnen möglich war, an ihren Fachkräften festgehalten. Das zeigen auch die Zugänge in die Arbeitslosigkeit, die verglichen mit 2019 sogar leicht gesunken sind“, so Faßbender. Im Jahresverlauf haben den Angaben zufolge 2198 Menschen ihre Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt verloren. Das waren 92 bzw. 4 Prozent weniger als 2019.

Gleichzeitig konnten jedoch auch weniger Menschen eine neue Beschäftigung aufnehmen. 1674 Menschen beendeten 2020 ihre Arbeitslosigkeit durch einen Job. Das sind 171 bzw. 9 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die Unterbeschäftigung ohne Kurzarbeit stieg im Jahresvergleich um 234 bzw. 8 Prozent auf 3105.

Strategie ist von Nöten, die auch nicht-mustergültige Bewerbungen berücksichtigt

„Die aktuelle Herausforderung für Unternehmen besteht darin, zwei Strategien gleichzeitig zu verfolgen: Einmal müssen sie dafür sorgen, dass sie in der aktuellen Situation über die Runden kommen und gleichzeitig sollten sie Rahmenbedingungen für die zukünftige Entwicklung schaffen. Der Transformationsprozess hat an Fahrt gewonnen, aufgrund der demografische Entwicklung gibt es immer weniger Fachkräfte. Gefragt ist jetzt eine Personalstrategie, die bei der Personalsuche auch Menschen ohne mustergültige Lebensläufe in den Blick nimmt. Außerdem müssen die eigenen Beschäftigten stärker in den Fokus rücken: Arbeitsprozesse, Arbeitsplätze und Berufsbilder verändern sich und damit auch die Anforderungen an Qualifikationen und Kompetenzen der Beschäftigten. Beruflicher Weiterbildung kommt hier eine zentrale Rolle zu. Die Arbeitsagentur fördert die Weiterbildung von Beschäftigten und bietet eine gezielte Beratung an“, so Faßbender.

„Zwar haben viele Unternehmen außerhalb der besonders betroffenen Branchen ihre Beschäftigten nicht entlassen, doch bei Neueinstellungen waren sie – verständlicherweise – zurückhaltend“, sagt Faßbender. 1329 neue Stellen haben die Unternehmen dem Arbeitgeberservice gemeldet. Das waren 411 bzw. 24 Prozent weniger als 2019.

Bestimmte Wirtschaftszweige suchten nach deutlich mehr Beschäftigten

Den größten Rückgang verzeichnen dabei laut Arbeitsagentur Personaldienstleister, die Logistik, das Gastgewerbe und das verarbeitende Gewerbe. Einige Wirtschaftszweige suchten hingegen verstärkt nach neuen Beschäftigten: unter anderem das Gesundheits- und Sozialwesen, die öffentliche Verwaltung und der Handel.

Im ersten Halbjahr sank die Beschäftigung im Landkreis Sömmerda. 23.335 Menschen waren versicherungspflichtig beschäftigt. Das waren 598 bzw. 2,5 Prozent weniger als 2019. Damit ist der Landkreis am stärksten vom Beschäftigungsrückgang betroffen, im Land Thüringen lag der Rückgang bei 1,1 Prozent.