Leubingen: Archäologen nehmen Zeitreiseweg unter die Lupe

Leubingen  Weitere Gräber bei Ausgrabungen auf der Verbindung von der Rast- und Tankanlage zum Hügelgrab bei Leubingen entdeckt

Anja Ludwig-Schröder und Mario Küßner vom Amt für Denkmalpflege und Archäologie besprechen die nächsten Schritte am Zeitreiseweg bei Leubingen.

Anja Ludwig-Schröder und Mario Küßner vom Amt für Denkmalpflege und Archäologie besprechen die nächsten Schritte am Zeitreiseweg bei Leubingen.

Foto: Annett Kletzke

„Das wird schön, das kann ich versprechen“, ist Mario Küßner vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie überzeugt. Er spricht von dem „Zeitreiseweg“, der Gäste der Tank- und Rastanlage „Leubinger Fürstenhügel“ ab dem nächsten Jahr direkt zu der einzigartigen Stätte der Bronzezeit führen wird.

Die Archäologen haben ihre Arbeit getan. Im April dieses Jahres begannen direkt auf dem Weg die Ausgrabungen. Jetzt im September gingen sie zu Ende. „Letzte Restarbeiten werden die vier Mitarbeiter sowie ehrenamtliche Helfer noch den kompletten Oktober beschäftigen“, kündigt der Fachmann an.

Während der Ausgrabungen sind vier Gräber aus der späten Bronzezeit entdeckt worden. Wie Mario Küßner berichtet, war ihre Existenz bislang nicht bekannt. Sie seien bis zu drei Meter lang und einen Meter breit. Bei einem Grab handelt es sich um ein so genanntes Steinpackungsgrab. Auf derartige Anlagen sind die Archäologen auch bei der Erschließung des neuen Gewerbegebietes in der Kölleda Kiebitzhöhe gestoßen. Dort kamen 15 dieser Steinpackungsgräber ans Tageslicht.

Im Bereich des künftigen „Zeitreiseweges“, der ausschließlich Fußgängern zur Verfügung stehen soll, wurden außerdem jüngere Nachbestattungen entdeckt, die zeitlich den letzten Jahrhunderten vor Christi Geburt zuzuordnen sind. Auf Schätze sind die Archäologen nicht gestoßen. „Die Gräber waren nicht reich ausgestattet. Gefunden haben wir zwei Ohrringe, ein Gefäß und eine Tasse“, sagt Mario Küßner.

Viel wichtiger wiegen für ihn die wissenschaftlichen Erkenntnisse. Dass weitere Gräber gut 800 Jahre nach dem Bau des Leubinger Fürstenhügels angelegt wurden, ist für ihn ein Zeichen für die Macht des Hügels. „Sicher hatten die Menschen keine Vorstellung, wer im Grabhügel bestattet wurde, aber der Hügel war ein auffälliges Geländemerkmal. Sie haben die Nähe des Hügels, des Übernatürlichen gesucht“, erklärt Küßner.

Begeistert ist er vom Bau der Rast- und Tankanlage „Leubinger Fürstenhügel“, die gleichzeitig als IBA-Projekt deklariert ist. Wie er sagt, ist es ein Novum, dass solche Anlagen in Bezug zur Archäologie gebracht werden. Bereits das Gebäude der Rastanlage wird architektonisch an das Langhaus erinnern, auf dessen Überreste Archäologen ganz in der Nähe des Hügels stießen und das aus der Zeit des unbekannten Fürsten stammt. Informationstafeln sollen Reisende schon im Gebäude über den Fürstenhügel informieren und auf den Weg hinweisen.

Dass ein solches Projekt immer auch eine Gratwanderung sei, verschweigt der Fachmann nicht, schließlich werde bei Bauarbeiten immer etwas von der Ursprünglichkeit zerstört. Eine Entscheidung war deshalb, den geplanten umlaufenden Weg um den Hügel in einem größeren Abstand zu errichten .

Vollkommen neu angelegt werden muss dann auch die Treppe auf den Hügel. Sie wird als Betontreppe errichtet.

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