Michaeliskirche Buttstädt: Millionen sind eine andere Dimension

Buttstädt.  Buttstädts Michaeliskirche weist große Risse auf. Eine Rettung ist technisch anspruchsvoll und teuer.

Die Buttstädter Kirche wird mit 12 Millionen Euro gefördert. West- und Südseite sind von großen Rissen durchzogen, der Westflügel droht abzukippen,

Die Buttstädter Kirche wird mit 12 Millionen Euro gefördert. West- und Südseite sind von großen Rissen durchzogen, der Westflügel droht abzukippen,

Foto: Peter Hansen

Im Sommer stand Pfarrerin Evelyn Franke auf dem Buttstädter Markt vor „ihrer“ Michaeliskirche. Die Turmbekrönung, Kugel und der fliegende Erzengel als Wetterfahne, sollten – frisch vergoldet – wieder in luftige Höhe hinauf. Das Ganze verzögerte sich etwas. Sie hatte Zeit für ein Gespräch. „Ich hoffe, wir kriegen das ganze Geld zusammen!“, entfuhr ihr fast ein Stoßseufzer. 6000 Euro wurden gebraucht. Alles aus Spenden. Kein Pappenstiel. Es hatte große Diskussionen im Gemeindekirchenrat gegeben. „Muss das sein?“ Es fehlte noch einiges...

Am Ende hat alles geklappt. St. Michaels weithin ins Thüringer Land sichtbare Spitze glitzert wieder im Sonnenlicht. Bezahlt sind die Handwerker inzwischen auch. Und alle freuen sich.

Mit der Orgel fing es an

Gerade muss sich Evelyn Franke wieder um Geld Gedanken machen. Diesmal sind es aber nicht 6000 Euro, sondern 6 Millionen. Eigentlich sogar 12.

Letztens, es war der 14. November und abends, hat sie eine SMS bekommen. „Wir haben die 6 Millionen“, las sie da. Wenig später kam noch eine bestätigende Mail. Am nächsten Tag las sie es in unserer Zeitung. Die Haushaltsbereinigungssitzung zum Kulturetat des Bundeskanzleramts hatte stattgefunden. Die 6 Millionen für die Sanierung der Buttstädter Michaeliskirche waren eines der Ergebnisse.

„Es ist ein Geschenk. Ich sehe das so!“, sagt die Pfarrerin. Und es ist eine Chance. Und sie möchte, dass die ganze Region das so sieht.

Am Anfang des Geschenks war übrigens die Orgel der Michaeliskirche. Seit Jahren ist sie nicht mehr spielbar. Sie ist eine Arbeit des Apoldaer Orgelbauers Peter Herold von 1721. „Es ist nicht einmal seine beste, aber die einzige erhaltene“, weiß Evelyn Franke. Und somit eine besondere. Eine, die Fachleute für sich einzunehmen weiß, selbst wenn sie sie nur aus dem Internet kennen. Einen Organisten „im Nebenerwerb“ aus Hamburg zum Beispiel. Der – hin und weg – hatte den befreundeten Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs, seit 1998 immer wieder mit dem Direktmandat für Hamburg-Mitte für die SPD nach Berlin entsandt, für das Vorhaben gewonnen.

Zuerst muss die Kirche gerettet werden

Von Kahrs kam jetzt die erwähnte SMS. Vorher hatte er sich schon anerboten, die Orgel sanieren zu helfen. Franke hatte ihm bedeutet, dass ein paar zehntausend Euro dafür nicht reichen würden. Kahrs schreckte das nicht. Auch die 500.000 Euro, die eine Jahre alte Schätzung aufriefen, hielten ihn nicht ab, sich weiter zu interessieren. Er kam nach Buttstädt, schaute sich Kirche und Orgel an, saß mit Franke im Café von Bäcker Höhne.

Schließlich ließ Evelyn Franke die Katze aus dem Sack. Genauer: Sie ließ sie freilassen. Brieflich. Susann Hildebrandt, die auch für Buttstädt zuständige Kirchenbaureferentin, musste mitteilen, dass eine Orgelinstandsetzung ohne Kirchensanierung wenig sinnvoll sei. Und für diese seien wohl wenigstens 12 Millionen Euro zu veranschlagen.

„Das war’s“, war Evelyn Franke überzeugt.

Komplizierte Problemlage

Die Michaeliskirche, 1501 begonnen, ist ein bautechnisches Sorgenkind. Seit 1978 wurden immer wieder Sicherungsmaßnahmen an ihr durchgeführt. Sie war zeitweise baupolizeilich gesperrt. 1984 wurde ein Gemeindehaus gebaut, um Gottesdienste halten zu können. Die Kirche daneben stand leer. In der unmittelbaren Nachwendezeit, als es schnelles und viel Geld gab, wurde umfänglich in die Fundamente, in die Standfestigkeit investiert.

Vor 5 oder 6 Jahren wurde eine massive Rissbildung an der Süd- und Westseite der Kirche festgestellt. Das Ausmaß nimmt zu. Die Entwicklung steht unter permanenter Beobachtung. Auch heute. Es läuft ein Rissmonitoring. Der Westgiebel klappt ab. „Wenn man das sieht, wird einem Angst“, sagt Franke. Kosmetische Eingriffe helfen nicht. Die Kirchgemeinde hat sich bemüht, in Trockenlegung, Dachabdichtung und eben die Turmbekrönung investiert. Mehr kann sie nicht.

Jetzt aber kann mit den 6 Millionen, von denen 750.000 Euro noch 2020 fließen sollen, und die das Land mit weiteren 6 kofinanziert (Die Thüringer Staatskanzlei ist im Bilde, hat der hiesige MdB Christoph Matschie Evelyn Franke versichert.) geplant werden.

Ideen sind willkommen

„Ich will kein Schwimmbad, und ich will keine Kletterkirche“, sagt Franke. Bei solchen Sachen mache sie nicht mit. Ihr gehe es um den Erhalt der Kirche und um Ideen, wie auch mit dieser – neben der kirchlichen Nutzung – nachhaltig für die Region etwas getan werden kann. Zum Kopfzerbrechen darüber ist eingeladen. Es dürften auch 1000 Ideen sein, sagt Franke.

Hamburger Bekannte schwärmten von der einmaligen Buttstädter Kirche als kongenialem Aufführungsort für italienische Oper. „Tosca in Buttstädt“ – das klingt doch gut, oder? Ein Architekt aus der Nachbarschaft brachte „Barock trifft Bauhaus“ ins Spiel. Und Franke selbst hält viel vom Netzwerken. Da ja nun bald Buttstädt Glasfaser-Hotspot sei und die Stadt sowie Bürgermeister Hendrik Blose (CDU) im Gleichklang mit Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) den gleisbasierten Brückenschlag (Pfefferminzbahn-Wiederbelebung und -ausbau) gen Jena anstrebten, hält sie eine E-mobile Shuttle-Kultur-Querverbindung in Richtung Weimar für gestaltbar. Erster Anknüpfungspunkt könnte der historische Friedhof der Pferdemarktmetropole, 2021 Außenstandort der Bundesgartenschau, sein.

Ein Treffen der möglichen Akteure, ein Anstoßmeeting, soll im Dezember stattfinden.

Neben den großen sollen aber auch weiter die kleinen Brötchen für die Kirche gebacken werden. Fix ist schon ein Benefizkonzertauftritt des Luftwaffenmusikkorps in der Kirche im Mai. Die dort eingenommenen Gelder sollen in den Glockenstuhl fließen.

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