Mondlandschaften rund um Kindelbrück

Kindelbrück.  Zwischen Günstedt und Kindelbrück sowie in Richtung Bilzingsleben sind Obstbäume gerodet worden. Nicht überall wird für Ersatz gesorgt.

Wilhelm Schäfer prüft die 2018 gepflanzten Pflaumenbäume am Südhang in Kindelbrück. Im vergangenen Jahr haben sie bereits getragen.

Wilhelm Schäfer prüft die 2018 gepflanzten Pflaumenbäume am Südhang in Kindelbrück. Im vergangenen Jahr haben sie bereits getragen.

Foto: Jens König

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Wer auf der B 86 zwischen Günstedt und Kindelbrück unterwegs ist, dem sind die Rodungsarbeiten der angrenzenden Obstbaumplantagen sicher ins Auge gefallen. Wie Wilhelm Schäfer, Vorstand der Kindelbrücker Obstbau eG, bestätigt, handelt es sich um turnusmäßige Arbeiten. Eine 7,5 Hektar große und gut 19 Jahre alte Süßkirschenanpflanzung ist hier in den letzten Wochen und Monaten kahl geschlagen worden. Neben dem Alter der Bäume entsprachen auch die Sorten nicht mehr den Erwartungen des Marktes. „Die Früchte waren zu weich und zu klein“, erklärt Schäfer.

Wie er informiert, wurde mit der Rodung eine Fachfirma beauftragt. Die entfernte und schredderte zuerst die Stämme und Baumkronen. Im nächsten Schritt werden die Wurzeln aus der Erde geholt. Auch sie werden zerkleinert. Als Hackschnitzel für die Verbrennung oder als Dünger für die Felder sollen sie Verwendung finden.

2019 bescherte Rekordernte bei den Süßkirschen

Für Ersatz hat das Unternehmen bereits gesorgt. Schon 2017 und 2018 sind auf einer Fläche von insgesamt 15 Hektar neue Süßkirschenbäume gepflanzt worden. Das die Entscheidung richtig war, bekamen die Kindelbrücker Bauern bereits 2019 vor Augen geführt. Mit über 900 Tonnen Süßkirschen konnten sie eine Rekordernte einfahren.

Das ganze Gegenteil war bei den Sauerkirschen der Fall. Gerade einmal 40 Tonnen sind auf den zwei insgesamt 20 Hektar großen Anlagen geerntet worden. Im Vergleich: Sonst werden 150 Tonnen von den Bäumen geschüttelt. Dieser Entwicklung hat das Unternehmen nun Rechnung getragen und eine etwa zwölf Meter große Plantage in Richtung Bilzingsleben gerodet.

Das Alter der Bäume sowie Krankheiten führt Schäfer genauso an, wie das maschinelle Pflücken. Das Rütteln verursache Schäden an der Rinde und den Wurzeln der Bäume. Hinzu kam die extreme Trockenheit, so dass sich die Bäume nicht erholen konnten. Wie Schäfer sagt, wurde die Anlage vorzeitig gerodet. Eine Ersatzpflanzung wird es aufgrund der niedrigen Preise, die sich mit Sauerkirschen erzielen lassen, nicht geben. Die Fläche soll künftig für den Ackerbau genutzt werden.

Ebenfalls dem Erdboden gleich gemacht wurden drei Hektar Pflaumen am Dornberg. Perspektivisch soll dort die gesamte Anlage still gelegt werden. „Eine Bewässerung ist dort nicht möglich. Wir pflanzen nur noch auf Flächen, die auch bewässert werden können“, erklärt Schäfer die Maßnahme und berichtet weiter von einem Bewässerungssystem, das bereits zu DDR-Zeiten angelegt und nun Stück für Stück erneuert wird.

Im Test: Neue Apfelsorte „Fräulein“

Turnusmäßige Baumfällungen stehen auch bei den Äpfeln an. Eine 7,5 Hektar große Fläche rodet die Kindelbrücker Obstbau eG selbst. Auf etwa acht Hektar sollen neue Bäume gepflanzt werden. Darunter die Sorten Jonagold und „Fräulein“. Letztere sei eine neue Sorte, die erst im Herbst 2019 auf den Markt gekommen ist. Laut Obstsortenkonsortium biete die Sorte „eine verblüffend andere, neue Geschmacksdimension: mit einer feinen Balance aus Süße und Säure und einem Biss, den es so noch nie gab.“

Bepflanzt werden in Kindelbrück vorerst zwei Hektar. Werden die Erwartungen erfüllt, soll die Fläche erweitert werden. Ebenfalls Apfelbäume sollen auf der gerodeten Süßkirschenplantage an der B 86 gepflanzt werden. Die Arbeiten werden jedoch erst im kommenden Herbst ausgeführt.

„Wir pflanzen immer im Herbst, damit die Bäume über den Winter genug Feuchtigkeit bekommen und gut anwachsen können“, so der Obstbauer.

Die Hoffnung in Kindelbrück ist groß, dass der Winter mit Frost und Schnee nicht ausbleibt. „Die Bäume brauchen einfach ihre Ruhepause. Eine verfrühte Blüte und dann noch einmal Frost sind das Schlimmste, was uns Obstbauern passieren kann“, erklärt er.

Apfelernte 2019 unter den Erwartungen

Blickt Wilhelm Schäfer auf die zurückliegende Apfelernte zurück, gehen seine Mundwinkel nach unten. Die mit 7000 Tonnen eingefahrene Ernte lag noch unter den Erwartungen. Zum Start im September war man noch von einem Ertrag von 8500 Tonnen ausgegangen. Von den 7000 Tonnen sind 5000 Tonnen ins Lager gegangenen. 2000 Tonnen wurden als Industrieware zu Most verarbeitet.

Der am 11. Januar ausgerufene „Tag des Deutschen Apfels“ findet im Kindelbrücker Unternehmen keine Beachtung. „Wir feiern unser Blütenfest Ende April, Anfang Mai. Der genaue Termin steht noch nicht fest“, sagt das Vorstandsmitglied.

Das Unternehmen bewirtschaftet insgesamt eine Fläche von 1000 Hektar. Davon werden 350 Hektar für den Obstanbau genutzt. Die restliche Fläche steht dem Ackerbau zur Verfügung. Tradition ist es seit vielen Jahren, dass auf 50 Hektar Hopfen angebaut wird.

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