Revolution Train: Interessant, emotional und vor allem wahr

Sömmerda  Achtklässer aus neun Schulen des Landkreises Sömmerda besuchen Anti-Drogen-Zug in Sömmerda. Heute wird Aktion fortgesetzt

Erschütternde Szenen, die niemanden kalt ließen.

Erschütternde Szenen, die niemanden kalt ließen.

Foto: Jens König

Für Strafrichterin Sabine Müller vergeht kein Tag ohne eine Verhandlung, die im Zusammenhang mit Betäubungskriminalität steht. Grund genug für sie, den im vergangenen Jahr ins Leben gerufenen Arbeitskreis Sucht im Landkreis Sömmerda zu unterstützen. Eine Herzensangelegenheit ist es für sie, das Thema nicht nur in die Öffentlichkeit zu tragen, sondern auch Präventionsstrategien zu entwickeln.

Den aus Tschechien stammenden so genannten „Revolution Train“, der seit gestern und bis heute am Sömmerdaer Bahnhof Station macht, sieht dafür als wichtiges Instrument an. „Der Anti-Drogen-Zug muss fester Bestandteil der Drogenprävention im Landkreis werden“, ist sie vom Konzept und dessen Wirkung überzeugt. Sie weiß, wovon sie spricht. Bereits im vergangenen Jahr hatte sie sich in Prag als Zugbegleiterin ausbilden lassen und daraufhin Schüler durch die einzelnen Abteile, die anhand einer wahren Geschichte eine Drogenkarriere schildern, geführt. Auch gestern begrüßte sie Schulgruppen vor Ort. „Die Schüler sind sehr interessiert und stellen Fragen“, sagte sie und sieht darin ein Zeichen, dass das Thema zeitgemäß umgesetzt ist und vor allem die Schüler erreicht. „Das gelingt, weil eben nicht nur Wissen vermittelt wird, sondern weil sich die Schüler emotional mit der gezeigten Geschichte auseinandersetzen müssen. Ich merke, dass das nicht immer einfach ist“, erklärte sie.

Als gute Entscheidung bewertet sie den Entschluss des Arbeitskreises, bereits die Achtklässler durch den Zug zu führen. Im vergangenen Jahr waren es noch die Neuntklässler. „Sicher kann die Geschichte, die im Zug gezeigt wird, nicht schon in der Grundschule gezeigt werden. Drogenprävention muss aber schon da eine Rolle spielen“, sagte sie.

Dass das Thema die Schüler der Albert-Schweitzer-Gesamtschule nicht unvorbereitet traf, berichtete Emily Grimmer. „Schon im Unterricht der 7. Klasse spielten Drogen eine Rolle. Eine Frau von Gesundheitsamt hatte uns damals besucht“, erzählte sie gestern. Die Präsentation im Zug beschrieb sie gestern als interessant und vielschichtig aufgearbeitet. Von einer sehr emotionalen Geschichte, sprach Emely Roth. „Ich zitterte schon während des Filmes und tue es immer noch, so stark hat mich das Thema berührt“, sagte die Schülerin. Begleitet wurden die Schülerinnen von Schulsozialarbeiterin Antje Martin. Gut fand auch sie die Präsentation, sprach sich aber neben einer guten Vorbereitung der Schüler auch für eine solche Nacharbeit aus.

Dass die Nacharbeit fester Bestandteil des Drogenpräventionsprogrammes ist, erklärte Projektleiterin Patrizia Jonson. „Die Zugbegleiter werden noch zweimal 45 Minuten in den Schulklassen zu Gast sein, um das Erlebte aufzuarbeiten“, informierte sie.

Neben den Schülern richtet sich das Angebot am Nachmittag an die Öffentlichkeit. „Damit haben auch Eltern die Möglichkeit, mit ihren Kindern den Anti-Drogen-Zug zu besuchen. Für uns ist das ganz wichtig, bietet der Film doch Eltern eine Möglichkeit, mit ihren Kindern über das Thema Drogen ins Gespräch zu kommen“, erklärte sie.

In Sömmerda sehen sie und Pavel Tuma, der Initiator des Zuges, das Konzept „hervorragend umgesetzt“. „Wir bieten mit dem Zug nur das Medium. Die Präventionsarbeit müssen die lokalen Partner stemmen“, so Tuma. Erneut gibt es direkt neben dem Zug eine Meile mit Ständen, die Beratungs- und Hilfsangebote bieten.

Dass der Revolution Train das zweite Mal in Folge in Sömmerda Station machen kann, sei für das Team eine Bestätigung ihrer langjährigen Arbeit. 18 Jahre hat Pavel Tuma daran gearbeitet, den „Revolution Train auf die Gleise zu bringen. Die wahre Geschichte eines Freundes hat er darin verarbeitet. Seit 2016 rollt der Zug. Wie es gestern hieß, hat er bereits in vier Ländern Station gemacht. 150.000 Besucher haben die Abteile durchlaufen. Allein in Deutschland werden es mit Ende der aktuellen Tour an die 40.000 Besucher sein.

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