Schüler-Freizeit-Zentrum in Sömmerda als Treffpunkt und Rückzugsmöglichkeit

Sömmerda.  Die Mitarbeiter des Schüler-Freizeit-Zentrums in Sömmerda müssen immer wieder auch als Seelentröster einspringen.

Mara, Lilly und Pia (von links) haben im Sömmerdaer Schüler-Freizeit-Zentrum Traumfänger gebastelt.

Mara, Lilly und Pia (von links) haben im Sömmerdaer Schüler-Freizeit-Zentrum Traumfänger gebastelt.

Foto: Jens König

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Eine bunte Perle nach der anderen zieht die elfjährige Lilly auf einen Faden, der bereits an einem Ring befestigt ist. Den hat sie vorher mit Wolle umwickelt. Auch das Netz im Inneren des Rings ist schon fertig. Mit ihrer siebenjährigen Schwester Pia und deren Freundin Mara sitzt Lilly seit einer Stunde konzentriert in der Bastelhöhle des Schüler-Freizeit-Zentrums (SFZ) in Sömmerda und bastelt an ihrem Traumfänger, der künftig über dem Bett im Kinderzimmer seinen Platz einnehmen soll.

Das Traumfänger-Basteln gehört zum diesjährigen Winterferien-Programm. Seit Montag bietet das fünfköpfige Team des SFZ ein ganztägiges Programm an. Von Kochen über Sport und Kino bis hin zu Schlittschuhfahren und einem Besuch in der Schwimmhalle ist alles dabei.

Die Betreuung in den Ferien sei anspruchsvoller, weil die Kinder teilweise von morgens bis abends beschäftigt werden wollen, erzählt SFZ-Leiterin Ellen Kaufmann. „Über den Tag verteilt verbringen etwa 30 Kinder ihre Zeit bei uns.“

Lilly und Pia kommen schon seit Jahren in den Ferien immer wieder in die Einrichtung in der Kölledaer Straße. Zu Hause würde ihnen die Decke auf den Kopf fallen, sagen sie. Basteln tun die Schwestern besonders gern. Auch wenn der Kampf um die schönsten Perlen am Traumfänger damit endet, dass ein Großteil der weißen und blauen Kügelchen auf dem Boden landet.

Für Daniela Schubert-Max, pädagogische Mitarbeiterin im SFZ, ist es eine nette Abwechslung, mal nur mit drei Kindern zu arbeiten. Da stören auch kleine Streitereien unter Geschwistern nicht. Mitunter sind es sieben bis zehn Kinder, denen Schubert-Max gerecht werden muss. „Heute können wir uns auch mal über andere Dinge unterhalten, und ich kann sofort helfen, wenn mal was nicht klappt.“

Während Lilly und Pia schon „alte Hasen“ im SFZ sind, ist es für Mara der erste Besuch. Dass die Siebenjährige dort aber in guten Händen ist, das wissen ihre Eltern genau. Denn auch Maras Mutter kam früher in den Schulferien schon hier her.

In diesem Jahr feiert die Einrichtung 30-jähriges Bestehen. Viel habe sich in dieser ganzen Zeit verändert, sagt Leiterin Ellen Kaufmann. Sie ist von Beginn an Teil des Teams und leitet das Zentrum nun seit etwa zehn Jahren.

Ihr ist es besonders wichtig, auf jedes Kind individuell eingehen zu können, wie sie selbst sagt. Und das sei auch nötig. Denn immer öfter kommen auch Kinder, die Ablenkung suchen oder jemanden zum Reden brauchen. „Ich habe häufig das Gefühl, dass diese Kinder außerhalb unserer Einrichtung auf sich allein gestellt sind“, sagt Kaufmann. Sie suchen Kontakt zu den Erwachsenen, fordern ständige Aufmerksamkeit und lassen sich nur schwer in die Gruppe integrieren. Es sei eine große Herausforderung, die Bedürfnisse dieser Kinder zu stillen und gleichzeitig die anderen Kindern nicht aus den Augen zu verlieren. „Wir haben uns im Laufe der Zeit von Betreuern auch zu Seelentröstern entwickelt“, so Kaufmann.

Einige Kinder haben bereits einschneidende Erlebnisse hinter sich, weiß Kaufmann. Diese Einzelschicksale lassen die Mitarbeiter des Schüler-Freizeit-Zentrums natürlich nicht kalt. Wenn aber auch sie in der Vergangenheit mal nicht weiter wussten, musste auch schon das Jugendamt eingeschaltet werden.

Die verschiedenen Projekte und Aktivitäten im SFZ sollen den Kindern helfen, sich sozial weiterzuentwickeln und zu integrieren. Dabei können auch die anderen Kinder helfen. Kontakte können zum Beispiel im offenen Spielbereich geknüpft werden.

Dorthin zieht es nach der Bastelstunde auch Lilly, Pia und Mara. Aber erst, nachdem sie Ellen Kaufmann ihre fertigen Traumfänger präsentiert haben.

Für die Geschwister ist das Schüler-Freizeit-Zentrum in der Kölledaer Straße ein fester Bestandteil aller Ferien. Und auch Mara will wiederkommen. Zunächst am Nachmittag, um mit Lilly und Pia Teddybären aus Handtüchern zu basteln. Aber auch das Programm für die nächsten Ferien wird bestimmt nach Möglichkeiten durchforstet, die freie Zeit mit dem zu füllen, was Spaß macht.

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