Sauerstoff für Stausee in Großbrembach gegen den Gestank

Großbrembach  Die Thüringer Fernwasserversorgung bringt 18 Sauerstoffmatten an der Talsperre Großbrembach aus. Nun liegen rund 500 Meter Schlauch in der Tiefe. Über winzige Poren perlt daraus Sauerstoff ins Wasser und oxidiert.

Eine der 18 Sauerstoffmatten mit 25 Meter Perlschlauch lassen Uwe Trautmann, Hans Meiland, Andreas Schieck und Maurice Krokowski

Foto: Jens König

Die Thüringer Fernwasserversorgung nimmt einen neuen Anlauf, um gegen die seit Jahren im Sommer verstärkt auftretende Geruchsbelästigung am Stausee Großbrembach anzukämpfen. Nachdem verschiedene in den vergangenen Jahren getestete Technologien zwar etwas Besserung, aber nicht den erhofften Erfolg brachten, wurden gestern 18 Sauerstoffmatten in die Tiefe der Talsperre versenkt.

Die Matten sind eigentlich stabile Rahmen, in denen Begasungsschläuche in Schlingen verlegt sind. Knapp 25 Meter Schlauch passen in jeden Rahmen. Insgesamt liegen also seit gestern rund 500 Meter in der Tiefe. Über winzige Poren perlt daraus Sauerstoff ins Wasser und oxidiert.

Auf diese Weise versuche man quasi den Prozess umzukehren, der den Geruch verursacht, erklärt Hartmut Willmitzer, Fachbiologe Wasserqualität bei der Thüringer Fernwasserversorgung. Die Algen verbrauchen Sauerstoff, wobei übel riechender Schwefelwasserstoff entsteht. Der eingebrachte Sauerstoff bindet wiederum den Schwefelwasserstoff. „Die Algen atmen und wir beatmen den See“, sagt Hartmut Willmitzer.

Das Prinzip hatte man schon im vergangenen Jahr getestet. Im Mai 2018 war die Anlage, die in einem Tank gelagerten flüssigen Sauerstoff in gasförmigen umwandelt und diesen mit Druck über Schläuche ins Tiefenwasser leitet, in Betrieb gegangen. Damals hatte man zwei Schläuche im See verlegt. Deren insgesamt knapp 100 Meter Länge reichten aber offenbar nicht aus.

Das Problem: Die Technologie wurde ursprünglich für Trinkwassertalsperren konzipiert. Der Stausee Großbrembach ist aber viel flacher als solche Talsperren. Deshalb durchströmen die feinen Gasbläschen das Wasser relativ schnell, und der Anteil des Sauerstoffs, der auf dem Weg an die Oberfläche gelöst wird, ist zu gering.

In diesem Jahr ist der Wasserstand sogar noch niedriger als im vergangenen Sommer. 2018 lag er Anfang August bei 8,56 Meter, was einem Inhalt von 1,02 Millionen Kubikmetern entsprach. Aktuell sind es gerade mal 7,50 Meter beziehungsweise 670.000 Kubikmeter, hat Staumeister Andreas von Hof abgelesen. Er betreut für die Thüringer Fernwasserversorgung 12 Stauanlagen. Großbrembach ist sein Sorgenkind.

In die Talsperre hinein passen maximal 2,5 Millionen Kubikmeter Wasser, der sogenannte Betriebsstau (also der normale Stand) liegt bei 1,7 Millionen Kubikmetern bzw. knapp 12 Metern. Den erreichte der Speicher Großbrembach noch nicht einmal im Winter.

Gefahr für die Fische bestehe aber auch bei den derzeitigen Werten noch nicht.

Mit einer intensiveren Sauerstoff-Gabe als bisher versucht die Fernwasserversorgung nun, den Geruch einzudämmen, das Vierfache des vergangenen Jahres fließt durch die Schläuche. Jeden vierten Tag muss der Sauerstofftank neu gefüllt werden.

Das ist natürlich auch teurer als bisher, doch man nehme die Beschwerden der Anwohner ernst und müsse etwas tun, so Antonia Becke vom Bereich Öffentlichkeitsarbeit der Fernwasserversorgung. Hatte man 2018 für die nächsten fünf Jahre bis zu 50.000 Euro Kosten veranschlagt, stehen nun für die Miete der Matten sowie des Tanks und für den Sauerstoff jährlich rund 31.000 Euro zu Buche. Hinzu kommen etwa 500 zusätzliche Personalstunden.

Denn der Stausee wird nun statt einmal dreimal die Woche kontrolliert, regelmäßig werden Messungen vorgenommen. Am Unterlauf wird weiterhin auch zusätzlich Wasserstoffperoxid zugegeben, das ebenfalls Schwefelwasserstoff bindet.

Dass alle Bemühungen letztlich nur ein „Herumdoktern“ an den Symptomen sind, wissen alle Beteiligten. Langfristig muss etwas gegen die Ursache getan werden – die über Scherkonde und Synderbach/Lache erfolgende Einleitung von Abwasser aus zehn Gemeinden in den Stausee. Dazu habe es in den Zuflüssen Untersuchungen gegeben, und der Abwasserzweckverband im nördlichen Weimarer Land habe sein Abwasserbeseitigungskonzept angepasst.

Einige Jahre wird es dennoch dauern, bis die geplanten Abwasserprojekte umgesetzt sind.

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