Noch schnattern die Gänse im Geflügelhof in Eckstedt

Eckstedt.  Burghardt Kley aus Eckstedt hat sechs Monate lang 40 Gänse aufgezogen. Wer sich bei ihm den Festtagsbraten sichern will, kommt schon fast zu spät.

Burghardt und Robert Kley aus Eckstedt (v.l.) wissen, worauf es bei der Gänseaufzucht ankommt. Die Tiere brauchen Auslauf, gutes Futter und viel Liebe.

Burghardt und Robert Kley aus Eckstedt (v.l.) wissen, worauf es bei der Gänseaufzucht ankommt. Die Tiere brauchen Auslauf, gutes Futter und viel Liebe.

Foto: Jens König

Noch herrscht auf dem Hof der Familie Kley in der Erfurter Straße in Eckstedt mächtig viel Geschnatter. In gut vier Wochen wird das anders sein. Zwei Tage vorm Fest wird geschlachtet.

Wer jedoch glaubt, den Kauf des Festtagsbratens auf die lange Bank schieben zu können, liegt zumindest im Gänsehof Kley daneben. Lediglich fünf der insgesamt 40 übers Jahr aufgezogenen Gänse sind noch zu haben, berichtet Burghardt Kley. Die meisten gehen an Stammkunden. „Die holen ihre Gans und geben gleich wieder die Bestellung für das nächste Jahr auf“, so der 63-Jährige.

Junges Ehepaar will die Haushaltskasse aufbessern

Die Gänse sind dabei nicht das einzige Federvieh auf dem Hof. Es gibt außerdem noch 100 Enten und Hühner. Den Geflügelhof im Nebenerwerb führt die Familie seit mehr als 30 Jahren. „1989 haben wir angefangen. Damals waren wir frisch verheiratet und suchten nach einer Möglichkeit, die Haushaltskasse aufzustocken.“ Mit 150 Gänsen hatte das Paar seinerzeit begonnen. Damals wurden die Tiere, als das Weihnachtsfest näher rückte, zum Schlachthof gefahren. Schon 1992 gab es den Schlachthof nicht mehr und auch so hatte die Nachfrage nach Geflügel nachgelassen.

Aufgeben wollten die Kleys jedoch nicht. Sie reduzierten den Gänsebestand auf 40 Tiere und übernahmen die Schlachtung selbst. Seitdem kommen Jahr für Jahr, Anfang Juni, die Gössel mit Impfzettel direkt vom Züchter nach Eckstedt. In den kommenden fünf Monaten kümmert sich Burghardt Kley mit viel Hingabe darum, dass es den Tieren gut geht. Morgens, 5.30 Uhr holt er sie aus der Scheune. Dann können sie, bis es wieder dunkel wird, auf dem Hof viel Auslauf genießen.

Aufgespießte Rüben dienen als Gänse-Spielzeug

Mit der Haltung der Tiere im Hof und im Stall hofft der Gänse-Bauer auch vor der grassierenden Vogelpest besser gewappnet zu sein. Spielzeug, in Form von Ketten, aufgespießten Rüben und in einer Raufe aufgestocktem Heu, sorgt dafür, dass es den Gänsen nicht langweilig wird. „Sie wollen immer etwas zu tun haben“, schmunzelt Burghardt, der das erste Jahr als Rentner nun mehr Zeit hat, sich um Gänse, Enten und Hühner zu kümmern.

Spezialfutter aus Getreide, Mineralien und Rüben

Verabreicht bekommen die Gänse eine spezielle Hofmischung. Gerste und Weizen gehöre genauso dazu, wie Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Getreide baut er selbst an. Rüben und Kartoffeln kauft er von Betrieben aus der Umgebung. Vom Eckstedter Bäcker bekommt er altes Brot. Ganz wichtig sei der „Gänsewein“. Gemeint ist damit frisches Wasser. Gutes Futter und gute Pflege sorgen dafür, dass die Gänse bis Dezember ein Gewicht von 3,5 bis 6 Kilogramm auf die Waage bringen werden.

Froh ist Burghardt Kley, dass ihn sein Sohn Robert bei der Arbeit unterstützt. Auch beim Schlachten werden er und seine Frau ihm unter die Arme greifen. „Wir sind ein eingespieltes Team. Das klappt sehr gut“, so Robert Kley.

Eine Maschine erledigt das Rupfen der Federn

Lange Zeit war alles Handarbeit. Mittlerweile erledigt eine Maschine das sonst mühsame und oft auch schmerzhafte Rupfen des Federviehs. Während sich selbst für einen Teil der Gänsefüße Füße Interessenten finden, gibt es für die Federn keine Nachfrage. Sie fährt Burghardt Kley zur Tierkörperbeseitigungsanlage nach Elxleben.

Die letzte Gans wird Festbraten der Familie sein. Das war bis auf einmal immer so. Nicht vergessen hat Burghardt Kley das eine Jahr, als sein Gänsebraten schon fix und fertig vorbereitet in der Pfanne lag, als es plötzlich an der Tür klingelte und ein Kunde eine Gans für die bevorstehenden Feiertage kaufen wollte. Kley machte kurzen Prozess und gab seine Gans her. „Bei uns gab es dann Hackbraten und Kaninchen“, lacht er. Noch gar nicht denken mag er jetzt an die Ruhe, die schon bald auf seinem Hof einziehen wird. Oft sei er dann „halbkrank“, so groß sei die Umstellung. Mehr Zeit gibt es dann zum Spazierengehen oder für gemeinsame Unternehmungen mit den Enkeln, bis es ein halbes Jahr später wieder losgeht.