Noch ist das Geschnatter im Geflügelhof groß

Großrudestedt.  Im Geflügelhof in Großrudestedt ist bis kurz vor Heiligabend das Geschnatter groß. Die stressigen Tage rücken für Ingo und Coni Löbe immer näher

Ingo und Coni Löbe stehen stressige Tage ins Haus. Seit Juli ziehen sie 40 Gänse auf. Die Nachfrage nimmt besonders zu Weihnachten zu.

Ingo und Coni Löbe stehen stressige Tage ins Haus. Seit Juli ziehen sie 40 Gänse auf. Die Nachfrage nimmt besonders zu Weihnachten zu.

Foto: Jens König

Ingo Löbe freut sich auf Heiligabend. Nicht etwa auf die Geschenke, nein auf die Ruhe, die dann wieder einkehrt. Noch aber herrscht mächtiges Geschnatter im Großrudestedter Geflügelhof. 40 Gänse, darunter auch Pommerngänse und Graugänse, genießen den täglichen Auslauf auf die durch die feuchten Herbsttage noch immer grünen Wiesen. Als Gössel hatte sie Ingo Löbe im Juli bekommen und großgezogen. Gras allein sorge jedoch nicht für einen Festbraten. „Ohne Kraftfutter wird das nichts“, ist der 42-Jährige überzeugt, dass eine Weihnachtsgans zwischen viereinhalb und sieben Kilogramm auf die Waage bringen sollte. Dieses anvisierte Ziel werden die Tiere in diesem Jahr gut erreichen, auch wenn der Mais wegen des trockenen Sommers nicht üppig als Futterquelle zur Verfügung stand.

Geringe Nachfrage nach Martinsgänsen

Die Nachfrage nach Gänsen sei das ganze Jahr über verhalten. Etwas Bewegung gab es rund um den Martinstag. Da konnte er fünf Tiere verkaufen. „Im Vorjahr waren es drei“, kann er eine kleine Steigerung verbuchen. „Der Trend der Martinsgans hat sich hier einfach noch nicht durchgesetzt“, vermutet der Großrudestedter. Jetzt in der Adventszeit klingele dagegen häufiger das Telefon. Richtig viel zu tun, gebe es, je näher das Weihnachtsfest rücke. Momentan werde einmal in der Woche, kurz vor Heiligabend dann fast täglich geschlachtet. Um das Pensum zu bewältigen nimmt der Tierwirt, der sich tagsüber um die Kühe der Agrargenossenschaft Großrudestedt kümmert, zwei Wochen Urlaub. „Meine Kollegen beneiden mich immer. Wenn sie aber erfahren, dass mein Tag dann 5 Uhr früh beginnt und meist 18 Uhr nicht zu Ende ist, wollen sie dann doch nicht tauschen“, sagt Löbe, der froh ist, dass ihm seine Frau Coni zur Hand geht.

Geschlachtet werden dann nicht nur die eigenen Tiere, sondern auch die der Kleinbauern aus der Umgebung. Die Leute kommen aus dem Landkreis und aus Erfurt und schätzen vor allem die Frische der geschlachteten Tiere. Ein moderner Kühl- und Trockenraum sorgt dafür, dass die Kühlkette von der Schlachtung bis zum Verkauf nicht unterbrochen wird. „Das ist auch eine Auflage, die das Veterinäramt gefordert hat und die wir erfüllt haben“, erklärt Ingo Löbe.

Alte Kundschaft stirbt weg

Den Großrudestedter Geflügelhof hatten seine Eltern, Renate und Georg Löbe, gleich nach der Wende eröffnet. Schon zu DDR-Zeiten hatten sie immer Gänse und Hühner. Keine Frage war es für Ingo Löbe mit ins Geschäft einzusteigen und als der Vater starb, es im Nebenerwerb zu übernehmen. Fortan kümmert er sich nach Feierabend darum, Kleinbauern mit Hühnern, Perlhühnern, Wachteln, Enten, Gänse und Puten zu versorgen. Ein Zubrot soll der Geflügelhof auch bleiben. „Die alte Kundschaft stirbt weg und die jungen Familien holen sich keine Hühner mehr. Sie wollen lieber in den Urlaub fahren, als sich täglich um Tiere kümmern zu müssen“, hat er einen der Gründe ausgemacht.

Um Job und Nebenerwerb unter einen Hut zu bekommen, setzt er auf Futterautomaten, auch Wasser laufe automatisch nach. Den Großteil des Tages halten sich die Gänse im Freien auf. Die Nacht verbringen sie im Stall. Bewährt habe sich der um die Wiese gespannte Geflügelzaun. Füchse und Waschbären, über die Nachbaren immer wieder klagen, halte er fern.

Pute statt Gans zu Weihnachten

Bei Coni und Ingo Löbe kommt in diesem Jahr zu Weihnachten keine Gans auf den Tisch. „Meinem Schwager habe ich zum Geburtstag eine Pute geschenkt. Die ist so groß, dass er uns zu den Feiertagen zum Essen eingeladen hat“, sagt er. Gespannt ist er, ob dann auch Rotkohl und Klöße als Beilagen serviert werden.

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