Obdachlosenunterkunft in Sömmerda geräumt

Sömmerda  Die Zustände im Gebäude Bahnhofstraße 31 in Sömmerda sind nicht mehr tragbar. Lebensgefahr durch herausgerissene Stromkabel.

Übel mitgespielt wurde der Obdachlosenunterkunft in der Bahnhofstraße 31 in Sömmerda. Fotos: Jens König

Übel mitgespielt wurde der Obdachlosenunterkunft in der Bahnhofstraße 31 in Sömmerda. Fotos: Jens König

Foto: Jens König

Die Obdachlosenunterkunft in der Bahnhofstraße 31 in Sömmerda existiert als solche nicht mehr. Das Gebäude wurde geräumt, bestätigte Bürgermeister Ralf Hauboldt (Linke) am Donnerstagabend in der Stadtratssitzung auf Anfrage von Henning Schwittay, Fraktionsvorsitzender CDU/FDP.

Erforderlich sei dies geworden, weil in dem Haus Gefahr für Leib und Leben bestanden habe, so Hauboldt. Bei einer Prüfung der Örtlichkeit sei festgestellt worden, dass Stromleitungen aus den Wänden gerissen und Stromverteiler beschädigt waren.

Die Sömmerdaer Energieversorgung schätzte ein, dass sie dies nicht mehr verantworten könne und lehnte es ab, das Objekt weiter mit Strom zu versorgen. Am Donnerstagnachmittag wurde daher die Versorgung eingestellt.

Damit und auch wegen anderer Probleme zum Beispiel mit der Heizung sei das Haus nicht mehr als Obdachlosenunterkunft nutzbar gewesen, so der Bürgermeister. Man habe den Anspruch der Menschen auf angemessenen Wohnraum nicht mehr gewährleisten können.

Ralf Hauboldt informierte die städtische Wohnungsgesellschaft WGS, von der die Kreisstadt die Räume angemietet hat. Zudem bat er den Arbeiter-Samariter-Bund um Hilfe, um für die fünf Personen, die die Unterkunft aktuell nutzten, eine Zwischenlösung zu finden. Der ASB stellte kurzfristig vier Plätze zur vorübergehenden Unterkunft zur Verfügung.

Von den fünf Betroffenen trafen Vertreter von Stadt, Landkreis, WGS und ASB am Donnerstag zwei in dem Gebäude Bahnhofstraße 31 an. Ihnen wurde beim Umzug geholfen. Die noch brauchbaren Möbel aus dem Haus wurden umquartiert. Zwei Menschen kamen gleich nebenan im Anbau des Hauses unter, vier weitere Plätze bietet der ASB für ein paar Tage im Stadtgebiet. Dann stellt der Landkreis eine Immobilie als Zwischenlösung zur Verfügung.

Wohncontainer als dauerhafte Lösung

Bei der Besichtigung des Gebäudes Bahnhofstraße 31 war auch festgestellt worden, dass sich Personen darin aufhielten, die dort nicht hingehören, so der Bürgermeister. Teilweise seien die Räume aufgebrochen gewesen, teilweise auch vermüllt. Insgesamt seien die Zustände nicht haltbar gewesen.

Die WGS engagierte für die Nächte zu Donnerstag und zum gestrigen Freitag einen Sicherheitsdienst. Zwischenzeitlich hatten Unbekannte versucht, sich mit der Brechstange Zutritt zu dem Haus zu verschaffen, weiß Ralf Hauboldt.

Langfristig soll eine völlig neue Lösung für eine Obdachlosenunterkunft in der Kreisstadt gefunden werden, kündigte er an. Es sei geplant, am Rohrborner Weg komplett ausgestattete Wohncontainer aufzustellen. Dies sei bereits langfristig vorbereitet worden, die Wohnungsgesellschaft habe dafür schon ein Grundstück erworben und geprüft, welche Medien vorhanden sind und welche noch benötigt werden.

Durch die Situation in der Bahnhofstraße 31 müsse dieser Plan nun so schnell wie möglich umgesetzt werden. Die Stadt sei verpflichtet, Obdachlosen Unterkunft zu gewähren, so Hauboldt. In den vorgesehenen Wohncontainern könne dies unter hygienischen Bedingungen, mit vandalismussicheren Möbeln erfolgen.

Eine Wohnung sei die Unterkunft allerdings nicht, es habe nicht jeder sein Zimmer und die Obdachlosen müssen die Unterkunft tagsüber räumen. In der Bahnhofstraße sei eine Art Gewohnheitsrecht entstanden und einige hätten sich dort quasi einquartiert, sagt der Bürgermeister. Das sei aber nicht der Sinn der Sache.

Der Wunsch der Stadt sei es, die Betreuung der Menschen so zu organisieren, dass sie nicht dem Selbstlauf überlassen sind. Dazu soll die Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Regenbogen intensiviert werden, das mit dem Projekt Anker ein Anlaufpunkt für Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen ist.

Das Haus Bahnhofstraße 31 werde wohl verkauft werden, blickt der Bürgermeister voraus.

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