Nie ohne Werkzeug, Farbe und Leiter auf Tour im Landkreis Sömmerda

Landkreis.  Uwe Rödiger, der Wegewart des Landkreises Sömmerda, hat ein Auge auf Bootsanlegestellen, Schutzhütten und Wegweiser

Der Kreiswegewart Uwe Rödiger repariert einem Wanderwegweiser an der Unstrutbrücke in Schallenburg.

Der Kreiswegewart Uwe Rödiger repariert einem Wanderwegweiser an der Unstrutbrücke in Schallenburg.

Foto: Jens König

„Die Schilder hängen wieder“, meldet Uwe Rödiger Vollzug. Der Kreiswegewart meint damit vier Radverkehrswegweiser, die Mitte September am Gera-Radweg bei Gebesee abgeschraubt und entwendet wurden. Der Landkreis, der an überregional bedeutsamen, touristischen Radwegen die Radverkehrswegweisung sowie die touristische Infrastruktur unterhält, hatte Anzeige erstattet. Ein Schaden von 400 Euro war durch die Aktion entstanden. „So etwas gab es bisher noch nicht“, sagt er kopfschüttelnd. „Die Wegweiser standen direkt am ‘La Boum’ gleich hinter der Brücke. Es muss aufwendig gewesen sein, sie abzumontieren und wegzufahren“, ist Uwe Rödiger überzeugt Auch wenn der Fall bisher einmalig sei, gebe es Vandalismus immer wieder. Mobiliar wird zerstört. Verkehrszeichen besprüht oder illegal Müll entsorgt, berichtet der Kreiswegewart.

Die Länge des Radwegenetzes im Landkreis betrage etwa 220 Kilometer. Der Gera-Radweg und der Unstrut-Radweg gelten dabei als die wichtigsten. „Sie werden am meisten befahren“, berichtet Rödiger.

Dass mit Beginn der Corona-Pandemie der Fahrradverkehr deutlich zugenommen hat, sei schön, aber auch mit Problemen verbunden. Zu einer echten Gefahrenstelle habe sich der Abschnitt des Unstrut-Radweges zwischen Gebesee und Herbsleben entwickelt. Der sei zwar für den öffentlichen Verkehr gesperrt, befahren werde er aber von vielen Autofahrern dennoch. „Die Straße ist gerade mal vier Meter breit. Für Radfahrer kann das richtig gefährlich werden“, sagt Rödiger. Auch im Landratsamt ist das Problem bekannt. Wie Sprecherin Ursula Tunze informiert, ist der Landkreis bemüht, gemeinsam mit den beiden Anliegerkommunen eine praktikable Lösung zu finden.

Erfreulich sei, dass das Radwegenetz im Landkreis weiter wachse. Nachdem Buttstädt und Weißensee bereits attraktive Wege hergestellt hätten, sei jetzt ein kreisübergreifender Radweg von Straußfurt nach Bad Tennstedt in der Planungsphase. Außerdem plane Straußfurt eine Radwegeverbindung von Vehra nach Henschleben, berichtet die Sprecherin weiter. Wie sie informiert, erneuere der Kreis die Ortsverbindungsstraße zwischen Riethnordhausen und Walschleben. Er werde auch einen straßenbegleitenden Radweg herstellen. „Der zweite Bauabschnitt soll Ende des Jahres fertiggestellt werden. Bereits vollzogen sei der Lückenschluss der Anbindung von Kölleda nach Sömmerda, entlang der Landesstraße 1051, so Ursula Tunze.

Neuigkeiten gebe es für den Radweg „Weg in die Steinzeit“. Der Abschnitt bis zur Wipper vor Günserode sei fertiggestellt. Eine dort im Juni aufgestellte, automatische Fahrradzählstation habe bislang rund 5000 Nutzer erfasst. Der Ausbau solle bis Ende 2021 im Kyffhäuserkreis bis Günserode fortgeführt werden, sagt Ursula Tunze.

Zahlreiche Vorschläge habe der Landkreis dem Freistaat Thüringen eingereicht, das ein Programm zum Bau von straßenbegleitenden Radwegen an Landes- und Bundesstraßen aufgelegt hat. „Besondere Priorität hat dabei der Lückenschluss zwischen Wundersleben und Tunzenhausen an der B 176. Derzeit laufen die Bedarfsplanungen der angemeldeten Strecken“, so Ursula Tunze weiter.

Unterhaltung und Verkehrssicherungspflichtliegt beim Eigentümer

Auch beim 230 Kilometer umfassenden Wanderwegenetz beschildert und unterhält der Landkreis die von ihm errichtete Infrastruktur. Die Unterhaltung und Verkehrssicherungspflicht liege beim Eigentümer, heißt es. Ursula Tunze nennt den Finnewanderweg. „Der 28 Kilometer lange Abschnitt auf dem Gebiet des Landkreises wurde komplett vom Landkreis beschildert und markiert.“ Das touristisch wertvolle Wegenetz der Hohen Schrecke werde vom Verein Hohe Schrecke unterhalten. Und das reizvolle Wegenetz der Rastenberger Finne werde von der Stadt Rastenberg erweitert und ertüchtigt. Auch viele Bürger bringen sich hier ehrenamtlich ein.

Wieder mehr in den Focus soll der Lutherweg gerückt werden. Anlass ist das 500-jährige Jubiläum der Bibelübersetzung von Martin Luther im Jahr 2022. Geplant ist eine Kooperation mit kirchlichen Institutionen, der Thüringer Tourismus GmbH, anderen Kommunen und Gebietskörperschaften.

Entlang des gesamten Rad- und Wanderwegenetzes gilt Uwe Rödigers Augenmerk den acht Bootsanlegestellen, 30 Schutzhütten, rund 500 Wegweiser, 1500 Schildern, 60 Bänken und Tischen, 550 Markierungen und gut 20 Übersichtstafeln, die der Landkreis errichtet hat. Bei seinen Kontrollfahrten hat er deshalb immer Werkzeug, Farbe und eine Leiter im Gepäck. Das Netz und seine Infrastruktur werden von Uwe Rödiger ebenso digital erfasst und in einer Datenbank gepflegt. Eng arbeitet er mit dem Radroutenplaner Thüringen zusammen und wird darüber auch auf Mängel an den Wegen hingewiesen.

Die touristischen Angebote will der Landkreis künftig im Internet besser präsentieren. Für die Plattform „Outdooractive“ wollen der Landkreis und der Tourismusverband Thüringer Becken Tourenvorschläge zusammenstellen.