Guten Morgen, Sömmerda

Langweilig, bitte!

Friederike Vogel über die Vorzüge seichter Fernsehunterhaltung

Volontärin Friederike Vogel

Volontärin Friederike Vogel

Foto: Sascha Fromm

Ich mag langweiliges Fernsehen. Mein Lieblingsprogramm ist eine Trödelsendung mit einem Fernsehkoch, der einen lustigen Bart hat. Es geht um „Antiquitäten“ oder einfach Krempel und aus welcher Ecke des Dachbodens die Teilnehmer der Sendung die Dinge, die sie zum Verkauf anbieten wollen, hervorgezogen haben.

Es ist an Langweiligkeit eigentlich nicht zu überbieten. Denn es passiert absolut nichts. Und genau deshalb schaue ich es mir gerne an. Es beruhigt mich, es rieselt auf mich ein. Wenn ich hinsehe, weiß ich hinterher nicht mehr als vorher und wenn ich nicht hinsehe, habe ich nichts verpasst.

Das Phänomen, immer wieder Sendungen und Serien zu schauen, die man schon kennt, heißt „Comfort Binge Watching“. Es bedeutet, dass man sich zum hundertsten Mal dieselbe Folge einer Serie ansieht, auch wenn man sie schon mitsprechen kann. Weil es so schön einfach ist, es keine Überraschungen gibt. Und man vor langer Zeit festgestellt hat, dass man die mag. Und weil man nicht in die Verlegenheit kommt, sich auf etwas Neues einlassen zu müssen, an das man sich erst gewöhnen muss. Wohlfühlfernsehen eben.

So ähnlich fühle ich mich mit meiner Trödelsendung. Es passiert schon genug Aufregendes in der Welt. Da kann so ein bisschen Langeweile am Abend nicht schaden.